Kein Sechseläutenmarsch

Passive ZSC Lions verlieren in der Resega 0:3 und lancieren den HC Lugano in der Finalserie – das kann heikel werden.

Lebenszeichen der Tessiner: Die Tore fallen nur für die Luganesi. (Video: SRF/Tamedia)

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Der Sechseläutenmarsch wurde gestern nur am Zürcher Bellevue angestimmt und nicht in Lugano. Seit letzter Saison wird die inoffizielle Hymne Zürichs in der ZSC-Kabine nach Siegen abgespielt. Doch in der Resega gab es dazu keinen Anlass. Denn so schnell wie der Böögg ist dieses Lugano nicht ­kleinzukriegen.

Am Samstag hatten die Tessiner im Hallenstadion ein bitteres 4:5 in Overtime eingesteckt, 46 Stunden später ­präsentierten sie sich in neuer Frische – und verkürzten mit einem 3:0-Heimsieg auf 1:2 in dieser Finalserie. Dabei profitierten sie von der schwächsten ZSC-Leistung seit längerem, seit Spiel 1 im Viertelfinal gegen Zug (1:4).

Die falsche Taktik

Den Zürchern passierte in der Resega, mit der Chance vor Augen, sich drei Meisterpucks zu verschaffen, genau das, ­wovor Finalbeobachter Kent Ruhnke ­gewarnt hatte: Sie stiegen zu passiv in dieses Spiel. So, als wollten sie zuerst einmal abwarten und sehen, was ­Lugano zu bieten habe. Die Tessiner wirkten anfänglich zwar noch verunsichert, und Suter (12.) verpasste die gute Möglichkeit aufs Führungstor, als er ­alleine vor Merzlikins an den Pfosten statt ins Tor traf.

Die erste Strafe, gepfiffen gegen Künzle wegen Stockhaltens, brachte die Luganesi dann auf Kurs: Der ZSC-Stürmer eilte bereits zurück von der Strafbank, als Sannitz (19.) nach schönem ­Zuspiel Hofmanns zum 1:0 traf.

Der erste Treffer: Raffaele Sannitz leitet die Niederlage der Löwen ein. (Video: SRF/Tamedia)

Kossmanns Weckruf verpuffte

Dieses Tor gab die Richtung vor. Die Zürcher wirkten verunsichert und liessen die Konsequenz vermissen, die sie bisher in diesem Playoff ausgezeichnet hatte. Ein Missverständnis zwischen Marti und Chris Baltisberger führte zum Puckverlust, den der davonstürmende Bertaggia in der 23. Minute zum 2:0 nützte. Und auch der Weckruf Hans Kossmanns, der wie in Spiel 5 in Bern nach dem 1:4 seine Linien wild durch­einanderwirbelte, um ­Leben ins Spiel ­seiner Lions zu bringen, verpuffte wirkungslos. Das 3:0 Hofmanns (45.) war dann schon die Entscheidung in einem verblüffend ein­seitigen Spiel, in dem auch die letzten verzweifelten ­Zürcher Versuche, wenigstens ein Tor zu schiessen, zu nichts mehr ­führten.

Erstmals in diesem Playoff blieben sie torlos, und Kossmann dürfte sich auf der Heimfahrt überlegt haben, ob er mit seinen Änderungen in der Aufstellung die richtigen Reize gesetzt hatte. Obschon Shore am Samstag ein starkes Spiel ­gezeigt und ein Tor und drei Punkte ­geskort hatte, musste er wieder dem ­defensiver orientierten Pelletier weichen. Der mag zwar sehr gewissenhaft sein, doch ihm fehlt schlicht der Speed, um im Angriff etwas zu bewirken.

Die zweite Änderung war, dass ­Seger für den jungen Berni ins Team rückte – und der Teamsenior hatte bei seiner ­Finalpremiere Mühe mit dem Tempo, stand bei zwei Gegentoren auf dem Eis. Die gute Nachricht für Kossmann ist, dass er schon morgen Mittwoch die ­Gelegenheit hat, die Karten neu zu ­mischen. Es würde erstaunen, würde er nicht wieder Shore ins Spiel bringen.

Unberechenbares Lugano

Es ist bisher eine seltsame Finalserie, was wohl auch damit zusammenhängt, dass Lugano unberechenbarer ist als der SCB, der zwar immer eine gute Intensität aufs Eis brachte, aber wenig Über­raschungsmomente. Es ist schwer zu ­sagen, was die Bianconeri als Nächstes bieten. Können sie im Hallenstadion im vierten Spiel innert sieben Tagen an ihre Leistung vom Montag anknüpfen? Oder zollen sie dem hohen Rhythmus Tribut?

Die ZSC Lions sind gut beraten, zuerst einmal für sich zu schauen. Ihr bestes Eishockey haben sie in diesem Final noch nicht gezeigt. Und das brauchen sie am Mittwoch, um das Momentum wieder auf ihre Seite zu zerren.

Lugano - ZSC Lions 3:0 (1:0, 1:0, 1:0) (Stand: 1:2) 7200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Stricker/Urban, Wüst/Fluri. - Tore: 19. Sannitz (Hofmann) 1:0. 23. Bertaggia (Morini) 2:0. 45. Hofmann (Lajunen) 3:0. - Strafen: je 3mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Lapierre; Pettersson.
Lugano: Merzlikins; Johnston, Furrer; Sanguinetti, Vauclair; Ulmer, Wellinger; Riva; Walker, Sannitz, Reuille; Lapierre, Lajunen, Hofmann; Vedova, Morini, Romanenghi; Fazzini, Cunti, Bertaggia; Zorin.
ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Guerra, Marti; Sutter, Geering; Seger; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Pettersson, Pelletier, Korpikoski; Wick, Suter, Kenins; Miranda, Prassl, Künzle; Pestoni.
Bemerkungen: Lugano ohne Ronchetti, Chiesa, Bürgler, Brunner (alle verletzt), Etem, Klasen (beide überzählig), ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson, Sjögren, Vey (alle verletzt), Berni, Bachofner, Shore, Karrer, Hinterkircher (alle überzählig). 12. Pfostenschuss von Suter.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.04.2018, 23:39 Uhr

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