Ende gut, nicht alles gut

Die ZSC Lions bezwingen die Lakers trotz eines 0:3 nach 107 Sekunden noch 5:4 nach Penaltyschiessen. Doch die Leistung ist eines Leaders nicht würdig.

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Kurze Arbeitstage sind nicht immer erstrebenswert. Das musste Lukas Flüeler gegen die Lakers erfahren. 107 Sekunden waren gespielt, als der ZSC-Stammgoalie bereits ausgewechselt wurde. Er hatte nicht einmal einen Puck berührt und trotzdem schon drei Tore erhalten. Das war weniger seine Schuld als die seiner Vorderleute, die schläfrig gestartet waren, die Rapperswiler hatten gewähren lassen. Cervenka traf doppelt, Rehak einmal, und ZSC-Coach Rikard Grönborg nahm bereits sein Timeout und schickte Joni Ortio ins Tor.

Das Glück im Unglück

Es erwies sich als Glück im Unglück, dass der Finne auf der Bank sein konnte, da Marcus Krüger nach seiner Gehirnerschütterung bis auf Weiteres ausfällt. Dem regulären Backup Daniel Guntern, der nur wenig Kredit geniesst, hätte Grönborg wohl nicht vertraut.

Mit Ortio starteten die Zürcher zur Aufholjagd, die im 4:3 in der 43. Minute durch Phil Baltisberger gipfelte. Dann nahm Jeff Tomlinson sein Timeout und kehrte das Momentum wieder. Fortan waren die Lakers wieder das bessere Team und wurden mit dem 4:4 Wellmans (48.) belohnt. Das 5:4 hätte für die Aussenseiter auch noch fallen können, in der ZSC-Defensive herrschte nun wieder das Chaos. Doch schliesslich gab es doch noch ein Zürcher Happy-End: im Penaltyschiessen. Suter, Wick und Roe trafen alle in der Kurzentscheidung, bei den Rapperswilern scheiterten drei von vier Schützen an Ortio.

Bitter war der Finish für Nyffeler, der sich von Wick und Roe zwischen den Beinen erwischen liess. Noch unangenehmer dürfte der Abend für Flüeler gewesen sein. «Dass er der Leidtragende war, ärgert mich am meisten», sagte Captain Patrick Geering. «Aber seine Auswechslung war für den Coach die einzige Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen.»

«Das mag unterhaltsam sein für die Zuschauer, ist aber nicht das, was wir wollen.»Patrick Geering

Nach einem 0:3 müsse man über jeden Punkt froh sein, resümierte Geering. «Aber damit, wie wir gespielt haben, können wir nicht zufrieden sein. Ich meine damit nicht nur den Start, sondern auch, wie das Spiel in der Endphase hin und her wogte. Das mag unterhaltsam sein für die Zuschauer, ist aber nicht das, was wir wollen.» Es fehlt dem Team seit einigen Wochen die Selbstverständlichkeit, die es anfangs auszeichnete. Das 5:0 in Davos einmal ausgenommen. Und Ortio natürlich auch, der fünf seiner sechs Spiele gewonnen hat und seinen Schnitt sogar noch leicht senkte, auf 1,16 Gegentore pro Partie.

«Es gibt keine einfachen Gegner»

«Wir müssen dieses Spiel als Lektion nehmen», sagte der Finne. «Wir müssen bereit sein von Beginn weg. Es gibt keine einfachen Gegner.» Seinen Einstieg bezeichnete Ortio als locker, schliesslich habe er anfangs kaum Schüsse gehabt. Die Lakers schossen bis zur ersten Pause nur noch dreimal aufs ZSC-Tor. Doch im Schlussabschnitt war von Ortio die eine oder andere gute Parade gefragt.

Neben ihm taten sich bei den Zürchern Wick und Diem hervor. Der 33-Jährige, der das Toreschiessen in diesem Winter verlernt zu haben schien, traf mit einem «Buebetrickli» aus dem Spiel und später auch im Penaltyschiessen. Diem deutete, wegen der Abwesenheit Krügers in den Sturm mit Bodenmann und Hollenstein vorgerückt, immer wieder seine Spielmacher-Qualitäten an und liess sich zwei Assists gutschreiben. Auf das erste Saisontor wartet Diem aber noch – im Gegensatz zu Marti, der sich zu Beginn des Schlussabschnitts vor das gegnerische Tor schlich, im Stile eines Stürmers zum 3:3 ablenkte und danach über das ganze Gesicht strahlte.

Es gab für die ZSC Lions nach ihrem miserablen Start also doch noch etwas zu lachen. Und weil ihre Verfolger Biel und Davos verloren, bauten sie ihren Vorsprung an der Spitze sogar auf fünf Punkte aus. Doch trotz des versöhnlichen Endes: Das war kein Auftritt, der eines Leaders würdig ist.


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Erstellt: 06.12.2019, 23:42 Uhr

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