Lebensgefahr und Comeback innert 53 Stunden

Ein Slapshot traf Düsseldorf-Goalie Bobby Goepfert mit voller Wucht am Kehlkopf. Zwei Tage später stand er bereits wieder im Tor.

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Geschichten von wundersamen Comebacks, von heldenhaften Kämpfern, die kaum etwas vom Spielen abhalten kann, gibt es in der Eishockeywelt immer wieder. Doch was sich dieser Tage in Deutschland ereignet hat, verdient zweifellos das Prädikat aussergewöhnlich. Es ist eine Geschichte, die beinahe als Tragödie geendet hätte, schliesslich aber ihr Happy End bekam.

Bobby Goepfert heisst der Protagonist, 30 Jahre alt, von Beruf Goalie beim kriselnden achtfachen Meister Düsseldorfer EG. Und wie das so ist als Keeper bei einem Tabellenletzten: An Arbeit fehlt es nicht. So stellte der US-Amerikaner Anfang Dezember einen DEL-Rekord auf, als er sage und schreibe 77 von 78 Schüssen parierte und seine Mannschaft zu einem 2:1-Sieg nach Penaltys gegen den aktuellen Titelhalter Eisbären Berlin führte. Eine Woche später schwebte Goepfert in akuter Lebensgefahr.

«Bloss keinen Luftröhrenschnitt!»

Die aufwühlende Szene ereignete sich im rheinischen Derby gegen die Kölner Haie in der 30. Minute: Ein Slapshot des Kölner Stürmers Nathan Robinson traf Goepfert mit voller Wucht am Kehlkopf. Er brach zusammen, im mit 10'000 Zuschauern gefüllten Stadion wurde es still. Goepfert wurde gestützt vom Eis geführt, wo er sich hinter der Bande erbrach. Teamdoktor Ulf Blecker leitete Notfallmassnahmen ein, die sich als lebensrettend erweisen sollten. «Wir spritzten hoch dosiertes Cortison intravenös und konnten so verhindern, dass die nach innen gehende Schwellung die Luftröhre einschnürt», erklärte der Arzt später. Er habe zu Gott gefleht: «Bloss keinen Luftröhrenschnitt!» Der Eingriff wurde glücklicherweise nicht nötig.

Goepfert erfuhr erst nach seiner Heimkehr aus dem Spital, wie schlimm es um ihn gestanden hatte. «Das ist echt gruselig. Da denkst du: Du kannst weder einen Rekord brechen noch schwer verletzt werden – und dann passiert beides innerhalb kürzester Zeit», sagte er. Die Schuld für die bangen Minuten sieht Goepfert, der bis dato ohne Plastikschutz für den Hals spielte, bei sich: «Es war mein Fehler. Ich sah den Puck kommen, habe aber aus irgendeinem Grund den Kopf gedreht, statt den Schuss mit der Maske abzuwehren.» Auf Twitter veröffentlichte er ein Foto mit dem Puck-Abdruck und gab jungen Goalies einen Rat mit: «Dreht den Kopf nicht ab, sondern lasst die Maske ihren Job machen.»

Die Worte des Teamarztes ignoriert

Der schreckliche Zwischenfall hielt ihn nicht davon ab, an eine schnelle Rückkehr aufs Eis zu denken. Er erhoffe sich davon eine therapeutische Wirkung, da er «diesen Albtraum» nicht einfach abhaken könne wie ein gewöhnliches Spiel. Dr. Blecker konnte sich mit dem Comeback-Vorhaben nicht anfreunden und fand: «Er soll schön mit seinem Hintern zu Hause bleiben und sich schonen.» Und doch stand Goepfert in der nächsten Partie wieder im Tor, mit einer Spezialmanschette am Helm. 53 Stunden nach dem Unfall. Und führte seine Mannschaft zum 2:1-Erfolg gegen Red Bull München.

Einen eigenen Fanclub hat Bobby Goepfert wegen seines spektakulären Stils bereits, «Bobbynisten» nennen sich die Mitglieder. In den vergangenen Tagen werden einige dazugekommen sein.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.12.2013, 09:59 Uhr

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