«Ich hoffe, jetzt hat es der Letzte begriffen»

Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions, kritisiert nach dem 3:4 im Derby mit scharfen Worten die Genügsamkeit seines Teams. Es sei höchste Zeit, den Schalter umzulegen.

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Niederlagen gegen Biel, Lausanne und nun gegen Kloten, sogar nach einer 3:0-Führung. Was ist los mit den ZSC Lions?
Ganz einfach: Wir werden für unsere ­Genügsamkeit bestraft. Die Spiele ähneln sich. Wir hatten sicher schon acht, neun Partien, in denen wir minimalistisch auftraten. Und gegen Teams, die schon im Playoff-Modus sind, die ums sportliche Überleben kämpfen, reicht das dann nicht mehr. Beim letzten Derby in Kloten hatten wir noch Glück, das 4:2 für uns war mehr als schmeichelhaft. Diesmal wurden wir bestraft. Ich hoffe, jetzt hat der Letzte begriffen, wie es steht.

Nach dem Meistertitel sagten Sie, es dürfe sich auf keinen Fall ­Genügsamkeit einnisten. Wie kann man sie nun bekämpfen?
Wenn ich die Gesichter der Spieler nach den Niederlagen sehe, habe ich das ­Gefühl, es ärgert sie. Aber diese Lektionen sollten zu einem Lerneffekt führen. Wir verlangen ja nichts Unmögliches. Sondern nur, dass die Mannschaft an ­jedem Tag ihr Bestes gibt. Als gutes Beispiel sollte sie sich Roger Federer nehmen. Auch der spielt nicht immer gleich gut, und auch der verliert einmal überraschend. Aber er versucht immer, am gegebenen Tag das Optimum aus seinen Möglichkeiten herauszuholen. Allerdings ist es wohl so, dass sich Genügsamkeit in einem Team leichter einschleicht als bei einem Einzelsportler.

Marc Crawford gab Rang 1 als Ziel vor. Doch die Spieler scheinen nicht mit voller Kraft darauf hinzuarbeiten. Hören sie nicht mehr auf ihn?
Nein, dieses Gefühl habe ich überhaupt nicht. Ich bin ­sicher, dass er die richtigen Worte ­findet. Aber mich ­ärgert auch, dass wir dran sind, den Heimvorteil zu ­verspielen. Letztes Jahr sahen wir ja, wie wichtig der Heimvorteil im Viertel- oder Halbfinal in einem Spiel 7 ist. Und wer meint, er könne den Schalter um­legen, wenn das Playoff beginnt, der täuscht sich. In den Jahren 2009, 10 und 11 hörte ich das oft. Und dreimal schieden wir im Viertelfinal aus. Das funktioniert einfach nicht.

Wenn der ZSC so weiterfährt, droht auch diesmal das Vierttelfinal-Aus.
Ja, das ist sicher möglich. Die Liga ist so ausgeglichen wie noch nie. Deshalb ­müssen wir sofort reagieren. Wir müssen jetzt den Schalter umlegen. Wenn wir diesen Minimalismus bis zum Playoff ­weiterziehen, ist es zu spät, um dann noch ­umzustellen. Zudem haben wir bei jedem Match 9000 Zuschauer. Die haben es verdient, ein Team anzutreffen, das 60 oder 65 Minuten alles gibt. Man sieht unsere Attitüde auch in den Penaltyschiessen. Mir fehlt da der unbedingte Wille, ein Tor zu schiessen. Dass wir es könnten, bewiesen wir ja im letzten Playoff.

War es nicht ein Fehler, im Sommer keine Transfers zu machen, die frischen Wind ins Team bringen?
Nein, das glaube ich nicht. Wir wurden ja immer dafür gelobt, wie gut unsere Struktur ist. Was das Alter, aber auch die Spielertypen betrifft. Die Mannschaft ist gut ausbalanciert. Es gab keinen Grund, allzu viel zu verändern. Zudem haben die Jungen wie Siegenthaler oder Malgin das Team belebt. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir auf allen Positionen sehr gut besetzt sind. Jetzt müssen wir diese Qualität einfach aufs Eis bringen.

Müsste nun Crawford nicht ­Schlüsselspieler wie Wick, Cunti oder Keller in die Pflicht nehmen?
Ich bin überzeugt, er tut das Richtige.

Auf wen würden Sie aktuell setzen als Meister?
Ich setze auf niemanden. Aber Bern schätze ich derzeit am stärksten ein. Bei den Bernern sehe ich übrigens keine Spur von Genügsamkeit. Die haben ihre Lektion letzte Saison gelernt.

Erstellt: 25.01.2015, 22:12 Uhr

Peter Zahner

CEO ZSC Lions

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