Die unüberhörbare Forderung

Die Klotener unterliegen Davos 5:6 nach Verlängerung. Und schon haben die Fans den Sündenbock ausgemacht.

Besprechung mit dem überraschenden Ersatz: Martin Gerber (r.) vor der Verlängerung gegen Davos.

Besprechung mit dem überraschenden Ersatz: Martin Gerber (r.) vor der Verlängerung gegen Davos. Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone

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Wenn es etwas gibt, das die Kultur der Kloten Flyers in den letzten Jahren auszeichnete, dann die Fähigkeit, widrige Umstände zu überwinden. Als die Flyers 2012 vor dem Ruin standen, war das so, zuletzt im vergangenen Frühling, als der Club verkauft wurde. Auf dem Eis hingegen war das Comeback nach Rücklage jüngst weniger eine Klotener Spezialität. Das hat sich mit der Rücktaufe zum EHC offensichtlich geändert.

Denn gegen Davos verpassten die Unterländer zwar den fünften Sieg im sechsten Saisonspiel. Sie bewiesen aber einmal mehr grosse Nehmerqualitäten. Wie beim Startspiel gegen den ZSC und am Samstag gegen Servette liessen sie sich von einem Zwei-Tore-Rückstand nicht beirren, kehrten zurück und schafften die Wende. Dass es anders als im Derby und in Genf nicht für einen Sieg reichte: Dafür hatten die Fans in der Swiss-Arena eine einfache Erklärung.

«Boltshauser, Boltshauser», skandierten sie nach Spielende. «Boltshauser, Boltshauser», hatten sie schon in der 46. Minute gefordert. Nicht dass Klotens Goalie der Zukunft eine schlechte Leistung gezeigt hätte. Sondern dass er eben gar keine hatte zeigen dürfen. Statt dem 23-Jährigen hütete Martin Gerber das Tor. Und im Schlussdrittel stand der 42-Jährige prompt am Ursprung der Wende zum 4:3 zum 4:5.

Keine öffentliche Einzelkritik

Bei Ambühls Ausgleich liess Gerber den Puck fallen. Bei Kousals Führungstreffer brachte er die Scheibe nicht unter Kontrolle. Die Halle tobte. Dass der Emmentaler zu diesem Zeitpunkt doppelt so viele Schüsse pariert hatte wie sein Gegenüber Joren van Pottelberghe, schien egal. Über allem hing die Frage: Warum stand Gerber überhaupt im Tor?

Denn alle vier Saisonspiele mit Boltshauser hatte der EHC ja gewonnen. Dass der Jüngere der beiden nach dem Penaltysieg von Genf erneut zum Einsatz kommen würde, war naheliegend. Vielleicht haben es die Clubverantwortlichen mit der strategischen Planung der Goalie-Einsätze darum einfach übertrieben: Am Montag schon hatte sich Coach Pekka Tirkkonen in Absprache mit den Torhütertrainern auf Gerber festgelegt. Diesem so mutigen wie unorthodoxen Entschied verdanken sie nun eine ­Goaliepolemik im eigenen Fanblock.

Vertrauen innerhalb seines Teams dürfte Gerber gestern auch keines gebildet haben, doch Tirkkonen nahm seinen Schlussmann in Schutz. «Es war ein intensives, aufwühlendes Spiel», sagte der Finne, «aber Einzelkritik machen wir ­bestimmt nicht in der Öffentlichkeit.»

Dafür konnte er sich an anderen Dingen freuen. Daran, dass sein Team sich vom schnellen 0:2 nach acht Minuten nicht hatte entmutigen lassen. Am Amerikaner Drew Shore, dem nicht bloss ­wegen seines Hattricks überragenden Akteur des Abends. Der Moral auch, dass sie in der 59. Minute doch noch zum 5:5 und zu immerhin einem Punkt gekommen waren.

44:21 Schüsse für Davos

Es war aber auch ein glücklicher Punkt. Denn läuferisch wie physisch waren die Bündner über­legen, und Jungs Pfostenschuss (11.) hätte gut das frühe 0:3 bedeuten können. Das Schussverhältnis lautete 44:21 für den HCD: Mit einer solchen Bilanz holt auch ein neu gekürter Comeback-Spezialist nur selten etwas Zählbares. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.09.2016, 23:09 Uhr

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