Die Davoser Hockey-Party geht weiter

Dank vier Siegesanwärtern verspricht der 85. Spengler-Cup viel Spannung. Die Zukunft des traditionellen Eishockey-Turniers in Davos ist gesichert.

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Morgen Nachmittag um 16 Uhr bricht der Tross der Kloten Flyers in zwei Bussen auf nach Davos. Etwa 70 Personen umfasst die Delegation in Richtung Spengler-Cup, mit dabei sind neben den Spielern auch Frauen, Freundinnen und Kinder. Die Flyers, die zum ersten Mal seit 1990 teilnehmen, wohnen im Hotel Morosani Schweizerhof. Die Unterkunft bietet einige Vorteile – der Weg von der hauseigenen und allseits beliebten Diskothek zurück ins Zimmer beschränkt sich beispielsweise auf ein Minimum.

Kloten eröffnet das Turnier gegen KHL-Vertreter Dinamo Riga. Die Letten treten das Erbe von SKA St. Petersburg an, das seinen Titel nicht verteidigen wollte. An der Bande steht mit Pekka Rautakallio ein in der Schweiz altbekannter Finne. Der Captain heisst Sandis Ozolinsh und hat 1012 NHL-Spiele absolviert.

Nylander hilft den Flyers

Nachdem der Spengler-Cup zuletzt dreimal von einem Team aus der KHL gewonnen wurde (Dynamo Moskau, Dynamo Minsk, SKA St. Petersburg), präsentiert sich die Ausgangslage in diesem Jahr völlig offen. Sowohl Kloten, Riga, das Team Canada wie auch Gastgeber Davos dürfen sich Hoffnungen auf den Sieg machen. Der HCD, der sich mit Reto Berra (Biel), Janne Niinimaa, Pavel Brendl (beide Lakers) und dem Tiger Woods verblüffend ähnlich sehenden Robbie Earl (Red Bull Salzburg) verstärkt, gewann sein Heimturnier letztmals 2006. Die Flyers haben sich im letzten Moment die Dienste von Michael Nylander, des stürmenden Teilzeitarbeiters von Kantonsrivale ZSC, gesichert.

Die beiden Fragezeichen dieses Jahres stehen hinter Wolfsburg und Vitkovice. Es sind zwei Teams mit in der Schweiz weitgehend unbekannten Namen, eine Finalteilnahme wäre eine Überraschung. Wolfsburg verstärkt sich mit Servette-Verteidiger Kevin Hecquefeuille, Vitkovice mit Gian-Andrea Randegger (ebenfalls Servette) und Franco Collenberg (Fribourg).

Änderung hat sich bewährt

Die Modus-Änderungen des letzten Jahres haben sich bewährt, auch heuer sind die beiden Gruppensieger direkt für den Halbfinal qualifiziert und können sich «mit einem Freitag belohnen», wie es OK-Chef Fredi Pargätzi nennt. Die vier anderen Teams bestreiten zwei Viertelfinals. Im Halbfinal ist es neu nicht mehr möglich, dass der Erste auf den Zweiten derselben Gruppe trifft.

Gastgeber Davos greift am zweiten Tag ins Turniergeschehen ein. Damit sind zumindest zwei Spieldaten des HCD bekannt. Zudem ist, auch auf Druck der NLA-Klubs, gewährleistet, dass die Kanadier nicht mehr fünf Spiele in fünf Tagen absolvieren müssen. Dieses Los droht dafür unter Umständen dem HCD.

Schmerzensgeld für die Klubs

In den Verhandlungen um die Zukunft des Spengler-Cups zwischen Davos und den elf anderen NLA-Klubs zeichnet sich eine Einigung ab. Vorab: Der SpenglerCup wird weiter bestehen, die Meisterschaftspause zwischen Weihnachten und Neujahr beibehalten.

Die Klubs haben ihr Angebot formuliert. Es besteht aus drei Punkten. Sie erhalten neu eine Entschädigung für die Einnahmeausfälle während der Meisterschaftspause. Sie erhalten eine Entschädigung für die Spieler, die sie dem Team Canada abstellen. Und sie erhalten eine Entschädigung für Spieler, die sich am Spengler-Cup verletzen, abgerechnet pro Partie, die der betreffende Spieler in der Meisterschaft verpasst. Bis anhin trugen die Klubs das alleinige Risiko, wenn sich ein Spieler verletzte.

Ein Erfolg der Diplomatie

Konkret beträgt das Schmerzensgeld, das der HCD den Klubs künftig entrichten soll, 800'000 bis 900'000 Franken. Der Gewinn aus dem Spengler-Cup beläuft sich derzeit auf knapp drei Millionen Franken. In dieser Summe, die bei einem künftig höheren Reingewinn der Davoser nicht angepasst wird, sind die Entschädigungen für die Verletzten allerdings nicht inbegriffen.

Noch sind die Verhandlungen nicht abgeschlossen. «Aber», sagt der designierte HCD-Präsident Gaudenz Domenig, «wir haben uns so weit angenähert, dass ein Scheitern praktisch ausgeschlossen werden kann.» Domenig hat mit seinem Verständnis für die Anliegen der Klubs und seiner diplomatischen Art, die ihn von Vorgänger Tarcisius Caviezel unterscheidet, viel dazu beigetragen, dass der Spengler-Cup der Eishockey-Schweiz auch in Zukunft erhalten bleibt. Vielleicht sogar bald wieder mit einem schwedischen oder finnischen Team. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.12.2011, 13:31 Uhr

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85. Spengler-Cup, Davos

Teams. Gruppe Cattini: Team Canada, HC Vitkovice Steel, HC Davos. - Gruppe Torriani: Kloten Flyers, Dinamo Riga, EHC Wolfsburg.

Spielplan. Montag, 26. Dezember, 15 Uhr: Kloten - Riga (Spiel 1). - 20.15 Uhr: Team Canada - Vitkovice (2). - Dienstag, 27. Dezember, 15 Uhr: Wolfsburg - Verlierer Spiel 1. - 20.15 Uhr: Davos - Verlierer Spiel 2. - Mittwoch, 28. Dezember, 15 Uhr: Sieger Spiel 1 - Wolfsburg. - 20.15 Uhr: Sieger Spiel 2 - Davos. - Viertelfinals (Pre-Semifinals). Donnerstag, 29. Dezember, 15 Uhr: Zweiter Gruppe Torriani - Dritter Gruppe Cattini (Spiel 7). - 20.15 Uhr: Zweiter Gruppe Cattini - Dritter Gruppe Torriani (Spiel 8). - Halbfinals. Freitag, 30. Dezember, 15 Uhr: Erster Gruppe Cattini - Sieger Spiel 7. - 20.15 Uhr: Erster Gruppe Torriani - Sieger Spiel 8. - Final: Samstag, 31. Dezember, 12 Uhr.

Modus/Reglement: Die Sieger der Gruppen Cattini und Torriani erreichen die Halbfinals direkt. Die übrigen Teams bestreiten übers Kreuz (der Gruppen) die Viertelfinals (Pre-Semifinals). Pro Sieg nach regulärer Spielzeit erhalten die Teams drei Punkte. Bei einem Remis folgt eine fünfminütige Verlängerung mit nur noch je fünf Spielern und falls nötig ein Penaltyschiessen; der Sieger erhält einen Zusatzpunkt. Pro Team sind vier Verstärkungsspieler erlaubt - drei Feldspieler und ein Keeper.

Spengler-Cup-Sieger (seit 1975). 1975: Tschechoslowakei Olympia. - 1976: Sowjetunion B. - 1977: SKA Leningrad. - 1978: Dukla Jihlava. - 1979: Krilija Moskau. - 1980: Spartak Moskau. - 1981: Spartak Moskau. - 1982: Dukla Jihlava. - 1983: Dynamo Moskau. - 1984: Team Canada. - 1985: Spartak Moskau. - 1986: Team Canada. - 1987: Team Canada. - 1988: USA Selects. - 1989: Spartak Moskau. - 1990: Spartak Moskau. - 1991: ZSKA Moskau. - 1992: Team Canada. - 1993: Färjestad. - 1994: Färjestad. - 1995: Team Canada. - 1996: Team Canada. - 1997: Team Canada. - 1998: Team Canada. - 1999: Kölner Haie. - 2000: Davos. - 2001: Davos. - 2002: Team Canada. - 2003: Team Canada. - 2004: Davos. - 2005: Metallurg Magnitogorsk. - 2006: Davos. - 2007: Team Canada. - 2008: Dynamo Moskau. - 2009: Dynamo Minsk. - 2010: SKA St. Petersburg.

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