Die neue Schweizer Selbstverständlichkeit

Das Team von Patrick Fischer hat sich von den Nationen dahinter abgesetzt und muss für einmal nicht zittern um den Einzug in den WM-Viertelfinal.

Welche drei Spieler unseren Sportjournalisten vor Ort in der WM-Partie gegen Norwegen am meisten begeisterten.

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4 Spiele, 4 Siege und ein Torverhältnis von 20:2 – so souverän startete das Schweizer Nationalteam noch nie in eine A-Weltmeisterschaft. Es tue gut, für einmal nicht das Messer am Hals zu haben, stellte Nationalcoach Patrick Fischer vor der zweitägigen Spielpause fest. Zur Erinnerung: 2018 in Kopenhagen sicherten sich die Schweizer erst im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich mit einem 5:1 den Viertelfinaleinzug. Die zwölf Punkte, die sie jetzt schon geholt haben, sollten dazu eigentlich schon reichen. Doch natürlich sind die Ansprüche gestiegen. Es geht nun auch darum, sich im Hinblick auf die K.-o.-Runde weiter zu festigen und gegen Schweden, Russland und Tschechien den einen oder anderen Punkt zu holen.

Nicht nur die Resultate waren bisher erfreulich, auch die Art und Weise. Die Schweizer sind sichtlich bemüht, das Tempo hoch zu halten und wenn immer möglich kreative Lösungen zu finden. So heben sie sich ab von den hinter ihnen klassierten Teams, bringen sie ihre Stärken zur Geltung. Es half, dass die Mannschaft eingespielt ist, 15 aus dem Silberteam wieder dabei sind. Jeder scheint genau zu wissen, was sein Job ist. Und es trug zur Stabilität bei, dass Schlüsselspieler wie Roman Josi oder Nico Hischier früh dazustiessen, schon in der Vorbereitung.

Apropos Josi und Hischier: Wenn der Nashville-Captain mit dem Puck die Gegner umkurvt, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, dann gibt das auch seinen Teamkollegen Selbstvertrauen. Und es macht grossen Spass, Hischier bei der ersten A-WM zuzuschauen. Es scheint, als sei er den Gegnern gedanklich fast immer voraus. Wie in Kopen­hagen haben auch in Bratislava die NHL-Cracks die Initialzündung gegeben: Fiala mit den drei Toren beim 9:0 gegen Italien, Hischier mit dem siegbringenden 2:1 gegen die zähen Letten oder Josi mit dem erlösenden 2:0 gegen Österreich. Sie geben den Takt vor, die anderen folgen.

Interessant ist, dass die Schweizer erstmals seit langem ohne einen reinen Defensivcenter oder eine Checkerlinie auftreten. Die klassischen Rollenspieler, die Ralph Krueger populär machte, sind rar geworden. Fischer bevorzugt komplette Spieler, die auch offensiv etwas beitragen können. Das ging bisher nicht auf Kosten der defensiven Stabilität. Doch die grossen Tests folgen erst: Bei den Schweden, zuletzt zweifache Weltmeister, sind noch die NHL-Stars Klingberg und Landeskog dazugestossen. Die Tschechen scheinen ihre mageren Jahre überstanden zu haben, treten mit frischem Elan auf. Und die Russen haben zumindest im Sturm ein Allstar-Team.

Es wird spannend sein zu sehen, wie die Schweizer damit umgehen, nicht stets ums sportliche Überleben, ums Erreichen des Minimalziels kämpfen zu müssen. Es sollte ein Vorteil sein, weil sie nun schon Selbstvertrauen geschöpft haben und in Ruhe weiter am Spiel feilen können. In puncto Breite können sie noch nicht zu den Top 6 gezählt werden – aber sie sind auf gutem Weg dorthin. Sie haben sich ein neues Selbst­verständnis erspielt.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 17.05.2019, 00:06 Uhr

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