Hungrig nach dem Leben

Fredrik Pettersson befeuerte Luganos guten Saisonstart. So engagiert der kleine, flinke Schwede auf dem Eis auftritt, so aktiv ist er daneben.

Torschütze, Bauunternehmer, Italienischschüler: Fredrik Pettersson. Foto: Keystone

Torschütze, Bauunternehmer, Italienischschüler: Fredrik Pettersson. Foto: Keystone

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Wenn man Fredrik Pettersson in einem Wort charakterisieren müsste, dann wäre es: Intensität. Der Lugano-Flügel ist immer in Bewegung und einer, der nie zaudert. Was er tun will, tut er sofort und mit Überzeugung. «Ich war stets ­einer der Kleineren», sagt der 1,78-Meter-Mann. «Deshalb musste ich Wege ­suchen, mich durchzusetzen. Ich wusste, ich muss kräftig sein, viel laufen, dranbleiben. Die Gegner lieben es nicht, wenn man ihnen immer im Weg steht.»

Als er im November 2013 zu Lugano stiess, riss er seine neuen Kollegen mit seinem Schwung mit. Das technisch ­geprägte Team, das unter dem Strich lag, wurde dynamischer und spielte sich noch auf Rang 5. In diesem Winter ist er von Beginn weg dabei – und Lugano von Anfang an ein Spitzenteam. Sprachen nach der Transferkampagne alle vom neuen Trickser Linus ­Klasen, so ist es bisher Pettersson, der den Takt angibt. Mit acht Toren führt er die Liga an, nur Roman Wick hat noch mehr gepunktet.

Er selbst mag sich, ganz Schwede, ­natürlich nicht als Hauptgrund für ­Luganos Hausse sehen. Er sagt: «Wir ­haben unsere Identität als Team gefunden. Und wir kümmern uns um einander. Das heisst aber nicht, dass wir uns nicht ­gegenseitig unter Druck setzen. Denn seien wir ehrlich: Es ist ein Business, ­alles dreht sich ums Gewinnen.»

Landhäuser bauen in Schweden

So engagiert, wie der 27-Jährige spielt und spricht, gestaltet er auch seine Freizeit. Er ist zu einem Drittel Teilhaber ­einer schwedischen Baufirma (EXE Bygg) und kümmert sich vor allem um Kundenkontakte. Als Weltmeister, der sich gut zu verkaufen weiss, eine gute Besetzung. «Im Moment bauen wir acht Landhäuser», erzählt er. «Unser Ziel ist, vermehrt grössere Projekte zu entwickeln, Land zu kaufen und zu bebauen.» Und bereits hat er eine neue Idee: eine Firma in der Ernährungsindustrie. «Es geht um gesundes Essen», sagt er. «Aber es sind keine Vitaminpillen. Mehr kann ich noch nicht verraten.»

Es gehe ihm nicht primär ums Geld, sagt Pettersson. «Als ich 24, 25 war, ­erkannte ich, dass sich mein Leben nicht 24 Stunden am Tag ums Eishockey ­drehen kann. Wenn man im Stadion ist, gibt man sein Bestes. Aber es bringt nichts, zu Hause immer übers Eishockey zu grübeln. Ich spürte, dass ich mich in anderen Bereichen nicht entwickelte, meinen Kopf nicht benutzte. Das wollte ich ändern.» Natürlich will er auch ­Italienisch lernen – er ist in einer Klasse mit ­Linus Klasen, Ilari Filppula und ­Janick Steinmann, Stufe Anfänger.

Es ist eine lohnende Investition, hat Pettersson doch in Lugano einen Vertrag bis 2017 unterschrieben. Wobei er gleich abwinkt: «Verträge sind schön und gut. Aber ich weiss, wie schnell sich die Dinge ändern können in diesem ­Geschäft. Ich schaue nicht weiter voraus als ein paar Wochen.» Dass es ihm am Monte Brè gefällt, verhehlt er indes nicht. «Die Stadt ist fantastisch, der See, die Berge, das geniesse ich sehr. Und wenn man weg will, ist Mailand nicht weit.» Sein neues Leben dokumentiert der Singlemann aktiv auf Twitter ­ (@FredrikPetters2) oder der Fotoplattform Instagram (freddie.pettersson).

In Göteborg Nachbar von Plüss

Erstmals in Kontakt mit der Schweiz kam er, als er 2007 mit 20 in die erste Mannschaft Västra Frölundas kam und in der Kabine neben Martin Plüss sass. «Ein fantastischer Spieler und grosser Leader», schwärmt er. «Und wie gut er heute ­immer noch spielt, ist beeindruckend.» Plüss habe ihm damals, in lupenreinem Schwedisch, einiges erzählt über die Schweiz. Ihre Wege kreuzten sich wieder im WM-Final 2013 in Stockholm. Schweden gewann 5:1, für Pettersson bis dato der schönste Moment seiner Karriere.

«WM-Gold vor der Haustüre hat bei uns einiges ausgelöst», sagt er. «Aber auch die Schweizer ernteten viel ­Respekt.» Das sei mit ein Grund, wieso so viele Schweden – derzeit sind es 15 – den Weg in die Schweiz gefunden hätten. Ein anderer sei, dass das Spiel hier nicht so taktisch geprägt sei, dafür umso temporeicher, und so mehr Spass mache. Heute gastiert Pettersson mit Lugano in der Valascia, und man nimmt es ihm ab, wenn er sagt: «Ich geniesse das Bauchweh, das ich am Tag eines Derbys habe.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2014, 20:56 Uhr

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