Kloten Flyers: Die Fragezeichen nach der Übernahme

Die kanadischen Investoren müssen sich zahlreicher Baustellen annehmen. Sind sie sich allen bewusst?

Verkaufte die Kloten Flyers für 1 Franken nach Kanada: 
Philippe Gaydoul. Foto: Keystone

Verkaufte die Kloten Flyers für 1 Franken nach Kanada: Philippe Gaydoul. Foto: Keystone

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Kader: Seit 2012 wurde das Team ­immer älter und schoss jedes Jahr weniger Tore. Die Verjüngung wurde mit den Transfers von Boltshauser (21), Büsser (20), Wieser (20) und jüngst Obrist (22) vorangetrieben. Doch wer schiesst die Tore? Am Donnerstag verpflichteten die Flyers den Amerikaner Chad Kolarik (29), der 2014 in Schweden Torschützenkönig wurde und zuletzt für Omsk in der KHL stürmte. Gesetzt ist bei den Ausländern auch Santala. Sean Simpson will noch einen weiteren Stürmer und einen ­Verteidiger engagieren. Die Investoren versprachen, viel Geld zu sprechen.

Machtmenschen: Als Trainer und Sportchef amtete Simpson schon zuvor im Doppelmandat, der Besitzerwechsel stärkt seine Position nun noch mehr – der Kanadier Simpson ist der Statthalter der Kanadier von Avenir Sports Entertainment (ASE). Eine heikle Machtfülle. ­Derweil bleibt Philippe Gaydoul im ­Verwaltungsrat. Doch er ist keiner, der einfach nur dabei ist. Mitgestalten kann er nicht mehr, aber mitverwalten scheint er sein Erbe dennoch zu wollen.

Jugendförderung: Auf den Nachwuchs setzen will auch die neue Führung. Aber wie umsetzen und mit wem als treibende Kraft? Und vor allem: über welchen Zeitraum? Die Rückkehr zu ­einer starken Nachwuchsbewegung braucht Zeit. Und mit welchen Argumenten will man Interessenten locken?

Stadionsituation: Nach dem Fastkollaps gewährte die Stadt eine Reduktion bei der Stadionmiete. Für die nächste Saison müssen die Flyers nun wieder den vollen Betrag bezahlen. Dem Club ­gehören weder seine Heimstätte, die seit gestern Swiss Arena heisst, noch die Rechte an der Gastronomie. Ausserdem gibt es in Kloten zu wenig Eis für alle Mannschaften. Das Aussenfeld müsste überdacht und das darunterliegende Parkhaus dringend renoviert werden – hier herrscht akuter Investitionsbedarf. Und die VIP-Kapazitäten im ­Stadion sind mehr oder weniger aus­geschöpft. Das ist keine Situation, um profitabel zu wirtschaften.

Finanzen: Für die abgelaufene Saison beträgt das Defizit wohl über 8 Millionen Franken, unter 5 Millionen schaffte es Vorgänger Gaydoul nur im ersten Betriebsjahr, danach ­betrug es 6 Millionen. Für 2015/16 ist das Budget bereits gemacht, es dürfte mit einem Verlust von 5 Millionen Franken kalkuliert werden – falls ausserplanmässige Ausgaben wie diese Saison (Trainerwechsel, Transfer von Peter Mueller) wegfallen und die Marketingeinnahmen steigen. Wie lange wollen sich die Kanadier solche Fehl­beträge leisten? Haben sie die Geduld?

Identifikationsproblem: Der Kontrast zwischen Stadt, Gewerbe und Milliardär Gaydoul war zuvor schon gross – wie gross wird der kulturelle Graben erst zu einer milliardenschweren Investmentgruppe, die das Unternehmen aus dem fernen Kanada lenken will? Die Flyers sind nach wie vor auf der Suche nach ­einer Identität: Wofür wollen sie stehen? Für einen starken Nachwuchs? Für ­schönes, spielerisches Eishockey? Für sportlichen Erfolg? Für Finanzkraft?

Vorbild Portland: Die Investoren erwähnten immer wieder den Aufschwung, den sie mit dem Juniorenteam in ­Portland schafften. Doch der Vergleich ist trügerisch, weil die Spieler im einen Fall keinen Lohn erhalten, im andern aber den Grossteil des Budgets verschlingen. Wissen die Kanadier wirklich, worauf sie sich eingelassen haben? Aussagen wie, es gebe keinen Grund, dass nicht ­jedes Heimspiel ausverkauft sei, deuten in eine andere Richtung. In der Event­region Zürich mit zahlreicher Konkurrenz ist ein solches Ziel realitätsfremd.

Erstellt: 01.05.2015, 23:53 Uhr

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