«Die letzten zwei Jahre haben mich mental abgehärtet»

Die Calgary Flames sind das Überraschungsteam der noch jungen NHL-Saison. Seit kurzem auch dank dem Schweizer Sven Bärtschi.

Zuletzt 3 Assists in 2 Spielen: Calgary-Stürmer Sven Bärtschi (22). Foto: Keystone

Zuletzt 3 Assists in 2 Spielen: Calgary-Stürmer Sven Bärtschi (22). Foto: Keystone

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Seit Sie in Calgary unter Vertrag stehen, pendeln Sie zwischen NHL und AHL. ­Haben Sie sich diesmal dauerhaft in der NHL festgesetzt?
Das ist ausserhalb meiner Kontrolle. ­Alles, was ich tun kann, ist, mich mit guten Leistungen zu empfehlen. Ich weiss: Es ist eine Art Jetzt-oder-nie-Situation. Ich muss aufs Eis gehen und Präsenz ­zeigen. Es ist wichtig, dass ich involviert bin ins Spiel. Dass ich zu Torchancen komme, auch welche kreiere. Derzeit ­gelingt mir das nicht schlecht.

Ihr Vertrag läuft 2015 aus. Erhöht das den Druck, nun gross aufzuspielen?
Irgendwo ganz hinten im Kopf geistert dieser Gedanke schon herum. Aber ich darf mir nicht zu viel Druck auferlegen. Ich weiss, wenn ich gut spiele, wird sich alles andere von selbst ergeben.

Sie mussten die Saison im Farmteam von Glen Falls beginnen. Ein Schock?
Ich war verständlicherweise nicht gerade glücklich. Ich hatte ein gutes Trainingscamp gezeigt. Dennoch schaffte ich es nicht ins NHL-Team. Es war ein weiterer Rückschlag, den ich verdauen musste.

Es war bereits Ihre vierte Degradierung seit 2012. Wie schafften Sie es, trotzdem positiv zu bleiben?
Die letzten zwei Jahre haben mich mental enorm weitergebracht, abge­härtet. Andere wären vielleicht daran zerbrochen. Bei den Junioren in Portland lief ­alles nach Plan. Dann in der NHL, als viele Leute erwarteten, dass ich wie eine Bombe einschlagen würde, plötzlich nicht mehr. Wenn man eine Durststrecke erlebt und nichts zu gehen scheint, dann fühlt sich der Puck bleischwer an. Dann fängt man an, herumzustudieren. Aber mein ultimatives Ziel war stets die NHL. Den Glauben daran habe ich nie auf­gegeben. Schliesslich spiele ich auch, um mein Umfeld – Familie, Freundin und Freunde – stolz zu machen. Und irgendwie habe ich es geschafft, dass ich stets eine Chance bekomme.

In der AHL fanden Sie nicht ­ auf Anhieb den Tritt. Weshalb?
Die Umstellung ist schon gross. Das ­System ist zwar gleich wie in der NHL. Aber da spielt man mit den ­besten Spielern der Welt. Die Pässe sind präziser, die Schüsse sind härter, der Aufbau kontrollierter. In der AHL steht man manchmal frei, und der Pass kommt trotzdem nicht. An dieses andere Spiel musste ich mich zuerst wieder gewöhnen. Und als es besser lief, wurde ich dann ja rasch hochgeholt, weil die Flames viele ­Verletzte hatten. Es ist oft so: Das Pech des einen ist das Glück eines andern.

Der Neustart in der NHL lief dann aber zunächst auch nicht optimal.
Auf der Reise nach Florida erwischte ich einen Virus. Ich bekam einen unangenehmen Ausschlag an Füssen und Händen, verlor Gewicht. Der Körper musste ziemlich arbeiten, um das Zeug aus der Blutbahn zu bekommen. Es war auch hochansteckend. Die Verantwortlichen wollten mich deshalb nicht ums Team herum ­haben. Und ich war dann bei der Rückkehr nicht gleich bei hundert Prozent. Aber solche Dinge passieren. Ich hatte keine Angst, dass ich deswegen meinen Platz wieder verlieren würde.

Calgary ist das Überraschungsteam der NHL und auf Kurs, erstmals seit 2009 das Playoff zu erreichen. Wie erklären Sie sich diese Steigerung?
Viele finden es überraschend. Für mich ist es das nicht, wenn ich miterlebe, wie wir jeden Tag trainieren. Wie die Wil-den – ein bisschen locker gibt es bei uns nicht. Seit Bob Hartley der Coach ist, ­gehen wir immer mit der gleichen Philosophie ans Werk. Ob verloren oder gewonnen, wir spielen und trainieren gleich weiter. Er bereitet uns bis ins ­Detail auf unsere Gegner vor. Zudem sind die ­Jungen reifer ­geworden, die Routiniers noch besser. Unser Captain Mark Giordano gehört jeden Abend zu unseren Besten. Es tut gut, vorne mit­zuspielen. Seit ich hier bin, spüre ich ein grosses Selbstvertrauen im Team.

Erstellt: 17.11.2014, 22:59 Uhr

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