«Es tut unerhört weh»

Wie sein früherer Mentor Simon Schenk trauert die ganze Eishockey-Schweiz um den verstorbenen Peter Jaks.

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Anfreunden kann man sich nicht mit dem Gedanken, aber man muss ihn akzeptieren: Peter Jaks ist nicht mehr da. Der Sohn tschechischer Auswanderer aus Frydek-Mistek, der das Schweizer Eishockey über zwei Jahrzehnte lang prägte, der mit Selbstverständlichkeit Tore schoss und auf dem Eis ein Muster an Zielstrebigkeit war, nahm am Mittwoch in Bari Abschied vom Leben. Die Identifizierung der Leiche steht noch aus, doch die Tätowierung auf dem Oberarm mit den Initialen seiner Töchter (Katarina, Rebecca, Vittoria) lässt keine Zweifel zu.

«Es ist ein sehr trauriger Tag für die Eishockeyfamilie», sagte Larry Huras stellvertretend für viele andere. «Er hat mit so vielen gespielt und gearbeitet, fast jeden verbindet eine Erinnerung mit ihm.» Den Kanadier diese: «Als wir 2001 mit dem ZSC Meister wurden, stürmten alle aufs Eis. Aber Peter kam zuerst zu mir und umarmte mich. So war er.»

Stammgast im Nationalteam unter Schenk

Simon Schenk kann sich noch genau erinnern, wann er Jaks für die Zürcher verpflichtete: «Es war der 4. Januar 1998, mein vierter Arbeitstag.» Der Emmentaler hatte stets eine besondere Beziehung zum begnadeten Goalgetter. 1987 nahm er ihn als 20-Jährigen an die WM in Wien mit, in den folgenden Jahren war Jaks Stammgast im von Schenk geführten Nationalteam. Und dieser erinnert sich noch gut an eine Episode von der B-WM 1990 in Megève, als er dem Flügel vor dem entscheidenden Spiel gegen Frankreich sagte, er solle aufhören mit diesen stark gebogenen Stockschaufeln. «Es ging nicht lange, da traf er aus einem unmöglichen Winkel und zeigte schmunzelnd auf seinen Stock, um zu bedeuten: Siehst du, wie gut das damit geht?»

Laurent Müller, der bei den Zürcher Titeln 2000 und 2001 einen Sturm mit Jaks und Dan Hodgson bildete, erzählt: «Als ich Jaks letztmals sah, waren wir uns einig: Das war die schönste Zeit.» Die Chemie in jener Linie habe von der ersten Minute an gestimmt. «Wenn ich Jaks einen Pass spielte, wusste ich: Jetzt kann ich bald jubeln», sagt Müller. Der Berner, heute Geschäftsführer einer Firma für 3-D-Technologie, erinnert sich: «Das grösste Glück war es für Jaks, wenn er gegen Sulander im Training ein Tor machen konnte. Er war ein Familienmensch und ein eher ruhiger Typ, aber auf dem Eis hatte er eine kindliche Freude. Und er hat härter gearbeitet, als viele meinten. Sonst hätte er nicht eine so grosse Karriere gemacht.»

Salis: «Eine starke Persönlichkeit»

Edgar Salis spielte in Ambri und Zürich fünf Jahre im gleichen Team wie Jaks und beschreibt ihn als bodenständig. «Er war immer selbstbewusst und zielstrebig, wusste genau, was er wollte. Eine starke Persönlichkeit.» Seine Gefühlslage schwanke, seit er vom Tod Jaks’ erfahren habe – zwischen Betroffenheit, Unverständnis und Trauer, sagt der ZSC-Sportchef. «Mich hat das Ganze völlig überrascht.» Er habe gewusst, dass Jaks Probleme gehabt habe, sagt Schenk. «Aber ich dachte nie, dass diese so gravierend sind. Und ich habe ihn immer als mental starken Spieler erlebt. Es tut unerhört weh zu erfahren, was mit ihm passiert ist.»

Er habe immer gedacht, aus Jaks werde ein Trainer, sagt Huras. «Wenn ich eine Idee hatte, fragte ich jeweils ihn, was er davon halte. Er hatte sehr starke Meinungen, was das Eishockey betraf. Wir haben oft unsere Köpfe aneinander geschlagen. Dank ihm bin ich ein besserer Coach geworden.» Jaks absolvierte die Trainerausbildung, und Schenk hätte ihn gerne in Zürich als Trainer aufgebaut. «Aber wegen der Familie ging er zurück ins Tessin. Schweren Herzens.» Doch dort fand er sein Glück nicht mehr. Die schmerzhaften Trennungen von seiner Frau und von Ambri, wo er sechs Jahre als Sportchef wirkte, setzten ihm zu. «Er musste in Ambri für Dinge den Kopf hinhalten, mit denen er nichts zu tun hatte», sagt Schenk, der Jaks auch dann noch mit Rat zur Seite stand, als sie Konkurrenten waren.

Huras: Das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren

«Mit ihm verstand ich mich auch ohne viele Worte», blickt Schenk zurück. «Peter war feinfühlig, aber kein Jammeri. Er war sehr stolz.» Müller beschreibt ihn als «clever, aber auch sensibel. Er spürte die Stimmungen im Team sehr gut.» Salis erinnert sich an ihn als «kommunikativ und sehr intelligent. Er war eine starke Persönlichkeit, das spürte man in der Garderobe.»

Jaks habe immer der Beste sein wollen, erzählt Huras, «ob im Eishockey, im Jassen oder Wetten». Er denke in diesen Stunden vor allem an seine drei Töchter, seine Eltern und seinen Bruder Pauli, sagt der Kanadier. Und er schiebt nachdenklich nach: «Manchmal sollte man einen Schritt zurück machen. Wir fokussieren uns so sehr auf unsere kleinen Alltagsprobleme, dass wir das Wesentliche aus den Augen verlieren.»

Erstellt: 08.10.2011, 17:08 Uhr

In Gedenken an Peter Jaks

Die 11. NLA-Runde vom Freitag stand im Zeichen des Gedenkens an den verstorbenen Peter Jaks. In allen Stadien gab es eine Trauerminute, bei seinen ehemaligen Klubs wurde ihm speziell gedacht.

In Ambri waren vor der Valascia Kerzen angezündet, zudem konnten sich die Fans in ein Kondolenzbuch eintragen. Während der Partie gegen Fribourg wurde auf Werbeeinspielungen verzichtet und alle Fans erhielten ein Blatt, auf dem Jaks' Nummer 19 in schwarzen Lettern stand. Diese Nummer wird in Ambri übrigens nie mehr vergeben. Nach der Trauerminute skandierten die Fans den Namen ihres einstigen Topskorers und sangen dann mehrere Male die Klubhymne «La Montanara», so dass die Partie erst mit einigen Minuten Verspätung beginnen konnte.

In Lugano trugen die Spieler ein Ehrenzeichen auf dem Helm, die Aufschrift lautete «RIP PJ» (Rest in Peace, Peter Jaks). Ähnliche Spruchbänder für den einstigen Meister mit den Bianconeri gab es auch von Seiten der «Curva Nord». Die Klubverantwortlichen überlegen sich zudem, für das Derby am nächsten Mittwoch eine gemeinsame Aktion mit Ambri-Piotta.

In Zürich erhielten die Fans Wunderkerzen und auf dem Videowürfel wurden Sequenzen aus der Karriere des Stürmers eingeblendet. ZSC-Sportchef Edgar Salis, ein ehemaliger Weggefährte von Jaks, erklärte, die Nummer 19 werde in Zürich auch weiterhin getragen, gab aber auch zu bedenken: «Von den fünf Jahren, die Peter bei uns war, war er geschätzte viereinhalb Jahre Topskorer. Wenn schon, dann dürften wir also das Topskorerleibchen nicht mehr vergeben.» (si)

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