Jonas Siegenthalers Weg in die NHL scheint vorgezeichnet

Der 17-Jährige verblüfft bei den ZSC Lions mit seiner Abgeklärtheit.

Jonas Siegenthaler hat sich schnell ins Herz von ZSC-Coach Marc Crawford gespielt. Foto: Markus Rütschi (EQ)

Jonas Siegenthaler hat sich schnell ins Herz von ZSC-Coach Marc Crawford gespielt. Foto: Markus Rütschi (EQ)

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Er sammelt dieser Tage ständig neue ­Erfahrungen. Am Samstag spielte Jonas Siegenthaler mit den ZSC Lions erstmals in Genf. «Der mühsamste Gegner bisher», resümierte er nach dem 2:3 in Overtime. «Sie laufen viel, spielen intensiv und hart.» Nicht dass man das Gefühl hätte, er liesse sich gross davon beeindrucken. Wer es nicht weiss, würde nicht vermuten, dass er erst 17 ist. Körperlich gemahnt er mit seinen 1,89 Metern und 99 Kilos sowieso eher an einen Mann als an einen Teenager, doch auch spielerisch wirkt er erstaunlich abgeklärt. Er bewahrt meistens die Übersicht, gerät selten in Stress. Und er weiss seine körperlichen Vorzüge einzusetzen.

Der rasante Aufstieg

Mit seiner Grösse und seiner stattlichen Statur erinnert Siegenthaler an Sportchef Edgar Salis. Doch der winkt ab: «Er ist mit 17 schon zehnmal weiter als ich damals.» Der jüngste NLA-Crack hat sich auch schnell ins Herz von Coach Marc Crawford gespielt. Der Kanadier tut sich weitaus schwerer, junge Verteidiger einzubauen als Stürmer, doch bei Siegenthaler machte er eine Ausnahme. Er habe gedacht, dass er anfangs ein paar vereinzelte Einsätze erhalte, sagt dieser. Nun ist er schon Stammverteidiger. Sein Aufstieg ist rasant: Mit 15 spielte er bei den Elitejunioren, mit 16 in der National League B, mit 17 nun in der NLA. Und wenn es nach ihm gehen soll, ist die NHL der nächste Schritt.

Viele reden von der NHL, doch bei Siegenthaler ist sie, wenn seine Entwicklung so weitergeht, ein realistisches Ziel. An der U-20-WM in Toronto in der Alt­jahreswoche werden viele Augen auf ihn gerichtet sein, im Frühjahr 2015 dürfte er im NHL-Draft gezogen werden. Für die ZSC Lions ist es paradox: Je mehr sie ­Siegenthaler fördern, desto grösser ist die Chance, dass sie ihn verlieren. Wobei sie einen Erfolg verzeichneten, als sie ihn davon überzeugen konnten, für diese Saison Zürich den kanadischen ­Juniorenligen vorzuziehen. «Kanada ist sicher ein ­gutes Erlebnis», sagt er. «Aber wenn man hier in der Nationalliga A spielen kann, lernt man viel mehr. Das Niveau ist hier deutlich höher.»

Die ZSC Lions haben nun gute Aussichten, dass er zumindest bis 2016 bei ihnen bleibt. Denn sollte er es nächstes Jahr nicht auf Anhieb in die NHL schaffen, wovon auszugehen ist, könnte er in Übersee nur bei den Junioren spielen. Und das wäre für ihn ein Rückschritt. Bis im Frühling absolvierte er noch eine Sportler-KV-Lehre, seitdem ist er Profi. «Beides zusammen ging nicht mehr», sagt er. An spielfreien ­Tagen trainiert er zweimal, unter anderem mit einer Powerskating-Trainerin. Inzwischen nimmt er Englischunterricht, «damit das Gehirn fit bleibt», wie er sagt. «Wenn sich nur alles ums Eishockey dreht, ist das nicht gut.»

Videos für Verwandte in Thailand

Trotz seiner Masse sei Siegenthaler kein klassischer Abräumer, sagt Salis. Sondern eher ein Allrounder, der auch ­spielerisch Akzente setzen könne. Sein Schweizer Vorbild ist denn auch Roman Josi; am meisten imponiert ihm Drew Doughty, der überragende Verteidiger des letzten NHL-Playoffs.

Die Grösse hat Siegenthaler von ­seinem Vater, den er nun überholt hat. Seine Mutter stammt aus Thailand. «Meine Eltern haben dort ein Haus ­gekauft und gehen pro Jahr ein-, zweimal hin. Ich habe nicht so viel Zeit, lasse mich etwa jedes dritte Jahr dort ­blicken. Aber ich habe einen guten Kontakt zu meinen Verwandten.» Er zeigte ihnen auch schon Videos, um ihnen zu veranschaulichen, wie der Sport aussieht, der seine Leidenschaft ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.09.2014, 00:27 Uhr

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