Die drei Fragezeichen

Die Kloten Flyers haben drei Torhüter – und doch keinen einzigen sicheren Wert im Kampf ums Playoff.

Spielt Jonas Müller (links) heute letztmals für die Flyers? Wann kann Martin Gerber (Mitte) wieder zupacken? Wie sehr kann Gastarbeiter Janick Schwendener (rechts) helfen? Fotos: EQ, Keystone, EQ

Spielt Jonas Müller (links) heute letztmals für die Flyers? Wann kann Martin Gerber (Mitte) wieder zupacken? Wie sehr kann Gastarbeiter Janick Schwendener (rechts) helfen? Fotos: EQ, Keystone, EQ

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt wahrlich keinen Mangel an ­Momenten, in denen die Saison des Playoff-Finalisten vom Frühling eine Wende zum noch Schlechteren nahm. Doch jene Szene, die bis heute den längsten Schatten wirft, ereignete sich am 2. Dezember in Freiburg.

Es war der Moment, als Nationalgoalie Martin Gerber beim vergeblichen Versuch, das 0:1 zu verhindern, auf seinen Ellbogen fiel. Wenige Minuten später fuhr er vom Eis. «Ich wusste sofort, dass etwas nicht gut war», erinnert er sich an die Szene. Er erlitt einen Bänderriss, ­gespielt hat er seither keine Sekunde.

Die Diagnose führte zu einer delikaten Situation. Eine Operation würde für den 40-Jährigen das Saisonende bedeuten, ein Gelingen ist keineswegs sicher. Konventionelle Behandlung dagegen verspricht eine absehbare Rückkehr – doch Genesung und Belastbarkeit des Ellbogens bleiben offen.

Es begann eine Zeit der Zwischen­lösungen. Während Gerber seinen Arm in eine Schiene presste und schonte, übernahm Jonas Müller seine Position. Das Vertrauen in den 30-jährigen Glarner war aber von Anfang an begrenzt. Letztes Jahr, als Gerber mit einem Bänderriss ebenfalls zwei Monate fehlte, hatten es die Flyers vorgezogen, von Lugano Michael Flückiger auszuleihen. Diesmal bot sich eine vergleichbare Option erst an, als Sean Simpson das Traineramt übernommen hatte. Der ­Kanadier holte den 22-jährigen Janick Schwendener – der ist eigentlich die Nummer 2 in Davos, war zum Sammeln von Spielpraxis aber schon an NLB-Club Thurgau sowie an Servette ausgeliehen worden.

McSorleys Winkelzug

Und so kommt es, dass die Flyers jetzt einen Goalie haben, der nicht gesund ist, einen, dem sie nicht vertrauen, und einen, der ihnen nicht gehört. Dass mit dem 19-jährigen Nicola Aeberhard noch ein talentierter Junior zur Verfügung stünde, sei nur am Rande vermerkt. Er spielt bei den Überlegungen, wie man doch noch ins Playoff kommen könnte, offenbar keine Rolle.

Das jüngste und mit 20 NLA-Spielen unerfahrenste der drei Fragezeichen ist Schwendener. Dafür hat er als Leihspieler mit Servette den Spengler-Cup gewonnen und diese Saison die beste Abwehrquote der Flyers-Goalies – 92,4 Prozent gegenüber Gerbers 90,4 und Müllers 88,8. Weil es schon sein zweiter Clubwechsel innerhalb der NLA ist, muss Schwendener gerade drei Spiele Sperre absitzen, das letzte heute. Das ist kein Zufall. Im Cup setzte ihn Servettes Coach genau aus diesem Grund ein letztes Mal aufs Matchblatt: damit er noch nicht gegen sein Team, sondern erst am Sonntag in Lugano spielberechtigt ist.

Was Schwendeners Situation verkompliziert: Am 31. Januar läuft die Transferfrist für Schweizer ab. Sollte sich der ­Davoser Stammgoalie Leonardo Genoni bis dann verletzen, müsste Schwendener wohl zurückkehren. Andernfalls verspricht HCD-Trainer Arno Del Curto aber: «Wenn Kloten ihn bis Ende Saison behalten will, kann er bleiben – wir ­machen alles für unsere Spieler.»

Ob Kloten will, dürfte einerseits an Schwendener liegen, vor ­allem aber am Heilungsverlauf Gerbers. Der Emmen­taler – der einzige der drei, der auch nächste Saison unter Vertrag ist – steht wieder auf dem Eis, trainiert mit einer Schiene. «Ich brauche schon noch etwas Hilfe», sagt er, aber auch: «Ich habe diese Woche ziemliche Fortschritte ­gemacht, vor zehn Tagen sah es nicht so gut aus.» Sein erklärtes Ziel ist es, vor der Länderspielpause am 1. Februar ­wieder zum Einsatz zu kommen.

Rennen gegen die Zeit

Rückschläge verträgt es keine, es ist ein Rennen gegen die Zeit – auch für Gerbers Club, der auf der wichtigsten Position in der wichtigsten Saisonphase Klarheit braucht. Denn einen Schweizer Goalie kann Kloten nach dem 31. Januar nicht mehr holen, und zwei Wochen später schliesst auch der Ausländermarkt.

Bis es so weit ist, werden immerhin ein paar Fragen sicher eine Antwort ­haben. Zum Beispiel jene, wie gut Müller heute in seinem wohl letzten Qualifikationsspiel für Kloten gegen Servette hält. Oder ob Schwendener wirklich leisten kann, was sich Kloten von ihm erhofft.

Erstellt: 15.01.2015, 23:20 Uhr

Artikel zum Thema

«Gedanken, die einem Goalie nicht guttun»

Interview Flyers-Goalie Jonas Müller spricht über Kritik an seiner Person und über die Gerüchte, dass sich Sean Simpson nach anderen Goalies umsehe. Mehr...

Die ZSC-Wende im letzten Drittel

Dank vier Toren im dritten Drittel gewinnen die ZSC Lions das Zürcher Derby gegen die Kloten Flyers 4:2. Im 1000. NLA-Spiel von Captain Mathias Seger zeigten die Stadtzürcher ein starkes Comeback. Mehr...

Den Flyers gehen die Spiele aus

Das 2:3 im Derby war Klotens 5. Niederlage im 6. Ligaspiel unter Simpson. Eine schnelle Trendwende ist nötig. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Bei GAM fliessen weiterhin Vermögen ab

Von Kopf bis Fuss Warum Hafer (fast) so wirksam ist wie Medizin

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...