«Ich trage nun einen Helm zum Velofahren»

ZSC-Verteidiger Mathias Seger zu seiner Ernennung als Captain des Schweizer Olympiateams und seinen Ängsten, doch nicht dabei zu sein.

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Kurz vor Weihnachten sagten Sie im Interview mit dem «Tages-Anzeiger», für Sie sei klar, dass Mark Streit der Captain des Schweizer Olympiateams werde. Nun sind Sie es. Überrascht?
Ja, ein bisschen schon. Aber vor allem empfinde ich es als riesige Ehre. Sean Simpson hat mit uns beiden diskutiert und uns seine Beweggründe erklärt. Dass wir uns als Mannschaft schon finden müssen, bevor die NHL-Spieler dazustossen. Und dass ich vom letzten Jahr her schon mehr Spieler im Team kenne und er gerne so weiterfahren würde wie in Stockholm. Ich finde es sehr schön, wie Mark darauf reagiert hat. Er zeigte sehr viel Verständnis, sagte, das sei für ihn okay so. Und schliesslich haben wir alle das gleiche Ziel: Wir wollen Erfolg haben in Sotschi. Es ist gut, dass diese Frage nun geklärt ist. Und wichtig ist auch zu sagen: Es ist ja nicht so, dass eine Mannschaft einfach nur von einem Captain geführt wird. Es gibt immer mehrere Figuren, die den Lead übernehmen. Auf der Kaderliste haben wir sehr viele Jungs, die ihren Teil dazu beitragen werden. Ich bin einfach derjenige, der auf dem Eis das «C» trägt. Und natürlich bin ich froh, dass ich Mark an meiner Seite haben werde.

Sie haben sich mit Streit über die Captainfrage unterhalten?
Ja, natürlich haben wir miteinander telefoniert. Mark und ich sind einen langen Weg zusammen gegangen, er ist ein sehr guter Freund. Und meine Einschätzung, dass er Captain sein werde, beruhte auch darauf, dass ich in ihm ein Vorbild sehe. Ich erlebte, wie er in der Nationalmannschaft 2004 erstmals Captain wurde. Für mich war es wie eingebrannt, dass er immer der Captain ist. Aber mir leuchtet ein, dass Simpson schon zu Beginn der Olympiavorbereitung seinen Captain haben will und nicht erst zwei Tage vor Turnierstart.

Als Captain haben Sie in Sotschi die nicht einfache Aufgabe, die acht Spieler, die in der Vorbereitung Platzhalter für die NHL-Cracks sind, bei Laune zu halten. Wie gehen Sie dies an?
Es ist sicher eine sehr spezielle Situation, dass schon vorbestimmt ist, wer vor dem Turnierstart wieder nach Hause reisen muss. Aber es ist wichtig, dass sich auch die Spieler, die diesen Job übernehmen, ganz fürs Team aufopfern und versuchen, ihm in der Vorbereitung so gut wie möglich zu helfen. Auch diese acht Spieler werden eine wichtige Rolle dabei spielen, ob wir Erfolg haben oder Misserfolg. Und es ist unsere Aufgabe als Mannschaft, ihnen dieses Gefühl auch zu vermitteln.

Kann man den Geist von Stockholm nach Sotschi mitnehmen?
Es ist ein anderes Turnier, es sind andere Voraussetzungen, eine andere Mannschaft, ein ganz anderer Modus. Wichtig ist, dass wir das Selbstvertrauen von Stockholm mitnehmen. Das Wissen, dass wir auch grosse Nationen schlagen, ja gegen sie sogar die Spiele dominieren können. Dass wir das bewiesen haben, war ein wichtiger Schritt in der Entwicklung des Schweizer Eishockeys.

Was ist Ihr bislang eindrücklichstes Erlebnis an Olympia?
Sicherlich der Sieg gegen Kanada in Turin (2006, ein 2:0). Aber das ist nun auch schon acht Jahre her. Das Schweizer Eishockey hat sich in dieser Zeit entwickelt. Wir sind näher an die Topnationen herangekommen. Wenn wir diesmal Kanada schlagen würden, wäre es nicht mehr eine so grosse Sensation wie in Turin. Aber wir dürfen uns nicht nur auf die Grossen konzentrieren. Die Spiele, die wohl entscheiden, ob wir es in den Viertelfinal schaffen, werden jene sein gegen Gegner auf Augenhöhe.

Es wären Ihre bereits vierten Olympischen Spiele...
...wären, ja.

Haben Sie Angst, sich noch zu verletzen?
Na ja, ich trage nun einen Helm zum Velofahren. (lacht)

Erstellt: 07.01.2014, 10:42 Uhr

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