Ein Ende mit Schrecken

Der HCD agierte bei der Trennung von Reto von Arx unsentimental.

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Es mutete zynisch an, dass die Pressemitteilung des HC Davos, Reto und Jan von Arx würden keine neuen Verträge erhalten, von Sandro Rizzi ausgesandt wurde. Vom Ex-Captain, der Seite an Seite mit ihnen gekämpft hatte und nun für die Kommunikation zuständig ist. Eine Überraschung ist die angekündigte Trennung indes nicht mehr. Man hatte es geahnt, als Reto von Arx vor zwei Wochen sein 1000. Spiel für die Davoser bestritt und die Laudatio von Präsident Gaudenz Domenig wie eine Abschiedsrede klang. Die Verhandlungen zogen sich lange hin. Zuerst schienen sie daran zu scheitern, dass Reto weiter mit seinem Bruder Jan spielen wollte. Doch auch, als er nicht mehr darauf beharrte, fand man sich nicht mehr.

«Es macht sportlich keinen Sinn mehr», hielt Domenig nun unsentimental fest. «Reto ist in einem Alter, in dem er das Tempo nicht mehr mitgehen kann, das wir erwarten. Zudem wollen wir das Team weiterentwickeln. Er kann bei uns die Rolle nicht mehr spielen, die er gerne hätte.» Ums Geld habe es sich nicht gedreht.

Heikler Ablösungsprozess

Beim HCD geht eine Ära zu Ende. 1000  NLA-Spiele für den gleichen Verein, das kann nebst Reto von Arx kein anderer Spieler vorweisen. Sie stehen für die Treue und Dauerhaftigkeit des Emmentalers, der derzeit mit einer Schulterverletzung fehlt. Nur wenige Spieler prägten einen Club so sehr wie er den HCD – vielleicht noch Felix Hollenstein den EHC Kloten und Mathias Seger die ZSC Lions. Dass es zu diesem abrupten Ende mit Misstönen kam, ist schade. In den diversen Verhandlungsrunden wurde offenbar zu viel Geschirr zerschlagen. Das zeigt wieder einmal auf, wie heikel der Ablösungsprozess bei verdienten Spielern ist. Beim HCD entschied man sich dafür, Sentimentalitäten auszublenden. So überliess Coach Arno Del Curto, der Reto von Arx lange freundschaftlich verbunden war, die Gespräche dem Präsidenten.

Dass man einem 38-Jährigen keinen Vertrag mehr gibt, ist nachvollziehbar. Sportlich kann von Arx zwar noch mithalten. Doch die prägende Figur, die er einmal war, ist er nicht mehr. Ob er seine Karriere anderswo fortsetzt, liess er offen. Für die ZSC Lions ist er kein Thema. Für die Kloten Flyers macht seine Verpflichtung von der Altersstruktur des Teams her keinen Sinn. Denkbar ist, dass ihn die Bieler engagieren, die zwei Center verlieren (Kamber, Peter) und ins neue Stadion einziehen. Oder im Aufstiegsfall die SCL Tigers.

Wünschenswert wäre, dass Reto und Jan von Arx ihre Karrieren in Davos beenden. Wie Daniel Alfredsson, der in Ottawa einen Eintagesvertrag erhielt. Oder Jewgeni Nabokow, den nun San Jose für den Rücktritt zurückholte. So viel Wertschätzung hätten die beiden treuen, zähen Emmentaler verdient.

Erstellt: 12.02.2015, 23:00 Uhr

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