Ein reizvolles Verlustgeschäft

Geld verdienen können die NLA-Clubs durch die Champions Hockey League kaum. Aber besser werden.

Letztes Jahr verabschiedeten sich die NLA-Clubs – unter ihnen Kloten – früh aus dem Wettbewerb. Foto: Patrick Krämer (Keystone)

Letztes Jahr verabschiedeten sich die NLA-Clubs – unter ihnen Kloten – früh aus dem Wettbewerb. Foto: Patrick Krämer (Keystone)

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Der Spruch des Tages gelang Servettes Chris McSorley: «Zum Glück habt ihr einen Pokal gebaut, der auch dem HCD widersteht», witzelte der Kanadier und klopfte an die massive Trophäe der Champions Hockey League. Sollte der Davoser Materialwart Paul Berri auch sie fallen lassen, wie nach dem Titel in den Katakomben des Hallenstadions den Meisterpokal, sie würde wohl nicht wie jener in ihre Einzelteile zerfallen.

Doch es ist noch ein weiter Weg, bis es dazu kommen könnte. Bis am 9. Februar 2016 der nächste Sieger der Champions Hockey League feststeht, werden 157 Partien gespielt sein. Und gemäss Arno Del Curto ist der Schweizer Meister allerhöchstens Aussenseiter. «Ich würde gerne sagen, dass wir angreifen wollen», sagte der Davoser Coach beim medialen Kick-off-Event zur zweiten Champions-League-Saison. «Aber wir haben so viele Verletzte, dass es sehr schwierig wird.»

Davos muss ein 0:10 verhindern

Von den Ausländern sei derzeit nur Paulsson einsatzfähig, zudem fehlt Abwehrchef Du Bois. Später stellte Del Curto klar, es gehe am Donnerstag darum, bei Färjestad ein 0:10 zu verhindern. Die gute Nachricht ist: Zum Weiterkommen in den 16 Dreiergruppen genügt Rang 2, womit der HCD nur Pardubice hinter sich lassen muss. Und die Tschechen ­haben schon bessere Zeiten gesehen, verloren bei der letzten Champions-League-Kampagne alle sechs Spiele.

Sechs NLA-Teams schicken sich ab Donnerstag an, bessere Werbung fürs Schweizer Eishockey zu machen als letzten Winter, als nur Servette und Freiburg die Achtelfinals erreichten und verloren. Neu dabei ist Davos für Kloten, das ein Torverhältnis von 5:21 anhäufte. Die Bündner, die in vier Wettbewerben (Meisterschaft, Spengler-Cup, Schweizer Cup, Champions League) dabei sind, könnten diese Saison maximal auf 94 Partien kommen. «Ich kann es auch nicht ändern», sagt Del Curto zum Marathonprogramm. Dass er gestern nach Oberwil bei Zug reiste, um die Champions League zu promoten, zeigt aber, dass er dieser ­gegenüber positiv eingestellt ist.

Keine Einigung mit den Russen

Er werde sicher nicht wieder den gleichen Fehler machen, sagte Del Curto und spielte auf seine letztjährige Kritik am Schweizer Cup an. Und sich international zu messen, sei reizvoll, weil man so sehe, wo man stehe. Er würde sich wünschen, dass die Champions League im Eishockey dereinst einen ähnlichen Stellenwert erreiche wie im Fussball. «Aber dazu braucht es viel Zeit. Jetzt ­haben sie erst angefangen.» Einen Kritikpunkt hat der Engadiner: Wenn man sich Champions League nenne, müsse man auch die Russen im Boot haben. Die Bemühungen, KHL-Clubs zu überzeugen, zu akzeptablen Bedingungen teilzunehmen, sind bisher aber gescheitert. «Einen automatischen Platz im Halbfinal oder sogar im Final, wie sie es gefordert haben, können wir den Russen einfach nicht geben», sagt Martin Baumann, der CEO der Champions League.

Dass sich Baumann positiv gibt, was die Entwicklung der Liga betrifft, liegt in der Natur der Sache. Er spricht aber auch an, was er verändern möchte. Wurde das Feld von 44 auf 48 Teams ausgedehnt, so möchte er es langfristig auf 32 reduzieren. «8 Teams aus Schweden und Finnland sind zu viel», sagt er. 6 aus der Schweiz auch, könnte man anfügen. Das Ziel ist, dass man sich künftig sportlich qualifizieren muss – derzeit sind die 26 Gründerclubs gesetzt. Natürlich gilt es, den Zuschauerschnitt von gut 3000 zu steigern, am Fernsehen mehr präsent zu sein, mehr Einnahmen zu ­generieren. 1,5 Millionen Euro werden als Preisgeld ausgeschüttet, die Hälfte des Budgets. Das ist prozentual viel, absolut aber wenig. Für viele Clubs ist die Champions League ein Verlustgeschäft.

Ist die NLA so gut wie ihr Ruf?

Sportlich macht der Wettbewerb, der vorerst für drei Jahre finanziell gesichert ist, aber durchaus Sinn – mehr Sinn als der Schweizer Cup. Der internationale Austausch zeigt, wo die (von den Beteiligten) hochgelobte Schweizer Liga europaweit steht. Die letztjährige Champions League, als ab den Viertelfinals Schweden und Finnen unter sich waren, könnte hier einige Augen geöffnet haben. Man darf gespannt sein, ob die besten NLA-Clubs etwas daraus gelernt haben.

Erstellt: 18.08.2015, 08:15 Uhr

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