Feuerwerk und eine Liebeserklärung

Die Lions geben sich vor dem Spiel der ersten Finalchance konzentriert und selbstbewusst. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live vom vierten Halbfinal-Duell ZSC - Zug ab 19.45 Uhr.

Torjubel: Bisher lief es den Lions im Playoff rund – und heute Abend?

Torjubel: Bisher lief es den Lions im Playoff rund – und heute Abend? Bild: Keystone

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Als die ZSC Lions in den frühen Morgenstunden des Freitags nach ihrem zweiten Sieg in Zug nach Oerlikon zurückkehrten, wurden sie an der Siewerdtstrasse von einer Fanschar empfangen. «Sie sangen, tanzten und brannten sogar Feuerwerke ab», erzählte Bob Hartley schmunzelnd. «Die Leute leben mit uns mit. Ich freue mich schon aufs nächste Spiel im Hallenstadion.»

Der Kanadier hatte sich tags zuvor auf der ZSC-Website mit einer Video-Liebeserklärung an die Fans gerichtet. Er hofft auf ein mit 11 200 Zuschauern erstmals ausverkauftes Hallenstadion. In Spiel 4 gegen Davos hatten 179 Besucher gefehlt. Heute sollen zudem 4000 Wunderkerzen ans Publikum abgegeben werden.

Mahnende Worte von Hartley und McCarthy

Bei aller Euphorie mahnte der ZSC-Coach: «Wir dürfen uns nicht ablenken lassen, müssen uns auf unseren Job konzentrieren.» Seine Botschaft scheint anzukommen. So sagt Steve McCarthy, einer der Marathonmänner in der Abwehr, ganz nüchtern: «Ob wir gewinnen oder verlieren – tags darauf gehen wir mit der gleichen Einstellung wieder an die Arbeit. Es ist schön, dass es nun so gut läuft. Aber wir mussten in dieser Saison auch schon einiges wegstecken.»

Nach allem, was das Team durchgemacht habe, sehe er keine Gefahr, dass es den Boden unter den Füssen verliere. Der Kanadier, der immer noch im Swissôtel logiert und via Skype mit seiner Frau und seinen beiden Kindern, die in Chicago leben, Kontakt hält, würde gerne in Zürich bleiben. Doch darüber werde man erst am Saisonende reden.

Ein Bauernsohn als Vorbild

Für Hartley verkörpert Ambühl, der Matchwinner vom Donnerstag, die Einstellung, die er sehen will. «Ich benutze ihn oft als gutes Beispiel, wenn ich zur Mannschaft spreche», erzählte der Coach. Als er erfahren habe, dass Ambühl ein Bauernsohn sei, habe er aufgehorcht. «Schon als Juniorencoach merkte ich, dass dieses Umfeld ideal ist. Denn die Kultur der Bauern dreht sich um harte Arbeit. Bauern haben keine freien Tage. Sie arbeiten immer. Genau so ist Ambühl: Er nimmt nie eine Abkürzung. Und er hat eine unheimliche Leidenschaft. Es ist kein Geheimnis, dass er einer meiner Lieblingsspieler ist.»

Dass der Davoser in der Overtime von Spiel 3 beim Konter als dritter Mann nach vorne stürmte, illustriere die angriffige Haltung des Teams, findet Hartley. «Wir wollen auf unseren Zehen sein, nicht auf den Fersen.» Dass sie in Zug mehrheitlich in die eigene Zone gedrückt wurden, konnten die Zürcher indes nicht verhindern. Fürs heutige Spiel kündigt Severin Blindenbacher an: «Wir werden einen Zacken aggressiver spielen, ihnen weniger Platz geben. Körperlich sind wir bereit. Man sah am Donnerstag, dass wir am Schluss noch mehr Kraft hatten. Wir müssen das Spiel in die Hand nehmen. Schauen wir, ob Zug mithalten kann.»

Pittis fällt weiter aus

Nicht dabei sein wird Domenico Pittis. Der Kanadier humpelte gestern nach der Physiotherapie zu seinem Auto. Einsätze scheinen bei ihm vorderhand nicht denkbar – zumindest nicht mehr im Halbfinal. Sicher wird der Kanadier, der noch keinen Vertrag besitzt und im Playoff seinen Wert demonstrierte, alles daransetzen, nochmals spielen zu können.

Falls sich die ZSC Lions und der SCB heute für den Final qualifizieren sollten, würde dessen Beginn auf den kommenden Donnerstag vorgezogen. Kompliziert würde es, wenn die Halbfinals nach fünf Spielen vorbei wären – dann würde wieder eine Terminkollision im Hallenstadion drohen (TA vom 13. März). Und die Zürcher wären dann auf einen kulanten SCB angewiesen.

Nicht so weit reicht der Horizont von Zugs Doug Shedden. Seine Bilanz von 2 zu 15 Siegen in NLA-Halbfinals bezeichnet er selbst als «peinlich». Und er sagt: «Ich würde gerne sehen, wie die ZSC Lions auf eine Niederlage reagieren.» Diesen Gefallen wollen sie ihm freilich nicht tun.

Erstellt: 24.03.2012, 14:45 Uhr

Noch vier Siege zum Rekord

Erst fünf Teams haben zu Playoff-Beginn noch mehr Spiele gewonnen als (bislang) die ZSC Lions. Die Bestmarke stellte der HCD im vergangenen Jahr mit elf Siegen auf. Nicht immer wurden Teams, die auf direktem Weg in den Final stürmten, aber auch Meister.

Siegesserien ab Playoff-Start:
11 Davos 2011 Meister
09 Bern 2010 Meister
09 Kloten 2009 Finalist
09 Lugano 2000 Finalist
08 Bern 1991 Meister
07 ZSC 2001 Meister
07 ZSC 2012 ?


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