Im Langnauer Dorftheater

Die ZSC Lions geben bei den SCL Tigers ein 3:0 aus den Händen und gewinnen doch noch. Cunti wird zur tragischen Figur, Nilsson zum Helden.

Da sah alles nach einem geruhsamen Abend aus: Pestoni (links) bejubelt sein 3:0.

Da sah alles nach einem geruhsamen Abend aus: Pestoni (links) bejubelt sein 3:0. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das hatten sich die ZSC Lions alles ganz anders vorgestellt. Drei Tage nach dem erbitterten Kampf in der Champions League und einem 0:0 gegen Växjö dachten sie wohl, sie könnten in Langnau in Ruhe drei Punkte holen – so selbstverständlich wie der morgendliche Gang zum Briefkasten. Immerhin hatten sie im Emmental zuletzt 15 von 17 Partien und 5 in Folge gewonnen.

Stattdessen wurde es ein Abend, der die Mischung eines dramatischen Theaterstücks bot: verschossene Penaltys, umstrittene Strafen, Ausfall, Coach’s Challenge, ein tragischer Aussortierter und ein ­Geniestreich des Helden zum Abschluss. Denn Nilsson sorgte mit einem wunderbaren Backhand-Schuss 95 Sekunden vor der Schlusssirene doch noch für den eingeplanten ZSC-Erfolg.

Bis es zu diesem 4:3 kam, wurde das Zürcher Nervenkostüm allerdings arg strapaziert. Besonders jenes von Cunti. Im ersten Spiel nach der Ankündigung seines Transfers zu Lugano kam der Center zu mehr Auslauf als gedacht. Erst recht, als Shannon nach der ersten Pause in der Garderobe blieb – er war nach 8 Minuten kopfvoran in die Bande gedonnert.

Cunti war sichtlich bemüht, mehr Intensität in seinem Spiel zu entwickeln. Aber er blieb im Abschluss glücklos. Und als er dann endlich traf, zählte das Tor nicht: Künzle, ein anderer Gescholtener dieses Winters, hatte ihn bei einem Konter ideal freigespielt. Doch Cunti war zu früh ins gegnerische Drittel gefahren. Langnau-Coach Ehlers hatte das gesehen und den Videobeweis angefordert. Er bekam recht, erst zum zweiten Mal nach dem Versuch von Berns Jalonen war eine Coach’s Challenge erfolgreich.

Cunti: «Ich wünsche mir Klarheit»

«Ich hatte es gespürt», sagte Cunti resigniert, «wenn so viel Negativität in der Luft ist, passieren eben solche Dinge.» Statt 4:2 hiess es bald 3:3. Die Lions ­hatten leichtfertig ein 3:0 preisgegeben, weil sie nicht mehr mit letzter Konsequenz und Konzentration verteidigten. Und weil sie sich im Schlussdrittel zu viele Strafen einhandelten.

Cunti erlebte in jener Phase erneut, auf welcher Hierarchiestufe die schwedischen Trainer ihn derzeit sehen: Als Kenins eine Disziplinarstrafe kassierte, war er derjenige, der sie absitzen musste. Angesprochen darauf, ob er sich in Anbetracht seiner Situation auch einen vorzeitigen Wechsel ins Tessin vorstellen könnte, sagte er: «Ich wünsche mir Klarheit. Ich versuche mich über die Leistung zu definieren, doch das ist schwierig, wenn ich nicht spiele. Ich sehe mich in der Mannschaft, und ­solange ich spiele, werde ich alles tun, damit sie Erfolg hat. Wenn man mich braucht: gut. Wenn nicht . . .» Das sind nicht Sätze, die darauf hindeuten, dass Cunti die Saison in Zürich beendet.

Auch ein anderer könnte die ZSC Lions im Sommer verlassen: Gegen Langnau ­hütete Schlegel zum 10. Mal das Tor – und baute nach starken Paraden zu Beginn wie seine Vorderleute kontinuierlich ab. Offenbar hat die ­Nummer 2 ein Angebot aus Kloten. Der ZSC wartet auf ein Zeichen, wie er seine Zukunft sieht. Falls er weiterzieht, würden Guntern (21) oder Zürrer (20) aus der Lions-Organisation nachrutschen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.12.2016, 23:16 Uhr

Artikel zum Thema

Ein ZSC-Star für Lugano

Die Wege der ZSC Lions und von Luca Cunti trennen sich. Der 27-jährige Stürmer wechselt auf die kommende Saison für zwei Jahre zum HC Lugano. Mehr...

Schach statt Eishockey im Hallenstadion

Die ZSC Lions können Växjö im torlosen Viertelfinal-Hinspiel der Champions League nicht ihr Tempo aufzwingen. Coach Wallson sieht viel Raum zur Steigerung. Mehr...

Zwei Zähne verloren, drei Punkte gewonnen

Die ZSC Lions schlagen Kloten in einem temporeichen und zuletzt gehässigen Derby 4:2. Trotz 50:15 Schüssen müssen sie noch zittern. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Geldblog So streng ist der PK-Vorbezug limitiert

Outdoor Bremst du noch oder stehst du schon?

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Eingewickelt in Bananenblätter: Ein «Schlammmensch» nimmt auf den Philippinen am Taong Putik Festival teil. (24. Juni 2019)
(Bild: Ezra Acayan) Mehr...