Der tiefe Fall von Kloten und Gottéron

Vier Runden vor Ende der Qualifikation kämpfen noch vier NLA-Teams um das letzte Playoff-Ticket. Tagesanzeiger.ch/Newsnet prophezeit, wie der Tanz am Strich ausgehen wird.

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Der Eishockey-Liebhaber erhält in diesen Tagen endlich Klarheit. Im Endspurt der NLA-Qualifikation präsentiert sich die Tabelle für einmal übersichtlich, alle Clubs haben gleichviele Spiele absolviert, nämlich 46. Es ist eine Phase in der langen Meisterschaft, in der weder Helene Fischer noch die Zeugen Jehovas das Zürcher Hallenstadion in Beschlag nehmen und durch ihre Präsenz im Unterhaltungstempel von Oerlikon das Programm der Eishockeyaner auf den Kopf stellen. Dementsprechend stolz darf auch Spielplan-Macher und Weinhändler Willi Vögtlin auf sein Werk blicken.

Vier Runden vor Ende der Regular Season ist noch ein Platz an der Sonne oder ein Playoff-Ticket zu vergeben. Nicht nur wegen der erreichten Punktzahl hat der an achter Stelle liegende EHC Biel die besten Karten. Die Vorfreude auf das sich im Bau befindende neue Eisstadion scheint den Seeländern zusätzlichen Schub zu verleihen. In der zweisprachigen Stadt ist man sich zudem an den ungangenehmen Kampf am Strich gewöhnt – das muss kein Nachteil sein.

Abgerechnet wird allerdings erst am Schluss, wenn alle zwölf NLA-Mannschaften je 5o Partien auf dem Buckel haben. Der HC Fribourg-Gottéron, die Kloten Flyers und der HC Ambri-Piotta können theoretisch zwölf Punkte holen und die erstaunliche Truppe von Kevin Schläpfer noch abfangen. In der letzten Runde steht das Duell der beiden so enttäuschenden Clubs Fribourg gegen Kloten an. Nicht nur Tagesanzeiger.ch/Newsnet zweifelt, dass es am 24. Februar in der BCF-Arena tatsächlich noch um die Playoff-Qualifikation gehen wird.

Ausgangslage und Prognosen:

8. EHC Biel: 46 Spiele/59 Punkte (Torverhältnis: 132:155)
Restliches Programm: Zug (a), Lausanne (a), Lausanne (h), SC Bern (h)

Trotz der am Samstag im Finish erlittenen 3:6-Heimniederlage gegen Servette: Der EHC Biel wird die nötigen Punkte erkämpfen, um zum dritten Male innert vier Jahren das Playoff zu erreichen. Die Leistung der Bieler erstaunt umso mehr, da die beiden Torhüter Simon Rytz (Fangquote von 90,15 Prozent/Rang 24) und Lukas Meili (85,8/32. Rang) nicht zu den besten Goalies der Liga gehören. Die Verteidigung ist ebenfalls nicht prominent besetzt und wird als die schwächste neben jene der Lakers eingestuft. Und im Januar konnten die Seeländer mehrere Wochen nur mit drei Fremdarbeitern antreten.

Aber all diese personellen Handicaps macht die Equipe von Kevin Schläpfer mit Einsatz, Wille und Teamgeist wett. Die Bieler, die offensichlich das Wort Ehre nicht vergessen haben, versuchen immer alles zu geben, ein Eindruck, den man von den drei verbliebenen Mitstreitern um einen Playoff-Platz in den letzten Wochen und Monaten nicht immer bekommen hat.

Fazit: Schläpfers Männer qualifizieren sich dank ihrer löblichen Einstellung fürs Playoff und sorgen für ein weiteres Wunder in der an Episoden reichen Geschichte des Schweizer Eishockeys.

9. HC Fribourg-Gottéron: 54 Punkte (131:162)
Lugano (a), Servette (h), Servette (a), Kloten (h)

Die Art und Weise, wie Gottéron am Samstag zu Hause beim 2:4 gegen Zug auftrat, lässt den Schluss zu: Das Feuer bei den Eisdrachen ist erloschen. Nicht nur Fribourgs Trainer Gerd Zenhäusern rätselt, warum in einer so wichtigen Meisterschaftsphase sein Personal derart uninspiriert, gehemmt und emotionslos auftreten kann. Gegen den soliden, aber keineswegs überragenden EVZ bezog Gottéron die zwölfte Heimpleite, das Publikum quittierte nicht zum ersten Mal in diesem Winter den Auftritt der fragilen Copains mit Pfiffen. Die Defensivfraktion ist wie gehabt anfällig, in der Offensive fehlt es an Power und Überzeugung – es sind Symptome, die darauf hindeuten, dass das sportliche Aushängeschild des Kantons Freiburg erstmals seit Frühling 2007 wieder gegen die Relegation kämpfen muss.

Fazit: Das einzige, was beim HC Fribourg-Gottéron, im vergangenen Frühling immerhin noch Halbfinalist, momentan den Status playoffwürdig verdient, ist das Moitié-Moitié-Fondue mit Käse aus der Region in der Buvette des Stadions.

10. Kloten Flyers: 53 Punkte (109:136)
Lakers (h), Lakers (a), Davos (h), Fribourg (a)

Die kecken Statistiker der Kloten Flyers müssen sich warm anziehen. Sie haben nämlich ausgerechnet, dass in den 15 Spielen, in denen der renommierte, mitunter mürrische Coach und Sportchef Sean Simpson an der Bande stand, durchschnittlich nur ein Punkt pro Partie gewonnen werden konnte. Das reicht nicht, um sich noch ins Playoff zu stehlen. Zum Vergleich: Biel, Fribourg und Ambri haben in dieser Phase mehr Zähler geholt als die Zürcher Unterländer. Rein statistisch gesehen, ging der Trainerwechsel von Felix Hollenstein zu Simpson vor Weihnachten in die Hose.

Gewiss, die Flyers siegten zuletzt in Lausanne 3:0, dürfen im Finale der Regular Season unter anderem zweimal gegen den Tabellenletzten Rapperswil-Jona Lakers antreten und scheinen mit dem Finnen Ville Leino einen brauchbaren Ausländer engagiert zu haben. Dass namhafte Stürmer wegen Verletzungen momentan nicht zur Verfügung stehen, ist Pech, doch auch andere Teams beklagen oder beklagten gewichtige Ausfälle. Die Absenz von Stammkräften darf angesichts von Klotens recht prominent besetzten Kader nicht als Entschuldigung für den bisher enttäuschenden Saisonverlauf hinhalten. Last but not least: Gegen die unmittelbare Konkurrenz weisen die Flieger in den Direktduellen eine negative Bilanz auf.

Fazit: Es reicht nicht mehr für Kloten. Zum zweiten Male nach der Meisterschaft 2012/13 und in der Ära von Chef Philippe Gaydoul klopft die Relegationspoule an die Türe der Kolping Arena. Und ganz ehrlich: Wie Fribourg haben die Flyers die Playoff-Teilnahme auch nicht verdient. Zu hilflos, ineffizient und generell ungenügend waren die meisten Auftritte des letztjährigen Playoff-Finalisten.

11. HC Ambri-Piotta: 51 Punkte (118:154)
ZSC Lions (h), Zug (h), Zug (a), Lausanne (a)

Es gibt kaum ein menschliches Wesen, das in der Leventina nicht dem HCAP die Daumen drückt. Das sonntägliche 1:5 in Davos hat jedoch auf die Stimmung der Bewohner im kargen Tal gedrückt. Die Weisheit, dass die Hoffnung zuletzt sterbe, wurde im Zusammenhang mit Ambri gerade in der Vergangenheit übermässig strapaziert. Es sieht heuer so aus, als wäre der Zug in Sachen Playoff für den Club aus dem Nordtessin abgefahren, trotz der Tore von Alexandre Giroux. In der Davoser Kathedrale waren die Biancoblù am Ende fast stehend k.o. Vor einem Jahr kämpfte Ambri überraschend um Meisterehren, verlor die Viertelfinal-Serie gegen Gottéron allerdings klar 0:4. Diesmal wird der Playoff-Coup verpasst, zu unausgeglichen sind die Mannschaftsteile der Squadra von Trainer Serge Pelletier besetzt.

Fazit: Der HC Ambri-Piotta tut gut daran, sich auf einen langen Abstiegskampf einzustellen. Denn die Lakers sind besser als ihr Ruf, und der zukünftige NLB-Meister SCL Tigers tankt immer mehr Moral. So eine Liga-Qualifikation zehrt besonders am Nervenkostüm.

Erstellt: 17.02.2015, 09:31 Uhr

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