«Ich will mich nicht vom Alter einschränken lassen»

SCB-Captain Martin Plüss ist 40 und siebenfacher Meister. Doch er hat noch nicht genug. Was sagt er, wenn der Nationalcoach anruft?

Lohn für die Beharrlichkeit: Evergreen Martin Plüss stemmt den Meisterpokal.

Lohn für die Beharrlichkeit: Evergreen Martin Plüss stemmt den Meisterpokal. Bild: Keystone

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Als erstes Team seit 16 Jahren verteidigte der SC Bern den Titel. War dieser SCB noch besser als jener von letzter Saison?
Ich vergleiche nicht gerne Teams. Aber ich glaube schon, dass wir dieses Jahr spielerisch stärker waren. Das sahen wir auch in der Champions League, wo wir auch international Akzente setzen konnten. Wir waren sehr variantenreich. Eine Titelverteidigung ist in dieser ausgeglichenen Liga sehr schwierig. Man muss im zweiten Jahr besser sein als im ersten. Das schafften wir.

Als es im Final plötzlich 2:2 stand, reagierte der SCB imposant. Woher kam das?
Wir sind mental stark. Und natürlich kam uns unsere Erfahrung zugute. Das dritte Spiel hatten wir eigentlich von A bis Z unter Kontrolle, in neun von zehn Fällen gewinnen wir es, und dann steht es 3:0. Im fünften und sechsten Spiel schossen wir gleich zu Beginn das erste Tor, dann führte das eine zum anderen. Und ich hatte dann auch das Gefühl, dass die Zuger von der Energie her nicht mehr auf dem gleichen Level waren wie wir.

Der SCB scheint so gut aufgestellt, dass an der Spitze so bald keine Trendwende abzusehen ist. Einverstanden?
Mit solchen Aussagen würde ich vorsichtig sein. Ich weiss, wie viel Arbeit dahintersteckt. Ich war auch schon Meister und spielte im folgenden Jahr im Playout. Die Dinge können sich schnell ändern. Diese Saison war eindrücklich. Aber es beginnt immer wieder bei null. Das muss man sich bewusst sein. Vor kühnen Prognosen würde ich momentan Abstand halten.

Es war Ihr vierter Titel mit dem SCB und Ihr siebter insgesamt. Wie stufen Sie ihn emotionell ein im Vergleich mit den anderen?
Er ist sicher speziell wegen meiner Situation (er verlässt den SCB). Was mir gefiel, war die Art und Weise, wie wir spielten. Wir machten etwas mit dem Puck, spielten konstruktiv. Und wir waren taktisch clever. Es war eines der besten Teams, in denen ich gespielt habe. Auch der Titel mit Västra Frölunda (2005) war aussergewöhnlich, wegen des NHL-Lockouts.

Welche Rolle spielte Headcoach Kari Jalonen?
Man sollte nicht nur ihn erwähnen, sondern auch Ville Peltonen und Samuel Tilkanen (seine Assistenten). Sie haben wirklich den Durchblick. Zusammen mit Antti Törmänen sind diese Trainer die besten, die ich in Bern erlebt habe.

Wissen Sie schon, was Ihre Zukunft bringt?
Es war nicht einfach, dass die Verhandlungen mit dem SCB nicht zum Erfolg führten. Danach war für mich klar, dass ich selber bis zum Saisonende nichts mehr aktiv unternehme, mich aufs Eishockey konzentriere. Jetzt lasse ich einmal alles setzen und schaue dann, was meine Möglichkeiten sind.

Aber dass Sie trotzdem noch bleiben in Bern, ist unmöglich?
Ich weiss nicht, was sich verändert haben sollte. Es gab Gründe, wieso ich mich (im Februar) entschied, den SCB zu verlassen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Verspüren Sie Wehmut, weil es auch ein Abschied ist?
Die kommt sicher noch. Es gefiel mir sehr gut, wir hatten ein fantastisches Team, eine hervorragende Atmosphäre in der Kabine. Ich versuchte, die Gedanken an den Abschied von mir wegzustossen, mich ganz auf den Moment zu konzentrieren und es so richtig zu geniessen. Aber klar verspürt man Wehmut, wenn man einen Ort verlässt, an dem es einem gut gefallen hat.

Sie haben wirklich noch gar keine Gespräche geführt mit anderen Clubs?
Wirklich nicht. Ich sagte, ich rede erst nach der Saison.

Mit 40 spielten Sie beim SCB immer noch eine prägende Rolle. Wie machen Sie das?
Ich bewege mich nicht gerne in Normen. Ich fühle mich nicht wie 40. Jeden Sommer trainiere ich, um mindestens gleich fit zu sein wie im Jahr zuvor. Ich will mich nicht vom Alter einschränken lassen. Ich fühlte mich ausgezeichnet während der ganzen Saison, es war eine meiner besten. Aber ich arbeite auch sehr hart dafür.

Wenn Patrick Fischer Sie anruft und fürs Nationalteam aufbietet, sagen Sie zu?
Zuerst müsste er mich anrufen. Dann müsste ich Stellung nehmen. Jetzt kann ich noch nichts dazu sagen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2017, 09:40 Uhr

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