Die Zukunft der ZSC Lions beginnt heute

Warum man sich an Niederlagen des ZSC gewöhnt hat, und wie man im diesjährigen Playoff einen Turnaround einleiten kann.

Die letzten zwei Jahre war für die ZSC Lions die Saison bereits nach dem Playoff-Viertelfinal vorbei.

Die letzten zwei Jahre war für die ZSC Lions die Saison bereits nach dem Playoff-Viertelfinal vorbei. Bild: Keystone

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Man gewöhnt sich an so vieles. Ans zersprungene Glas beim Display des Smartphones. An überfüllte Züge. Ans frühe Aufstehen. An den Hochnebel (für Bergler in Zürich). Oder ans Verlieren. Die ZSC Lions sind für Letzteres ein gutes Beispiel. Je öfter sie verloren, desto weniger tat es ihnen weh. In den letzten Wochen und Monaten hatte man oft das Gefühl, der Schwede Fredrik Pettersson stemme sich als Einziger mit aller Macht gegen die Niederlage. Lagen die Zürcher einmal zurück, fügten sie sich meist ins scheinbar Unvermeidliche.

Die ZSC Lions, die von 2012 bis zum Final 2015 neun von zehn Playoff-Serien gewannen, sind zum Verliererteam geworden. Seit ihnen 2015 im Final gegen Davos noch drei Siege zur Titelverteidigung fehlten, verloren sie 12 von 14 Playoff-Spielen. Das Aus gegen den formstarken SCB (2016) konnte man noch als Betriebsunfall abtun, das Scheitern an Lugano (2017) deckte ihre Schwächen schonungslos auf. Und in diesem Winter überzeugten sie nicht einmal mehr in der Qualifikation.

Der abrupte Stilwechsel vom aufbrausenden Marc Crawford zu den antiautoritären Schweden Wallson/Johansson hat vieles zerstört. Inzwischen ist wieder allen klar: Der ZSC braucht an der Bande einen Nordamerikaner, der auch einmal mit der Peitsche knallt. Wie tief die Probleme sitzen, offenbarte sich, als nicht einmal der Trainerwechsel zu Nothelfer Hans Kossmann etwas bewirkte. Die ZSC Lions sind gerade noch so ins Playoff gestolpert – anders als 2008 und 2012, als sie zuvor noch Fahrt aufgenommen hatten und von den Rängen 6 und 7 aus ­Meister wurden.

Transfers garantieren nichts

Wer nun denkt, die Weichen für eine bessere Zukunft seien mit namhaften Transfers (Noreau, Hollenstein, Bodenmann) gestellt, der täuscht sich. Die Genannten sind zwar alles versierte Spieler, doch den Charakter dieser Mannschaft werden sie nicht verändern. Am Talent fehlte es den ZSC Lions ja noch nie. Es ist deshalb höchste Zeit, im bevorstehenden Playoff den Turnaround einzuleiten. Eine schwierige Aufgabe für Kossmann. Zumal einige scheidende Spieler ­gedanklich gar nicht mehr richtig dabei scheinen.

Der Kanada-Schweizer kann aus zahlreichen Motivationsreden schöpfen. Die eindrücklichste stammt aus dem Football-Film «Any Given Sunday», als Al Pacino als Coach sagte: «Entweder gesunden wir auf der Stelle als Team, oder wir sterben als ­Individualisten.» Sterben wird im Playoff niemand, es ist nur Eishockey, ein wunderschönes Spiel. Und vielleicht reicht es ja, wenn bei den ZSC Lions heute Vormittag jeder, wenn er sich zum vorerst letzten Mal rasiert, in den Spiegel blickt und sich fragt: Macht es Spass, ein Verlierer zu sein?

Haben die Lions eine Chance – und wieso könnte Bern rausfliegen? Unsere Experten analysieren die Viertelfinals. (Video: Fabian Sanginés)

Erstellt: 10.03.2018, 14:44 Uhr

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