Ein Davoser Märchen

Reto von Arx schoss beim 3:0 des HC Davos gegen die ZSC Lions das entscheidende Tor zum Titel. Einen schöneren Abgang hätte sich der Charakterkopf nicht wünschen können.

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Kitschiger hätte dieses Davoser Happy End nicht sein können. Monatelang zog sich die Debatte um eine Vertragsverlängerung für Reto von Arx hin. Es wurde viel Geschirr zerschlagen, bis Mitte Februar bekanntgeben wurde, dass der 38-Jährige nicht bleiben dürfe. Und wegen einer Schulterverletzung verpasste Reto von Arx den ersten Playoff-Monat. Würde er, die langjährige Leaderfigur, sich still und leise verabschieden müssen?

Nein. Er kehrte für den Final gegen die ZSC Lions ins Team zurück – wenn auch nicht mehr als der Mann, um den sich alles drehte. Einmal war er sogar überzählig. Doch als gestern der Titel ausgespielt wurde, stand er noch einmal genau richtig: In der 50. Minute drückte er den Puck im Powerplay zum 1:0 über die Linie. Es war das Tor zum Triumph. Zum 6. Titel der Bündner in der Playoff-Ära und dem 31. insgesamt.

In 34 Minuten Powerplay gelang den ZSC Lions kein Finaltor

Die Davoser, die sich in dieser hochklassigen Finalserie als die entschlossenere Mannschaft erwiesen hatten, liessen sich den Sieg nach dem 1:0 nicht mehr entreissen. Und nachdem Trachsler in der 57. Minute die goldene Ausgleichschance verpasst hatte, traf Axelsson im Gegenzug zum 2:0. Damit waren die letzten Hoffnungen der ZSC Lions geknickt. Diese kämpften in Spiel 5 nochmals tapfer, brachten aber den Puck einfach nicht am glänzenden HCD-Goalie Genoni vorbei. 39:22 lautete das Schussverhältnis zu Zürcher Gunsten, das Resultat 0:3. ZSC-Coach Marc Crawford wird in seiner Analyse schnell wissen, was fehlte: Tore im Powerplay. In 17 Überzahlspielen oder 34 Minuten mit einem Mann mehr brachten sie gegen Davos keinen Treffer zustande.

Dass ihnen dabei auch das Glück fehlte, zeigte die Szene in der 28. Minute, als der Puck hinter Genoni Richtung Torlinie glitt, aber der umstürzende Baltisberger ihn in letzter Sekunde mit seinem Helm stoppte. Ungewollt natürlich, schliesslich ist er ZSC-Stürmer.

Die Zürcher Clubs bringen dem HCD Glück im Final

Obschon leicht favorisiert und mit einem souveränen 3:0 in den Final gestartet, fanden die Zürcher je länger, desto weniger ein Rezept gegen diesen HCD. Finalduelle gegen Zürcher Clubs bringen den Bündern Glück: Fünf ihrer sechs Titel in der Playoff-Ära errangen sie mit Siegen gegen den ZSC (dreimal) oder Kloten (zweimal). Trotz des klaren Ausgangs war der Final ein Highlight fürs Schweizer Eishockey, was das Tempo und die Intensität betraf. Und im ausverkauften Hallenstadion war die Atmosphäre gestern erneut mitreissend.

Der ZSC-Anhang hatte nochmals alles mobilisiert – sogar beim Warmup zur Mittagszeit war ein 200-köpfiges Fangrüppchen mit Transparenten erschienen. Doch anders als 2001 (gegen Lugano ) und 2012 (gegen Bern) vermochten die Zürcher die Serie nach einem 1:3 nicht mehr zu drehen. Sehr zur Freude von Reto von Arx, der wie sein Bruder Jan, Ambühl und Forster den sechsten Titel gewann. Einen schöneren Abgang hätte der HCD für die Gebrüder von Arx nicht inszenieren können.

ZSC Lions - Davos 0:3 (0:0, 0:0, 0:3) – Stand: 1:4
11'200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kurmann/Vinnerborg, Kaderli/Wüst. - Tore: 50. Reto von Arx (Marc Wieser, Schneeberger/Ausschluss Siegenthaler) 0:1. 57. Axelsson (Du Bois) 0:2. 60. (59:55) Paschoud 0:3 (ins leere Tor). - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions, 5mal 2 Minuten gegen Davos. - PostFinance-Topskorer: Wick; Paulsson.
ZSC Lions: Flüeler; Blindenbacher, Tallinder; Stoffel, Bergeron; Geering, Siegenthaler; Seger; Künzle, Trachsler, Bastl; Keller, Shannon, Nilsson; Bärtschi, Cunti, Schäppi; Baltisberger, Malgin, Wick; Senteler.
Davos: Genoni; Du Bois, Guerra; Forster, Kindschi; Schneeberger, Paschoud; Jan von Arx; Ambühl, Walser, Paulsson; Hofmann, Lindgren, Axelsson; Sciaroni, Reto von Arx, Dino Wieser; Simion, Corvi, Jörg; Marc Wieser.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Smith, Tabacek (überzählige Ausländer), Fritsche und Schnyder. Davos ohne Koistinen und Redenbach (alle verletzt). - Pfosten-/Lattenschüsse: 17. Kindschi, 36. Corvi. - ZSC Lions von 57:05 bis 57:42 und von 57:57 bis 59:55 ohne Goalie.

Erstellt: 12.04.2015, 00:10 Uhr

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