Fünf Tipps an den ZSC, wie er den Kopf aus der Schlinge ziehen kann

Die ZSC Lions stehen in der Halbfinalserie gegen Fribourg mit dem Rücken zur Wand. Tagesanzeiger.ch/Newsnet nennt fünf Gründe, was der Meister besser machen muss, um das drohende Aus zu vermeiden.

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Die ZSC Lions liegen im Playoff-Halbfinal gegen Qualifikationssieger HC Fribourg-Gottéron 0:3 im Hintertreffen. Und noch nie hat es ein NLA-Team in der Playoff-Geschichte geschafft, im Halbfinal einen derart grossen Rückstand aufzuholen und in den Final einzuziehen. Das sind die Fakten. Das unglaubliche an der misslichen Situation des Titelverteidigers aus Zürich-Nord ist, dass er durchaus mit 2:1 in Front liegen könnte. In Duell 2 und 3 hatten die Lions mehr Spielanteile und mehr Chancen als ihr Angstgegner. Doch am Ende war es so wie immer im Playoff: Gottéron gewinnt, egal, wie stark der ZSC auch aufgetreten ist. Mittlerweile steht es in dieser Statistik 14:0 für Fribourg, seit elf Matchs en suite sind die Löwen ohne Erfolg gegen die von Hans Kossmann betreuten Neo-Copains. Die statistischen Werte aus Sicht der ZSC Lions gegen diesen Gegner sind zum Heulen, nicht zum Brüllen.

Gewiss, der Faktor Glück hat in dieser spannenden und attraktiven Serie eine gewisse Rolle gespielt. Aber so eng die drei Duelle zwischen diesen beiden Equipen auch waren: Es gibt Gründe, warum die Freiburger jeweils nach Spielschluss jubeln konnten. Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt fünf Punkte auf, die der ZSC besser machen muss, um die Freiburger Hausse zu stoppen.

Die Effizienz im Abschluss

Morris Trachsler versiebt im zweiten Halbfinal eine grosse Chance in der Overtime, Patrik Bärtschi schiesst am vergangenen Samstagabend eine Sekunde vor Ende der regulären Spielzeit an die Latte statt ins praktisch leere Gehäuse: Es waren Schlüsselszenen, in denen die Lions den K.-o.-Schlag zum Sieg verpassten. Zürcher Fankreise monieren, dass im letzten Jahr diese Pucks noch im Netz des gegnerischen Tores gezappelt hätten. Das mag sein. Aber Tatsache ist, dass diese beiden grossen Möglichkeiten nicht genutzt wurden. Schon im Viertelfinal brauchte der Meister bedeutend mehr Anläufe, um Treffer zu erzielen, als der HC Davos. In der Serie gegen Fribourg hat die Effizienz noch mehr gelitten. Und auch Jeff Tambellini ist nicht mehr da. Also Ratschlag 1: Die Zürcher müssen sich konzentrierter, noch bissiger und vor allem cooler vor dem Freiburger Tor präsentieren. Der Druck auf Goalie Benjamin Conz darf zudem ruhig noch eine Spur höher sein.

Die Torhüterleistung

Lukas Flüeler ist ein guter Torhüter, der in der Playoff-Goaliewertung mit 91,9 Prozent immerhin Rang 3 einnimmt. Aber Gottérons Benjamin Conz war in dieser Serie der bessere Schlussmann, der mit einer Fangquote von 93,3 Prozent die Liste anführt. Flüelers Handicap ist es nach wie vor, dass er zu viele Scheiben abprallen lässt, was die Eisdrachen auch zu Treffern ausgenutzt haben. Und in Sachen Penaltys hat der Zürcher Oberländer Steigerungspotenzial: Gemäss «Tages-Anzeiger» hat der Lions-Goalie in dieser Saison im Shootout eine Erfolgsquote von nur 64,3 Prozent aufzuweisen. Zum Vergleich: Der viel gescholtene Zuger Jussi Markkanen hat 84,6 Prozent der Penaltys pariert. Mit anderen Worten: Kommt es heute im Hallenstadion erneut zu einem Penaltykrimi, kann sich der Freiburger Anhang schon einmal auf die erste Finalteilnahme Gottérons seit 1994 freuen. Ratschlag 2 an den ZSC-Goalie: «Flüeler, du hast den Puck gestohlen, gib ihn nicht mehr her.»

Die Bykow-Linie in den Griff bekommen

Nationalcoach Sean Simpson wird es freuen, dass die bisher beste Reihe in diesem Meisterschaftsfinal eine rein schweizerische Formation ist – mit einem Schuss russischen Bluts notabene. Julien Sprunger, Center Andrej Bykow und Benny Plüss haben so viel Dynamik, Energie und Torgefährlichkeit entwickelt, dass es eine Freude ist, ihnen zuzuschauen – es sei denn, man ist Spieler, Trainer oder Fan der ZSC Lions. Vor allem Playmaker Bykow, den Sohn von Eiszar Slawa Bykow, bekommen die Zürcher einfach nicht in den Griff, obwohl sie über eine starke Defensive verfügen, obwohl auch sie Stürmer haben, die Tempo machen können. Eishockey-Experte und Meistertrainer Kent Ruhnke hat nach dem zweiten Duell in einer seiner viel beachteten Kolumnen geschrieben, dass die vierte Linie der Lions noch am besten gegen die gefährlichste Offensivwaffe Fribourgs ausgesehen hätte. Ratschlag 3 ist demzufolge ein Sprichwort aus Oerlikon, das schon in den 90er-Jahren im Hallenstadion zitiert wurde: «Hast du den Bykow im Sack, ist das Feuer des Eisdrachen erloschen.»

Schnelleres Umschalten

Das schnelle Umschalten von der Defensive in die Offensive, das sogenannte Transition Game, gehört im modernen Eishockey zu den wichtigsten Eigenschaften des taktischen Repertoires. In dieser Beziehung hat der Titelverteidiger Nachholbedarf. Den ZSC Lions sind zu wenige erfolgversprechende Konterattacken und demzufolge Kontertore gelungen. Fribourg imponierte allerdings bisher mit einer erstaunlich soliden Defensivarbeit und einem grosszügigen Backchecking. Zum erfolgreichen Eishockey gehört natürlich auch ein präzises Passing, mit oder ohne Hilfe der Bande – auch in dieser Beziehung waren die Halbfinal-Darbietungen der Zürcher noch nicht optimal, was sich auch im Powerplay niederschlug. Ratschlag 4: Ein Video des HCD hervorkramen, da die Bündner diese Taktik exzellent beherrschen. Dass der Rekordmeister aus dem Landwassertal nicht mehr um den Titel kämpft, hat andere Gründe.

Die Form des Topskorers

Sündenböcke an den Pranger zu stellen, ist nicht gerecht oder chic, schon gar nicht in den Playoff-Tagen. «Wir gewinnen als Mannschaft, wir verlieren als Mannschaft», heisst es immer so schön im Teamsport. Doch die geringe Wirkung von ZSC-Topskorer Thibaut Monnet, der im Sommer zu Fribourg wechselt, ist schon verblüffend. Der Walliser ist neben Gottérons Christian Dubé die grösste Enttäuschung in dieser Serie. Monnet ist im Vergleich zum Viertelfinal ein Schatten seiner selbst. Ihm zu unterstellen, er würde gegen seinen zukünftigen Arbeitgeber punkto Engagement nicht alles geben, wäre indes verfehlt.

Aber der Noch-Stürmer der Lions wirkt in diesem Halbfinal gehemmt, darunter leiden auch seine Sturmpartner Trachsler und Mark Bastl. Deshalb unser Tipp an den glücklosen Monnet: Ein ausgiebiges Raclette mit Walliser Käse und einem Gläschen Fendant vor dem ersten Bully im vierten Halbfinal bringt die Lockerheit und die Lebensfreude aufs Eis zurück. Nur ein Tor – und die Verkrampfung könnte sich beim Goalgetter lösen. Die Teppichetage Gottérons würde dann zusätzlich einen Beweis erhalten, warum sie den Romand für nicht wenig Speuz an die Saane gelockt hat.

Erstellt: 26.03.2013, 14:50 Uhr

Playoff-Halbfinals live

Wie gehabt berichtet Tagesanzeiger.ch/Newsnet auch heute Abend ab 19.45 Uhr von den Playoff-Halbfinals ZSC Lions - HC Fribourg-Gottéron sowie EV Zug - SC Bern.

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