Einen Schritt voraus

Die Schweizer U-18-Nationalmannschaft steht vor eigenem Publikum im WM-Halbfinal. Leader des Teams ist Denis Malgin, der eine grosse Karriere vor sich zu haben scheint.

Denis Malgin ist mit drei Toren und fünf Assists Topskorer der Schweizer U-18-Nationalmannschaft.

Denis Malgin ist mit drei Toren und fünf Assists Topskorer der Schweizer U-18-Nationalmannschaft. Bild: Keystone

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Denis Malgin ist kein Mann der grossen Worte. Er spricht leise, wirkt scheu. Auf dem Eis dagegen gibt er nicht nur an der laufenden U-18-WM den Ton an. Es ist eine Augenweide, dem 18-Jährigen zuzuschauen, wie er über das Eis gleitet und die gegnerischen Spieler mit seiner Schnelligkeit und den feinen Händen narrt. Er verfügt zudem über eine ausgesprochen hohe Spielintelligenz, manchmal scheint es, als hätte er am Hinterkopf ebenfalls Augen.

Zum 5:0-Coup im Viertelfinal gegen Russland steuerte Malgin je ein Tor und Assist bei – beim die Partie endgültig entscheidenden 4:0 (44.) degradierte er die Osteuropäer mit einer herrlichen Einzelaktion zu Statisten. Es war für den Center der ZSC Lions der dritte Treffer und fünfte Assist an diesem Turnier, womit er die Nummer 1 im Schweizer Team ist. Am Montag beim 3:2-Sieg in der Verlängerung gegen Lettland war Malgin in der 64. Minute das entscheidende Goal gelungen, das den Schweizern den Viertelfinaleinzug überhaupt erst ermöglichte.

Dritte U-18-WM-Teilnahme

Das Spiel gegen die Russen war für Malgin nicht nur wegen des unerwarteten Erfolges speziell, sondern auch, weil er gegen seine zweite Heimat spielte. Die Familie stammt von dort, zu Hause wird Russisch gesprochen. Vater Albert trainiert aktuell den NLB-Verein Red Ice Martigny, nachdem er mehrere Jahre selber in der NLB gespielt hat. Der neun Jahre ältere Bruder Dimitri spielte in den vergangenen vier Saisons ebenfalls bei Martigny. Insofern war der sportliche Weg von Denis Malgin vorskizziert, obwohl ihn der Vater nicht zu einer Eishockeykarriere gedrängt hat. Er half ihm jedoch. «Dem Eishockey galt immer die erste Priorität», sagte Denis Malgin. Wieso? «Es ist ein Teamsport und eine der schnellsten Sportarten der Welt.» Es werde immer Adrenalin ausgeschüttet.

Malgin nimmt bereits zum dritten Mal an einer U-18-WM teil – schon als 15-Jähriger erzielte er vier Skorerpunkte (2 Tore). Im Dezember und Januar war er auch an der U-20-WM in Montreal und Toronto dabei, wo er mit einem Tor und sechs Assists zum zweitbesten Skorer der Schweizer avancierte. Dies zeigt, wie reif er für sein Alter bereits ist. Selbst in den NLA-Playoffs mit den ZSC Lions war er alles andere als ein Mitläufer: Vier Tore gelangen ihm.

«Du musst einfach alles schneller machen»

Dass er im kommenden NHL-Draft dennoch frühestens in der zweiten Runde gezogen werden dürfte, hat mit seiner geringen Grösse von 1,75 m zu tun. Malgin hofft, noch zu wachsen, da seine Eltern eher gross gewachsen sind. Ansonsten lässt er sich nicht entmutigen. Denis Malgin: «Es gibt auch kleine Spieler in der NHL. Du musst einfach alles schneller machen, dann schaffst du es schon. Die NHL ist mein Traum. Ich mache alles dafür.»

Manuele Celio, der Coach des erfolgreichen U-18-Teams, traut Denis Malgin den Schritt in die beste Liga zu. Er warnt aber auch: «Ein guter Draft heisst noch nichts. Es ist immer ein langer Weg, eine Karriere ist sehr schwierig zu planen. Es braucht viel Arbeit, viel Hartnäckigkeit und mentale Stärke. Entscheidend ist, wie einer arbeitet. Nur mit Trainings wird man besser.»

«Immer auf dem Boden bleiben»

Diese Maxime scheint Malgin verinnerlicht zu haben, und er kennt auch keinen Druck. «Ich muss einfach spielen und nicht zu viel überlegen. Wenn du mit Druck spielst, kommt es nicht gut.» Zudem verfügt er über eine der wichtigsten Tugenden, die Bescheidenheit. Er hebt nicht ab, weil er den Gleichaltrigen einen Schritt voraus ist, denkt nie, besser als die anderen zu sein. «Man soll immer auf dem Boden bleiben», so Malgin.

Diese Parole muss auch für das Schweizer Team im Halbfinal am Samstag gegen Finnland gelten. «Wir haben gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind und alles erreichen können. Wir verfügen über einen guten Mix im Team. Wir kämpfen, das ist das Wichtigste», sagte Malgin. Und vielleicht sieht er ja wie vor dem Spiel gegen Russland eine Sternschnuppe und geht der Wunsch eines Sieges erneut in Erfüllung. (Si)

Erstellt: 24.04.2015, 14:53 Uhr

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