Eine Familie für eine Karriere

ZSC-Jüngling Denis Malgin gilt als das nächste grosse Schweizer Sturmtalent. Er wurde behutsam aufgebaut.

Träumt von der NHL: Denis Malgin (17), der ZSC-Nachwuchsspieler.

Träumt von der NHL: Denis Malgin (17), der ZSC-Nachwuchsspieler.

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Hohe Flexibilität und Belastbarkeit stehen heutzutage in jedem Jobprofil. Im Fall von Denis Malgin sind dies jedoch nicht bloss leere Worthülsen. Der Junior der ZSC Lions steht in diesem Herbst im Dauereinsatz: Auf 32 Partien kommt er schon, so viele wie kein anderer Spieler in der Organisation. Er pendelt zwischen erster Mannschaft und Farmteam, zwischen Oerlikon und Küsnacht. Dazwischen zählt die Schweizer U-20-Auswahl auf seine Dienste. Oftmals ­erfährt er erst am Abend, in welcher Eishalle er den ­nächsten Tag verbringen wird.

Malgin gilt als das grösste Schweizer Sturmtalent mit Jahrgang 1997. Er wuchs in Olten als Sohn des russischen NLB-Topskorers Albert in ­einer sportverrückten Familie auf: ­Mutter Nelja betrieb als Mädchen in der Sowjetunion einst ­Eiskunstlauf und Leicht­athletik. Und der neun Jahre ältere Bruder Dimitri war selbst ein aufstrebender Angreifer. Seine Karriere nahm allerdings nach Verletzungen im Freiburger Nachwuchs nicht den gewünschten Verlauf.

Die Erfahrungen mit Dimitri haben die Malgins in der Karriereplanung ihres Jüngsten vorsichtig werden lassen. Obschon er den Gleichaltrigen stets einen Schritt voraus war, sollte er nicht zu stark gefordert und zu früh befördert werden. Vor vier Jahren entschied sich die Familie, dass er von den Bieler zu den Zürcher Junioren wechseln sollte, wo mit Wiktor Ignatjew ein russischer Trainer wirkt. «Jeder junge Spieler weiss, dass der ZSC das beste Umfeld für die weitere Entwicklung bietet», sagt Denis, der für sein ­Alter erstaunlich abgeklärt und in einem selt­samen ­Gemisch aus ­Solothurnisch und ­Zürcherisch spricht.

Bauchgefühl für ZSC-Verbleib

Seit zwei Jahren wohnen die Malgins ­getrennt. Mutter Nelja zog mit Denis nach Oerlikon, während Albert und ­Dimitri in Martigny coachen beziehungsweise spielen. «Sie fährt ihn ins Training und sorgt für den Haushalt. Vor allem aber hat er so eine Stütze daheim», sagt der Vater. Nichts wird also bei der ­Förderung dem Zufall über­lassen. Für Denis ist das Ziel klar: «Die NHL war schon immer mein Traum.» Im Gegensatz zu vielen anderen Schweizer Talenten vor ihm entschied er sich im ­Som- mer aber dagegen, den Weg über die ­kanadischen Juniorenligen einzuschlagen. Obschon ihn das Team aus der Provinzstadt Rouyn-Noranda ausgewählt hatte. «Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich bleiben sollte», erklärt er.

Prognose des Kieferorthopäden

Natürlich halfen die Versprechungen aus der ZSC-Führung, dass er bald seine ersten Einsätze in der NLA erhalten würde. Dass es nun bereits zehn geworden sind, hätte Malgin jedoch nicht erwartet. Mit seinen reifen Leistungen ­verdrängte der 17-Jährige mit dem Gitterhelm in der internen Hierarchie etwa einen Sandro Zangger, der diese Woche mangels Perspektiven nach Zug wechselte. Im Hallenstadion gaben sich die Scouts zuletzt wegen ihm die Türklinke in die Hand. Vater Malgin sagt: «Viel liegt am Trainer. Er ­begleitet Denis, schenkt ihm Vertrauen und gibt ihm diese Zückerchen in Form von Spielen.» Marc Crawford selbst schwärmt von einem kreativen, smarten Spielmacher, der dazu viel ­kräftiger sei, als die Leute bei seinem Anblick vermuten würden.

Denn bei aller Finesse misst Malgin nur 175 Zentimeter. Noch, wie er hofft. Denn ein Kieferorthopäde hat ihm bescheinigt, dass er noch rund fünf Zentimeter wachsen würde. Dann wäre er ­genau gleich gross wie sein Vorbild, der russische Techniker Pawel Dazjuk, der für die Detroit Red Wings zaubert. Ein Wachstumsschub wäre für eine NHL-Laufbahn wohl unerlässlich.

Erster Schritt ist der Draft im Juni. Malgin büffelt derzeit eifrig Englisch, um für ein allfälliges Abenteuer in Nordamerika gewappnet zu sein. Er setzt ­alles auf die Karte Sport. Zur Schule geht er nicht mehr, seit das KV-Programm ihn und ­seinen Teamkollegen Jonas Siegenthaler im Sommer nach unangekündigter ­Ferienabsenz suspendiert hat. Ein ­kommunikatives Missverständnis sei das gewesen, sagt Malgin. Und wenn ­alles nach Plan läuft, war es auch nur ein ­kleiner Ruckler in seinem Aufstieg. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2014, 23:03 Uhr

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