Kloten verklagt Ex-Verwaltungsrat Spadaro

Romano Spadaro portierte 2010 den Deutschen Volker Flick als neuen Investor für den Zürcher Eishockey-Klub, gemeinsam zeichneten sie Aktien in Millionenhöhe. Doch bis heute erfolgten keine Zahlungen.

Kloten klagt Ex-GC-Fussballpräsident Romano Spadaro an.

Kloten klagt Ex-GC-Fussballpräsident Romano Spadaro an. Bild: Keystone

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Letzten Dezember schied Romano Spadaro aus dem Verwaltungsrat der Kloten Flyers aus – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Nun ist klar: Seine Verflechtungen mit dem deutschen Geschäftsmann Volker Flick kosteten ihn den Posten. Gemeinsam hatten die beiden Aktien im Wert von 1,225 Millionen Franken für eine Kapitalerhöhung gezeichnet, das Geld aber nicht überwiesen. Und weil das bis heute nicht geschehen ist, hat der Eishockey-Klub im März gegen Spadaro und Flick Klage eingereicht.

Hoffnung auf Befreiungsschlag

Rückblick: An der Generalversammlung im Juli 2009 hatte die EHC Kloten Sport AG eine Kapitalerhöhung um 1,5 Millionen Franken beschlossen. Sie sollte bis spätestens Ende April 2011 abgeschlossen sein. Gemäss «Blick» vom Montag präsentierte im Mai 2010 der damalige Verwaltungsrat Spadaro einen langjährigen Wegbegleiter als Geldgeber – Volker Flick. In den Ohren der Flyers klangen dessen Investitionsabsichten wie der erhoffte finanzielle Befreiungsschlag. Aber daraus wurde nichts.

Präsident Jürg Bircher weilt derzeit in den Ferien in den USA und hat seinen Verwaltungsratskollegen Jan Schibli mit der Angelegenheit betraut. Der Flyers-Vizepräsident dementiert die Aussage des «Blicks», dass ein Vorvertrag bestanden habe, der eine Übernahme eines Aktienanteils von Mehrheitsaktionär Bircher über die folgenden zwei Jahre geregelt hätte. «Das war ein Wunsch von Herrn Flick, dem wir nicht entsprachen», sagt Schibli. Auf Zahlungen wartete Kloten vergebens. Schibli erzählt: «Wir haben x-mal per Telefon und Mail nachgefragt. Es kam trotzdem kein Geld. Deshalb wuchs die Skepsis von Sitzung zu Sitzung.» Im November 2010 beauftragten die Flyers ihren Anwalt schliesslich, die Betreibungen von Spadaro und Flick einzuleiten. Und weil danach noch immer nichts geschah, reichte Kloten in diesem März beim Bezirksgericht Bülach Klage ein.

Flicks Projekte «unter Beschuss»

Spadaro sieht der Klage gelassen entgegen. «Bircher wird sie zurückziehen, sobald das Geld geflossen ist», sagt er und zweifelt offensichtlich nicht an der finanziellen Potenz seines Partners Flick. Dieser werde das Geld bald auftreiben. Flick erklärt: «Im Moment hat die Zahlung nicht geklappt, weil sich meine Projekte verzögern. Ich mache Energiegeschäfte – und die sind derzeit etwas unter Beschuss.»

Sobald die Fragen aber ins Detail gehen, sind sich Spadaro und Flick nicht einig, wer für die 1,225 Millionen aufkommen soll. Spadaro betont, dass Flick den Betrag alleine übernehme. Flick wiederum sagt: «In den nächsten Tagen werden wir uns treffen und klären, wer wie viel zahlt.»

Flick wehrt sich ausserdem gegen die Behauptung im «SonntagsBlick», dass er sich gegenüber Firmen als Angehöriger der schwerreichen deutschen Industriellenfamilie Flick aufspiele. Er habe sich als normaler Geschäftsmann vorgestellt, was die Flyers-Verantwortlichen bestätigen. Flicks Anwälte arbeiten derzeit an einer Klage gegen den Ringier-Konzern. «Eine derart krasse Verleumdung lasse ich mir nicht bieten», sagt Flick. «Meine Tochter traut sich kaum mehr in die Schule.»

Flick war gemäss Medienberichten vor zwei Jahren auch in einen Übernahme-Deal der AS Roma im Wert von 434 Millionen Franken verwickelt. Klotens CEO Roger Kuhn sagt über ihn: «Unser Anwalt hat nach einigen Recherchen rasch festgestellt, dass wir nicht mit einer Zahlung rechnen dürfen.» Trotzdem dauerte es fast ein halbes Jahr, ehe Kloten die Betreibung einleitete. «Ich glaube grundsätzlich ans Gute im Menschen. Wir hatten gehofft, dass es gut kommt», erklärt Präsident Bircher sein Zögern. Sein Stellvertreter Schibli sagt, für einen Sportklub sei es schwierig, Leute zu gewinnen, die Geld gäben. Und wenn die Chance dazu bestehe, wolle man sie nutzen. «Wir hatten einen verbindlichen Kaufvertrag und keinen Grund, an Herrn Spadaro zu zweifeln», sagt Schibli über den früheren GC-Präsidenten, der den Fussballklub 1999 mit einem Schuldenberg von 18 Millionen Franken verliess.

Kein Schaden für den Verein

Flicks Millionen wären in die diesjährige Rechnung der Flyers geflossen. Mit ihnen hätten sie das Catering im eigenen Stadion finanzieren können – ein langjähriges Ziel. Dass das Geld nun fehlt, bedeute für den Verein aber keinen Schaden, wie Vizepräsident Schibli sagt: «Der Betrieb ist gesund. Wir rechnen nicht mit diesem Geld.» Die Aktienkapitalerhöhung müsste nun eben durch andere Einnahmequellen gedeckt werden, zum Beispiel mit neuen Sponsoren. Und da zeigt sich Schibli erfreut: Durch die Erfolge in der abgelaufenen Saison hätten die Flyers 20 Prozent mehr Einnahmen in diesem Bereich verbucht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.04.2011, 08:29 Uhr

Romano Spadaro (Bild: PD)

Jürg Bircher (Bild: PD)

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