Ein Abend auf der Baustelle

Die ZSC Lions siegen in Freiburg 4:2 und damit zum zweiten Mal in der Fremde. Der neue Leader der National League hätte sich die Aufgabe aber noch deutlich leichter machen können.

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Der Funke, er wartete nur darauf, entzündet zu werden. Fribourg-Gottéron hatte noch einmal mehrere Chancen zum Anschlusstreffer, Marchon und zweimal Rossi in kurzer Abfolge fünf Minuten vor Schluss. Und dann wäre es noch einmal sehr laut geworden in der BCF-Arena. So laut wie kurz vor dem 2:4 durch Pius Suter, das mitten in eine Freiburger Druckphase gefallen war. Es sollte letztlich das entscheidende Tor bleiben an einem Abend, an dem sich die Zürcher phasenweise dem Baustellen-Charme der Umgebung anpassten.

Wer sich vor dem Spiel den Weg in den improvisierten Presseraum bahnt, der in einer Umkleidekabine situiert ist, muss aufpassen, dass er das Einlaufen einiger ZSC-Spieler vor dem Garderobentrakt nicht stört. Auch sonst gemahnt ein Besuch der BCF-Arena an eine Hausbesichtigung im Rohbau. Draussen überall Gerüste, drinnen der oberste Rang, der noch komplett geschlossen ist. Einzig der gigantische Videowürfel lässt erahnen, welch schöne Arena den «Dragons» in einem Jahr nach Beendigung der Renovation zur Verfügung stehen dürfte.

Frühe Zweitoreführung

Dem Kontext passt sich in den ersten Minuten auch die Freiburger Hintermannschaft an, der Tabellenletzte wird damit dem Saisonverlauf gerecht. Nach 255 Sekunden führen die Zürcher durch Pettersson und Noreau bereits mit 2:0. Schön herausgespielte Tore zweifellos, allerdings steht ihnen dabei unüblich viel Platz zur Verfügung. Ein Szenario, das sich später mehrfach wiederholen wird.

Es sei an der Zeit, auch fern des Hallenstadions eine Siegesserie zu starten, hatte Garrett Roe unlängst gesagt, wohl wissend, dass eine starke Heimbilanz nicht ausreicht, um sich dauerhaft ganz oben festzusetzen. Und mit nur einem Sieg aus fünf Auswärtsspielen hatte der ZSC in diesem Bereich noch substanziell Steigerungspotenzial.

Simpson in der Pole

Der Beginn hätte nicht stärker zur Partie gegen Langnau divergieren können. Das Schussverhältnis von 16:4 nach 20 Minuten bildete das Spielgeschehen noch besser ab als das Resultat. Und als sich Prassl mit dem 3:0 für den ihm wiederum allzu generös gewährten Raum bedankte, schien die Partie schon nach 22 Minuten entschieden. Doch plötzlich verlegten auch die Zürcher Hammer und Nägel temporär. Und ohne Handwerkszeug – sprich Bereitschaft zum letzten Einsatz – schaffen sie es nicht mehr, ihre technischen Vorzüge entscheidend auszuspielen.

Sie brachten sich ein erstes Mal selber in die Bredouille, als Desharnais innert zwei Minuten mit einem Doppelschlag auf 2:3 verkürzen konnte. Diese mangelnde Souveränität ebenso wie die Fehlerhaftigkeit in Teilen der Schlussphase dürfte in den nächsten Tagen Gegenstand von Diskussionen sein. Nichtsdestotrotz: Der Auftakt in die Romandie-Woche mit weiteren Duellen gegen Genf-Servette (zweimal, inklusive Cup) und Lausanne ist gelungen.

Eine Baustelle werden die Freiburger vermutlich bald schliessen können. Nächste Woche soll der Nachfolger von Mark French vorgestellt werden, womit die Interimsphase unter Christian Dubé enden würde. Westschweizer Quellen sehen Sean Simpson in der Pole-Position, den früheren Nationaltrainer mit Vergangenheit in Zug, Zürich und Kloten. Für den 59-Jährigen wäre es die erste Schweizer Station ausserhalb der Deutschschweiz.


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Erstellt: 18.10.2019, 23:16 Uhr

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