«Im Final herrscht Funkstille»

Roman Josi ist ein Grund, dass es Nashville erstmals in den Stanley-Cup-Final geschafft hat. Nun müssen die Aussenseiter gegen Titelverteidiger Pittsburgh ein 0:2 aufholen.

Unter Beobachtung: Roman Josi kann als erster Schweizer Feldspieler den Stanley-Cup gewinnen. Foto: Bruce Bennett (Getty Images)

Unter Beobachtung: Roman Josi kann als erster Schweizer Feldspieler den Stanley-Cup gewinnen. Foto: Bruce Bennett (Getty Images)

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In den ersten zwei Finalpartien hat die beste Offensive des Playoffs gegen die stabilste Abwehr neun Tore geschossen, Pittsburgh führt 2:0. Wo liegen die Gründe?
Es ist sicher nicht der Stand, den wir uns gewünscht haben. Wir haben zweimal an sich gut gespielt, beim 1:4 zuletzt zwei Drittel lang eine gute Leistung gezeigt, aber im dritten dann ein paar Fehler gemacht. Und Pittsburgh ist natürlich stets extrem gefährlich und nützt das aus.

Nashville war zuvor in keiner ­Playoffserie in Rückstand, hatte nie zweimal in Folge verloren. Wie gehen Sie mit der neuen Lage um?
Wir müssen positiv und unserem System treu bleiben. Ich glaube, wir haben ­immer noch viel Selbstvertrauen im Team. Es klingt nach einer Plattitüde: Aber wir müssen diese Spiele einfach ­abhaken und nach vorne schauen.

Im Kader von Pittsburgh steht mit Mark Streit der Schweizer NHL-Pionier. Als er 2005 in der NHL debütierte, waren Sie 15. Welchen Einfluss hatte er auf Ihre Karriere?
Einen sehr grossen. Ich weiss nicht mehr genau, wie alt ich war, als ich ihn kennen lernte – ich glaube, 19. Als ich nach Nordamerika ging, hatten wir im Sommer zusammen trainiert. Für mich als jungen Spieler war es sehr wichtig zu sehen, wie hart ein älterer Profi wie er arbeitet. Mark war immer ein grosses Vorbild für mich, er hat mir sehr viel ­geholfen.

Welche Beziehung haben Sie heute zu ihm – gerade jetzt, im Final?
Wir sind sehr gute Freunde – im Moment natürlich gerade nicht (lacht). Während des Finals herrscht selbstverständlich Funkstille. Aber wir werden trotzdem wie in den Vorjahren im Sommer wieder zusammen trainieren.

Zur Trainingsgruppe gehört auch Yannick Weber. Drei Berner im Stanley-Cup-Final. Was sagt das über das Berner Eishockey?
In Bern wird im Nachwuchs extrem gut gearbeitet. Auch heute. Ich habe alle Stationen dort durch­laufen, hatte sehr viele gute Coaches.

Was würde es Ihnen bedeuten, als erster Schweizer Feldspieler – neben Weber und dem verletzten Kevin Fiala – den Stanley-Cup zu gewinnen?
Das wäre natürlich ein Traum, der in ­Erfüllung ginge. Ich glaube, jeder, der Eishockey spielt, möchte irgendwann einmal den Stanley-Cup gewinnen.

Ein wichtiger Schritt dazu wäre, Pittsburghs Sidney Crosby zu stoppen. Ist das für einen Verteidiger die schwierigstmögliche Aufgabe?
Er ist derzeit der beste Eishockeyspieler der Welt und einer der Besten je. Einfach extrem gut. Du musst bei jedem Einsatz gegen ihn 100 Prozent bereit sein, denn er ist jederzeit gefährlich.

Ihr Bruder sagte, Sie seien dieser Tage noch fokussierter als sonst. ­Machen Sie etwas Spezielles?
Ich glaube, alle sind extrem fokussiert. Für mich persönlich zählt im Moment natürlich nur das Eishockey. Und deshalb versuche ich, abseits von Spiel und Training viel Erholung und Ruhe zu ­haben, sodass ich möglichst bereit bin für die Matches. Ich mache nichts Besonderes, versuche, mich genau gleich auf die Spiele vorzubereiten wie sonst. Ich spiele fast jeden zweiten Tag. Da ist es einfach wichtig, dass ich viel Schlaf und Erholung habe.

Man hat bei Ihnen das Gefühl, alles falle Ihnen leicht. Stimmt das?
Also ich denke nicht, dass alles einfach ist. Vor allem jetzt nicht, im Playoff – und schon gar nicht im Final. Es ist ein sehr schnelles Spiel, und du musst jederzeit restlos bereit sein. Vielleicht sieht es von aussen ein wenig leicht aus. Ich ­versuche natürlich, ruhig und mit viel Geduld zu spielen. Aber ich muss in ­jedem Einsatz hart kämpfen.

«Egal was für ein Spiel – ich will immer gewinnen.»Roman Josi

Woher kommt Ihre Souveränität auf dem Eis?
Je mehr Partien ich in der NHL spiele, desto mehr Erfahrung habe ich. Jede Partie ist eine wertvolle Lektion – speziell im Playoff, wo es natürlich noch einmal ein anderes Spiel ist. Je mehr ­dieser Partien ich mache, desto vertrauter wird alles. Ich habe dann verschiedene Situationen schon erlebt und ­versuche, eben aufgrund meiner Erfahrungen das Beste zu machen.

Woran mussten Sie bei Ihrem Spiel am härtesten arbeiten?
Es waren viele kleine Sachen. Als ich nach Nordamerika gekommen bin, habe ich gelernt, dass ein Verteidiger hier viele Dinge anders machen muss – ­wegen des kleinen Eisfeldes. Mit dem Stock zu arbeiten und auch physisch zu spielen, da hatte ich sicherlich viel ­Verbesserungspotenzial.

Was kann Sie ausserhalb des Eisfelds aus der Ruhe bringen?
(überlegt) Was bringt mich aus der Ruhe . . . Also ich bin auch neben dem Eis ein ruhiger Typ. Mich bringt man nicht so schnell auf die Palme. Aber ich bin sehr ehrgeizig. Wenn ich mit meinen Kollegen ein Spiel spiele und nicht gewinne, kann ich schon ein wenig hässig werden. Egal was für ein Spiel – ich will immer gewinnen.

Sie verteidigten lange mit Nashvilles Starspieler Shea Weber. Diese Saison ist P. K. Subban Ihr Abwehrpartner. Wie kamen Sie mit dieser ­Umstellung zurecht?
Es sind sicher unterschiedliche Typen. Ich habe sehr lange mit Shea gespielt, er war ein sehr guter Freund, ein unglaublicher Spieler, eine unglaubliche Persönlichkeit in der Garderobe. Er war unser Leader. Und P. K. ist ein lustiger Kerl, hat extrem viel Energie. Bei Ihren Heimspielen sieht man weit mehr Subban- als Josi-Trikots. Sie aber spielen fast immer länger als er. Gibt es etwas Konkurrenz zwischen Ihnen?
Nein. Überhaupt nicht. Wir haben ­zusammen ein Ziel. Das ist der Stanley- Cup. Und deshalb gibt es keinerlei ­Konkurrenzkampf.

Sie spielen seit fast sieben Wochen Playoff. Was ist anstrengender: die körperliche oder die mentale Belastung?
Das Mentale ist sicher ein grosser Teil. Jedes Spiel ist mit extrem vielen Emotionen verbunden.

Haben Sie schon einmal etwas Vergleichbares erlebt?
Nein. Speziell im Playoff – es gibt vier Runden, und du gehst durch so viele Hochs und Tiefs. Du musst einfach versuchen, immer auf dem gleichen Level zu bleiben. Nach einer Niederlage nicht zu tief zu fallen und nach einem Sieg nicht zu hoch zu fliegen. Es gibt enorm viele Hochs und Tiefs – aber das ist auch das, was es so schön macht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.06.2017, 00:12 Uhr

2. Match

Glücklose Predators

Nashville war im zweiten Finalspiel in fast allen Belangen besser: Es hatte mehr ­Torschüsse (38:27), mehr Checks (41:35)
und gewann mehr Bullys (44:33). Doch die entscheidende Kategorie entschied erneut Pittsburgh für sich: jene der Tore. Mit einem 4:1-Heimsieg stellte es auf 2:0, wieder waren Neuling Guentzel (Tore zum 1:1 und 2:1) und Goalie Murray (37 Paraden) die entscheidenden Figuren. Streit hat nach der Rückkehr von Schultz derzeit keinen Platz im Team. Spiel 3 steigt in der Nacht auf Sonntag (MEZ) in Nashville. Die Statistik gibt den glücklosen Predators wenig Hoffnung: 34 von 37 Teams holten nach einem 2:0 den Stanley-Cup. (sg.)

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