Klotens Krise im Schatten des Abwesenden

Im ersten Spiel ohne Tommi Santala fehlen dem EHC Durchschlagskraft und ­Ordnung. Das 0:4 gegen Fribourg bedeutet den Fall aus den Playoffrängen.

Missglückter Einstand: Kévin Hecquefeuille erlebte schon beim allerersten Einsatz das 0:2.

Missglückter Einstand: Kévin Hecquefeuille erlebte schon beim allerersten Einsatz das 0:2. Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone

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War da was? Das erste Spiel seit über acht Jahren, in dem Tommi Santala nicht im Klotener Kader stand, begann ähnlich wie viele zuvor in dieser Saison, als der Finne noch dabei war. Nach 93 Sekunden das 0:1, nach 125 das 0:2: Im 31. Match gerieten die Unterländer zum 11. Mal in den ersten drei Minuten in Rückstand. Und wie so oft zuletzt vermochten sie den Match danach nicht mehr zu wenden. Das 0:4 bedeutete ihre fünfte Niederlage in Folge und den Fall aus den Playoffrängen.

Dass der EHC Mal für Mal nicht bereit ist, wenn der erste Puck eingeworfen wird, das ist Besorgnis erregend, aber eben nicht neu. Ungewohnt und ominös war dafür, wie das Team danach nicht fähig war, eine Reaktion zu zeigen oder Ordnung in sein Spiel zu bringen. Mit aggressivem Forechecking setzte Gottéron die Zürcher früh unter Druck und provozierte so Fehler en masse.

Nicht zu vergessen: Die Freiburger hatten ebenso wenig Grund für Selbstvertrauen. Sie waren als Tabellenletzter und mit sechs Niederlagen in Serie angereist. Sie heuerten gerade einen Psychologen an, der aus Nordamerika Fernhilfe verspricht, sie holten mit Daniel Steiner einen 36-jährigen Hoffnungsträger. Und doch dominierten sie Kloten auf der ganzen Linie.

Die versiegte Offensivkraft

In allen drei Spielabschnitten verzeichnete das Team von Larry Huras mehr Torschüsse, und Conz stoppte, was die Blauen auf sein Tor brachten. Von Hollensteins Penalty (32.) bis zu Shores Abschlussversuchen aus allen ­Lagen.

Der Amerikaner gab sich Mühe, Santala vergessen zu machen. Er ersetzte den Finnen im ersten Sturm mit Hollenstein und Praplan auch mehr oder weniger passabel – leider war der Preis dafür , dass neu auch dem zweiten Block jegliche Offensivkraft fehlte. Von den Linien drei und vier kommt gegen vorne ohnehin fast nichts.

Doch eben: Es war nicht nur die Offensive, wo Struktur, Durchsetzungsfähigkeit und Coolness fehlten, sondern auch die Verteidigung. Die Saisondebüts Hecquefeuilles und von Guntens passten ins Bild. Als die beiden gemeinsam ihren ersten Einsatz hatten, konnten sie schon das 0:2 miterleben. Nach dem 0:3 sah man Hecquefeuille abdrehen (49.), und das 0:4 beobachtete von Gunten von der Strafbank aus (53.). Mit Back, der nach einem geblockten Schuss früh ausschied, fehlte der jugendlichen Abwehr ein weiterer Routinier.

250 000 Dollar für Santala?

Das erste Spiel der Klotener Zeitrechnung nach Santala wurde so zum Fiasko, bei dem sich einzig der völlig im Stich ­gelassene Goalie Boltshauser gute Noten verdiente. Da kann die Clubführung noch so betonen, man schaue jetzt vorwärts und das Team habe genug Charakter, um den Abgang ihrer langjährigen Stütze zu kompensieren: Was die Mannschaft gegen Gottéron zeigte, hatte eine andere Botschaft. «Sein Abgang ist spielerisch und menschlich ein Verlust», brachte es von Gunten auf den Punkt.

In Kloten hätten sie sich die Situation, mitten in der Saison einen Nummer-1-Center zu suchen, lieber erspart. Doch das heisst nicht, dass man Santala gratis ziehen lässt. Es kann als sicher gelten, dass der EHC von Santalas künftigem Arbeitgeber finanziell entschädigt wird. «Ich weiss es nicht, der Vertrag ist noch nicht aufgelöst», sagt Sportchef Pascal Müller dazu nur.

Doch das sollte bis Freitag der Fall sein. In Russland kursiert ein Betrag von 250 000 Dollar, welchen Magnitogorsk nach Kloten zu überweisen bereit sei. Eine fast gleich hohe Summe soll der Finne als Lohn für den Rest der Saison erhalten. Viel Geld, doch Präsident Hans-Ulrich Lehmann hält fest: «Mir nützt eine Entschädigung nichts.» Davon müsse man ja doch wieder nur Santalas Nachfolger bezahlen. Die Sache liegt derzeit bei den Anwälten, im Fall des EHC bei Verwaltungsrat Michael Kloter. In ein paar Tagen soll der Deal über die Bühne sein. Der Weg aus der sport­lichen Krise dürfte etwas länger dauern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.12.2016, 23:32 Uhr

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