Emotionaler Abschied einer Legende

Er war Captain des Silber-Teams und spielte bei 16 Weltmeisterschaften: Nun wird Mathias Seger ein letztes Mal geehrt.

Sah, wie seine Nummer unters Hallendach gezogen wurde: ZSC-Legende Mathias Seger. (Video: SRF)

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Mathias Seger hält sich lange tapfer. Die phänomenale Choreografie der Fanclubs, die lobenden Worte von Walter Frey, das Spalier von früheren Weggefährten und das Hissen seiner Nummer 15 unters Stadiondach trägt er gegen aussen hin noch mit Fassung. Doch als er in seiner Rede seiner Familie dankt, schiessen die Tränen in seine Augen. Es sind bewegende Momente.

Er, der stets das Team in den Vordergrund stellte, wird an diesem Abend gefeiert wie ein Rockstar. Tausende tragen die weissen T-Shirts mit seinem Konterfei, und von einem Banner blickt er überlebensgross auf die Zeremonie herab. «Er ist für uns eine Ikone», sagt Präsident Frey. «Mir geht es wie nach einem Meistertitel», sagt Seger in der zweiten Pause, sichtlich berührt. «Mir fehlen die Worte.» Er sei einfach extrem dankbar dafür, was der Club und die Fans alles auf die Beine gestellt hätten und wer alles gekommen sei. «So nervös wie heute war ich noch nie.»

Das Leben als Hausmann

Szenenwechsel. Der Rummel, der an diesem Abend im Hallenstadion um ihn herrscht, kontrastiert zum neuen Leben Segers. Am Dienstagmorgen kurz nach neun Uhr morgens ist es ganz ruhig bei ihm zu Hause, unweit des Hallenstadions. Die beiden Töchter sind schon weg - die neunjährige Milla besucht die 3. Klasse, die fünfjährige Elisa seit einigen Wochen den Kindergarten. «Du hast dir einen guten Zeitpunkt ausgesucht, um Hausmann zu werden», sagt seine Frau Nina und lacht. «Am Morgen gehen alle aus dem Haus.» Er scherzt: «Deshalb wollte ich diese letzte Saison ja noch unbedingt spielen.»

Der 40-Jährige geniesst seine neu gewonnenen Freiheiten. Vor allem die Wochenenden mit seiner Familie. «Wir können spontan entscheiden, was wir unternehmen wollen.» Er möchte das auskosten und sich nicht schon wieder ins Nächste stürzen. Er werde Edgar Salis, der bei den Junioren Stufenleiter und Trainer ist, ab und zu im Training unterstützen. Aber nicht in fixer Funktion. «Wenn ich jetzt gleich wieder ins Eishockeybusiness einsteige, bin ich wieder jedes Wochenende unterwegs.»


Video: ZSC-Spieler tragen Seger-Masken

Nach dem Meistertitel verabschiedeten die Mitspieler ihre Integrationsfigur auf eigene Art und Weise. Video: SRF


Vorerst will es Seger ruhig angehen lassen, sein Versprechen einlösen, dass er nun vermehrt für die Kinder zuständig ist und seine Frau mehr arbeiten kann. Sie hat Psychologie studiert und möchte künftig als Psychotherapeutin arbeiten. Doch um diesen Titel zu erwerben, muss sie ihr Pensum deutlich erhöhen. Die beiden sind noch dabei, ihre Balance nach seiner Karriere zu finden. Er spüre noch nicht das volle Vertrauen seiner Partnerin in seine Fähigkeiten als Hausmann, sagt er schmunzelnd. «Sachen flicken kann er sehr gut», lobt sie ihn. Gerade habe er die Fenster geputzt, merkt er an. «Alte Schule, mit Zeitungspapier.»

Seger hatte den perfekten Abgang mit dem Titel in Lugano. An einem Freitag ging in der Resega Spiel 7 über die Bühne, am Montag verreiste er mit der Familie für drei Monate nach Australien. «Die Jungs haben länger gefeiert als ich», sagt er. «Aber es war okay. Wenn auch ein bisschen knapp mit Packen.»


Video: Seger stemmt den Pokal in die Höhe

Noch ein letztes Mal: Mathias Seger ist Schweizer Meister. Video: SRF


Die Segers flogen nach Perth, von wo sie mit dem Wohnmobil der Küste entlang über Adelaide, Melbourne und Sydney bis nach Cairns reisten. Rund 10000 Kilometer. «Eine solche Reise hatte ich mir immer gewünscht», sagt er. «Aber während der Karriere war sie nie möglich.»

Distanz zum Eishockey

Auf der anderen Seite der Erdkugel war das Eishockey für Seger ganz weit weg: «Es wäre schwieriger gewesen, damit umzugehen, dass ich nicht mehr spiele, wenn ich in Zürich geblieben wäre. Erst, als ich zurückkam, holte es mich ein. Aber es kam nicht mit voller Wucht auf mich zu. Es lagen ja schon drei Monate dazwischen.»

Das Sommertraining habe er nicht so sehr vermisst, sagt er schmunzelnd. Übertrieben habe er es seit dem Rücktritt nicht mit Sport. Nachwehen seiner Karriere spüre er nicht. «Mein Körper überrascht mich erneut», sagt er. «Ich habe keine Schmerzen, nichts.» Was ihm etwas fehle, sei das gute Körpergefühl, das man habe, wenn man täglich Sport treibe. Dafür hat er festgestellt, dass er ohne diese körperliche Belastung nur noch sechs Stunden Schlaf braucht, statt wie früher acht oder neun.

An diesem Freitag wird es spät für Seger im Hallenstadion. Eine Band spielt noch auf im Foyer, er wird nochmals ausgiebig gefeiert. Zum Glück kann er ausschlafen. Es ist Wochenende. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.09.2018, 20:07 Uhr

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