Genoni: «Beginnst du zu zweifeln, ist es vorbei»

Leonardo Genoni (31), Goalie des SC Bern, spricht vor dem Final gegen seinen künftigen Arbeitgeber über Stolz und Schwächen.

<b>Im Scheinwerferlicht:</b> Leonardo Genoni steht im Final unter spezieller Beobachtung.

Im Scheinwerferlicht: Leonardo Genoni steht im Final unter spezieller Beobachtung. Bild: Urs Lindt (Freshfocus)

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Leonardo Genoni, weshalb sprechen Sie vor dem Final?
Der SCB-Medienchef hat mir empfohlen, mich zu äussern.

Sie brechen mit Ihrer Tradition, während des Playoff in der Öffentlichkeit nichts zu sagen.
Habe ich letztes Jahr nicht gesprochen?

Nein.
Vorletztes Jahr?

Ebenfalls nicht.
Dann ist es länger her. Aber ich mache es jetzt.

Das siebte Spiel gegen Biel hätte Ihr letztes für Bern sein können. War der Gedanke präsent?
Es war theoretisch zweimal möglich, auch in Spiel sechs (lacht). Ich mache mir keine solche Gedanken. Ich ging mit dem Wissen ins Playoff, dass es für uns nicht einfach werden würde. Die Genfer spielten im Viertelfinal gegen uns anders als die meisten Teams in der Qualifikation. Sie machten Druck aufs Tor, störten früh. Ich wusste, die Mannschaft wird mich brauchen. Wir hatten Mühe, konnten aber auf Rückschläge reagieren.

Die Spielkontrolle hat den SCB in der Qualifikation ausgezeichnet. Im Playoff wurde das Verwalten von Vorsprüngen zur Schwäche. Wie haben Sie das als Goalie erlebt?
Gut, ich wäre ja dazu da, den Puck zu halten, wenn zuvor ein Fehler passiert ist. Gegen Genf ist mir das nicht immer gelungen. Wir haben uns zurückgezogen, dem Gegner zu viel Platz gelassen.

Sie wirkten zu Beginn des Playoff ein bisschen nervös.
(überlegt) Das Playoff läuft noch. Es ist nicht die Zeit dafür, Bilanz zu ziehen. Aber ich habe mich mit dem Team gesteigert. Die Gegentore gegen Genf fielen auf eine Weise, bei der du sagen musstest: Die nächsten 99 Schüsse, die so aufs Tor kommen, werden sicher nicht reingehen. Ich war nicht nervös, nicht verunsichert. Das darfst du als Goalie nie sein. Sonst machst du den Schritt zurück und bist jedes Mal zu spät. Beginnst du zu zweifeln, ist es vorbei. Der Puck rollte nicht für uns. Umso wichtiger war es, die Serie zu gewinnen.

Auch im Halbfinal gegen Biel hat sich das Team nach dem 0:2-Rückstand gesteigert.
Wir wurden zu Beginn erneut überrascht, gaben den Bielern zu viel Raum. Aber in den letzten zwei Partien haben wir eine reife Leistung gezeigt, gegen vorne gut und gegen hinten wirklich sehr gut gearbeitet. Das war der Schlüssel. Wir absolvieren einen Steigerungslauf.

Ab Donnerstag kämpft Bern gegen Zug um den Titel. Ein Final ist per se speziell. Gerne würden wir von Ihnen hören, dass dieser noch etwas spezieller ist, weil Sie gegen den künftigen Club spielen.
(lacht) Logisch. Aber es ist ein ­Final – das zählt. Andere Gedanken gibt es nicht. Ich bin sehr stolz auf unsere Mannschaft; stolz darauf, was sie geleistet hat. Wir haben uns aus schwierigen Situationen befreit, die Finalteilnahme verdient. Zeit zur Vorbereitung bleibt kaum.

Werden Sie als Vorbereitung die Zuger Stürmer und deren Abschlusspositionen studieren?
Und dann schiessen sie anders, und alles hat nichts gebracht (schmunzelt). Ich kann das nicht. Logisch, analysieren wir ihre Auslösungen, ihre Powerplays, die Muster der Angriffe. Aber ich muss mit meiner Intuition spielen, mich vorbereiten wie auf jede andere Partie.

Vor dem Playoff sprachen Sie von einem «guten Gefühl». Hat sich dieses bestätigt?
Ich wusste: Der Körper stimmt. Die Augen stimmen auch. Das ist für einen Goalie sehr wichtig. Unser Weg war bisher eine Willensleistung – auch von meiner Seite. Ich bin nie zufrieden, vor allem wenn ich Tore kassiere. Auch im siebten Match gegen Biel erzielte der Gegner ein Tor. Es gibt also Verbesserungspotenzial (schmunzelt). Unser Weg ist nicht zu Ende. Es bleiben vier bis sieben Spiele. Ich freue mich.

Erstellt: 11.04.2019, 11:33 Uhr

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