«Eines Tages wird Lausanne der beste Club Europas sein»

Mit acht Siegen in Serie stürmen die Waadtländer Richtung Tabellenspitze. Der Club investiert viel, damit er im neuen Stadion erfolgreich und selbsttragend wird.

Triumph in der ersten Reihe: Kenins, Frick und Vermin (v. l.) freuen sich nach dem 4:1 gegen Bern, dem 8. Sieg in Folge. Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

Triumph in der ersten Reihe: Kenins, Frick und Vermin (v. l.) freuen sich nach dem 4:1 gegen Bern, dem 8. Sieg in Folge. Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

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Heute Abend wird das Publikum auf dem Stahlgerüst wieder bedrohlich schwanken. Wie immer, wenn Lausanne in Malley 2.0 spielt, im Provisorium neben dem 230 Millionen Franken teuren Neubau, der nächsten Herbst eröffnet wird. Bis dann werden die Tribünen bei jedem Triumph erzittern. Jüngst taten sie das oft: Acht Siege in Serie feierte der LHC, ein neunter heute gegen den ZSC könnte die Tabellenführung bedeuten. Lausanne ist das Team der Stunde.

Das ist einerseits bemerkenswert, weil der Club bei seiner letzten Niederlage – einem 3:4 in Langnau vor genau einem ­Monat – noch ausserhalb der Playoff-Ränge lag. Andererseits weil es jene bestätigt, die in Lausanne den Lohntreiber der Liga sehen. Erfolg ist also doch käuflich, scheinen 8 Spiele, 24 Punkte und 29:11 Tore zu sagen.

Der Geschäftsführer widerspricht. «Jenseits aller Fakten» findet CEO Sacha Weibel das ­Etikett «Lohntreiber». Zum Beispiel habe man umworbenen Stürmern wie Luganos Hofmann oder dem Davoser Corvi gar nicht erst eine Offerte gemacht. Doch weil sein Club im Umbruch sei und zuletzt viele Spieler auf ­einmal kamen, sei es «natürlich einfach, uns so darzustellen».

«Der beste Club Europas»

Tatsächlich ist die Liste der ­Zuzüge prominent. Letztes Jahr Vermin, Zangger, Frick, diesen Sommer Bertschy, Kenins, Grossmann, Boltshauser, dazu vor zwei Wochen der US-Schweizer Moy und ab Sommer 2019 Goalie Stephan. Da spielt es keine Rolle, ob Lausanne wirklich das vierthöchste Budget der Liga hat: Die Wahrnehmung zählt. Und der Verdacht, dass Geld keine Rolle spielt, erhält weitere Nahrung durch das einzige Trikot der Liga, auf dem sich nur ein einziger Sponsorenname findet. Durch das neue Stadion, das der Club zwar nicht selbst bezahlt, aber vermarktet. Und durch einen ­Besitzer, der zum Einstand sagt: «Eines Tages wird Lausanne der beste Club Europas sein.»

Ken Stickney heisst der Mann, ist Amerikaner und ist auch ­bekannt, weil er fast eine Saison lang die Kloten Flyers führte. Der Milliardär, der in Übersee ein Dutzend Sportstadien baute, sah nach einem Jahr und 7,7 Millionen Franken Betriebsverlust ein, dass sein Traum vom rentablen Eishockeybusiness im Zürcher Unterland nicht realisierbar war.

Beinahe zum Erfolg verdammt

In Lausanne sieht es besser aus. 1300 Premiumplätze bietet die neue Arena, alle Suiten sind schon verkauft, und mit der AEG ist ein Partner an Bord, der vom Staples Center in Los Angeles bis zur O2-Arena in London viel Erfahrung im Stadionbetrieb hat. Das ist der Massstab, in dem sie jetzt im Waadtland denken. Fünfzig grosse Anlässe sollen dereinst pro Jahr in der Vaudoise Aréna stattfinden: Konzerte, Events, ­Seminare. Dafür wurde die Struktur des Clubs geändert, der Sport ist nun Teil einer Holding.

Stickney ist dabei die zentrale Figur. Nicht weil er ein Mäzen sei, so CEO Weibel. Sondern weil er die Millionen garantiert, die der Club in jene Teile der Arena investiert, die er kommerziell nutzt, den Gastrobereich oder LED-Anzeigen etwa. Hundert Prozent Auslastung sind künftig das Ziel im Eishockey, gut 9600 Zuschauer – über 3000 mehr als aktuell. Sie wollen unterhalten sein, und sportlicher Erfolg ist dafür wichtig. «Ohne Stadion», weiss Weibel, «wären Investitionen ins Team gar nicht möglich.» Und ohne gutes Team wird der Club nicht selbsttragend – denn das bleibt oberstes Ziel.

So ist der LHC zum Erfolg fast verurteilt. Und so investiert er ins Team. Auf diese Saison wurde das Budget leicht erhöht, sagt Weibel, nächste Saison soll es gegenüber 2017/2018 um total 1,5 Millionen steigen. Der Quervergleich ist schwierig, aber die Personalkosten dürften sich dann kaum von jenen in Zürich, Bern, Zug oder Lugano unterscheiden.

Die jüngsten Siege bestätigen die Vorwärtsstrategie. Neun Erfolge in Serie schafften die Waadtländer erst einmal seit dem Aufstieg 2013, der Ligarekord liegt bei 15, aufgestellt 1988/89 vom Grande Lugano. Grande ist der LHC dreissig Jahre später zwar noch nicht. Doch werden will er es durchaus. Etwas anderes lässt der Businessplan auch fast nicht zu. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.11.2018, 18:27 Uhr

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