«Es ist krass, wie viele Leute helfen wollen»

Romano Lemm (27), Stürmer der Kloten Flyers, äussert sich im Interview über die Rolle der Spieler, das Solidaritätsfest am Samstag und die Hoffnung auf Rettung.

Optimistischer Blick in die Zukunft: Klotens Romano Lemm glaubt an die Rettung der finanziell angeschlagenen Flyers.

Optimistischer Blick in die Zukunft: Klotens Romano Lemm glaubt an die Rettung der finanziell angeschlagenen Flyers. Bild: EQ Images

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Sind Sie derzeit mehr Sportler oder Organisator?
Organisator. Wir wollen am Samstag mit dem Marsch zur Kolping-Arena und dem anschliessenden Fest im Stadion ein Zeichen setzen und Geld zur Rettung der Flyers generieren. Ich bin verantwortlich für die Gastronomie, vom Bierausschank bis zur Fliegerwurst. Daneben gibt es Versteigerungen, Merchandising, DJs, Videobotschaften. Alle arbeiten ehrenamtlich, der gesamte Erlös wird in die Rettung der Flyers investiert – oder, falls es nicht klappt, in die Nachwuchsbewegung.

Lange trat das Team öffentlich kaum in Erscheinung. Warum jetzt der Strategiewechsel?
Nach dem Nein von Herrn Lehmann war klar, dass wir unsere Unterstützung öffentlich zeigen mussten. Am Samstag setzten wir uns zusammen, dann ging alles sehr schnell. Natürlich kommt seither das Training etwas zu kurz. (lacht)

Sind Sie überrascht vom Echo auf Ihre Aktion?
Weniger vom Echo als von dessen Ausmass. Es ist krass, wie viele Leute helfen wollen und Ideen beitragen. Es ist schön, zu sehen, wie gross überall das Interesse an den Flyers ist.

Hat sich die Stimmung im Team diese Woche verändert?
Ich denke schon. Vorher musste man immer neue Hiobsbotschaften lesen, alles war negativ. Wir wollten wieder positive Emotionen wecken. Man braucht das Gefühl, dass etwas geht.

Vergangene Saison musste Ihnen ein Hirnnerventumor entfernt werden. Hat die Erfahrung dieser Operation und das Bangen um die Gesundheit Ihre Prioritäten verändert?
Das hat mir gezeigt, dass die Gesundheit das Wichtigste ist. Und nach dem Eingriff war ich zuerst natürlich froh, dass alles so gut ablief. Doch dann kam schnell der Ehrgeiz wieder, bald aufs Eis zurückzukehren.

Sie betrachten die Probleme der Flyers nicht mit mehr Gelassenheit?
Man kann das nicht vergleichen. Gegenüber kleineren Alltagsdingen bin ich vielleicht entspannter geworden, doch was jetzt mit Kloten passiert, geht uns allen sehr nahe – da sind für viele Existenzängste im Spiel, und die muss man auch ernst nehmen.

Nun soll Peter Bossert die Rettung der Flyers orchestrieren. Was bedeutet er für Sie?
Ich kenne ihn gut, und er ist immer mit extrem viel Herzblut dabei. Als ich im Club hochkam, war er nicht nur Präsident, sondern auch eine Art Vaterfigur. Uns Spieler hat er immer seine Jungs genannt. Er hat eine riesige Erfahrung, und ich hoffe sehr, dass er mit seinen Leuten eine Lösung finden kann.

Erinnern Sie sich auch an Ihren ersten Kontakt mit Präsident Jürg Bircher?
Ja, das war, als er noch Sponsor war und im Stadion eine Loge hatte. Er war ein sehr engagierter Typ, der sich für die Flyers ins Zeug legte.

Man hört immer wieder, die Lohnverhandlungen mit ihm seien nicht allzu hart gewesen . . .
Das weiss ich gar nicht mehr so genau, und das ist auch Sache der Agenten. Es war aber sicher nicht so, dass man nur einen Betrag nennen musste und der Präsident einfach Ja sagte.

Waren die guten Saläre innerhalb des Teams nie ein Thema?
Nein. Wenn einer nach Kloten kam, war immer wichtig, dass die Atmosphäre gut war und es cool ist, hier zu spielen. Ich glaube, es war immer das Flair von Kloten, das Spieler angelockt hat.

Ihr Bild von Bircher hat sich zuletzt bestimmt verändert.
Das spielt heute keine Rolle. Jetzt müssen wir vor allem schauen, dass wir mit ihm eine gute Lösung finden. Was vorher war und wie es dazu kam, können wir später immer noch aufarbeiten – es wurde in letzter Zeit genug darüber geschrieben. Ich bin fest davon überzeugt, dass Bircher möchte, dass Kloten nicht stirbt.

Wie steht es um die Spieler? Wären Sie beispielsweise bereit, auf zwei Monatslöhne zu verzichten?
Es ist schwierig, das jetzt einfach so zu beziffern – und das muss auch jeder selbst entscheiden. Grundsätzlich sind uns aber die Dimensionen bewusst, die es bräuchte. Und wir wissen, dass es ohne Verzicht auf Lohnanteile auch keine Lösung gibt. Alle sehen, dass sich etwas ändern muss.

Sie wechselten im Alter von 13 Jahren zu Kloten. Welche Bedeutung hat der Club für Sie?
Ich verdanke den Flyers meine ganze Karriere. Sie bemühten sich um mich, als ich noch für Urdorf spielte. Sie luden mich zum Probetraining ein, boten gute Bedingungen, gute Trainer und natürlich die Chance, später in der Nationalliga A zu spielen. Als ich 1997 hierherkam, war der Verein eine Macht, hatte gerade vier Titel in Folge gewonnen. Kloten war Kloten.

Haben Sie darüber nachgedacht, was wäre, wenn die Rettung misslingt?
Natürlich macht man sich Gedanken. Aber nichts davon ist konkret. Im Moment gilt all meine Aufmerksamkeit der Gegenwart.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Bleibt Kloten in der NLA?
Ich sage Ja. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.05.2012, 10:36 Uhr

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Neuigkeiten gibt es auch von diversen anderen Rettungsmassnahmen. Die «Aktion Kloten» gab bekannt, innert einer Woche 66'000 Franken gesammelt zu haben, und der «Garden Club» in Winterthur wird am 9.Juni eine Benefiz-Party samt Autogrammstunde veranstalten. Auf der Website der Spieler (www.flyersforever.ch) nimmt das Programm weiter Gestalt an, das am Samstag ab 16 Uhr den Rahmen des Team-Events in der Kolping Arena bildet (15 Uhr Abmarsch am Kloten Square), die dazugehörige Facebook-Seite zählt bereits über 2000 Likes. (phm)

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