«Leo ist einfach Weltklasse»

Leonardo Genoni ist ein wesentlicher Faktor, warum der HC Davos im Final-Klassiker gegen den ZSC führt. Eishockey-Experten erklären die Vorzüge des 27-jährigen Torhüters.

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Enzo Corvi war sichtlich gezeichnet. Aber nach dem 3:2-Sieg nach Penaltys im Hallenstadion meinte er am Montag strahlend gegenüber der TV-Kamera: «Leo hielt wieder hervorragend. In den Playoffs ist er einfach immer Weltklasse.» Mit Leo meinte der Torschütze und Stürmer des HC Davos natürlich seinen Goalie Leonardo Genoni, der mit seinen 52 Paraden und vier gehaltenen Zürcher Versuchen im Shootout sein Team zum Sieg führte. Und wie er im Sudden Death die Chance von Luca Cunti zunichtemachte, war in der Tat sensationell. Selbst ZSC-Trainer Marc Crawford lobte die Leistung des gegnerischen Torhüters. Sie war wesentlicher Bestandteil, dass trotz einem Schussverhältnis von 54:16 für die Lions die Bündner als glückliche Gewinner das Eis verliessen und nun in der temporeichen, packenden Best-of-7-Finalserie mit 2:1 in Führung liegen.

Genoni hat wieder einmal für die Differenz gesorgt, obwohl sein Gegenüber Lukas Flüeler bestimmt kein Schwachpunkt im Team des Titelhalters aus Zürich-Nord ist. Dass der Schlussmann von Rekordmeister Davos vor allem dann zur Höchstform aufläuft, wenn es im Playoff wirklich zur Sache geht, ist keine neue Erkenntnis. Im Eishockey-Frühling 2015 hinterlässt der gebürtige Tessiner jedoch einen speziell vorzüglichen Eindruck. Er tritt wieder so selbstsicher und überzeugend auf wie beim letzten HCD-Titel vor vier Jahren. In der aktuellen Playoff-Statistik der Goalies belegt der 43-fache Internationale mit einer Fangquote von 93,95 Prozent Rang 2 hinter Lausannes Cristobal Huet (94,12).

«Die Werkzeuge waren bei ihm immer da»

Die Nervenstärke ist nur ein Plus von Genoni, der aus der Nachwuchsabteilung der Löwen stammt und im Sommer 2007 ins Landwassertal wechselte. Marco Baron, der ehemalige Goalie des HC Ambri-Piotta und heutige Experte des Tessiner Fernsehens (TSI), erklärte vor einigen Wochen gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Ich war immer ein Fan von Genoni. Er ist sehr beweglich, sehr geschmeidig und kann auch die nötige Aggressivität einbringen. Meines Erachtens bekommt er selten die Wertschätzung, die er verdient hätte. Das Problem ist, dass er seit seinem überragenden Jahr 2010/11 die Formkurve seines Teams mitmachte.»

Baron wies zudem auf die ganz spezielle und grosse Bedeutung des Trainers im Davoser Umfeld hin. «Die Davoser sind eine emotionale Gruppe, angetrieben von Arno Del Curto. Dessen Energie beeinflusst alle Mannschaftsteile. Die Werkzeuge waren bei Genoni immer da – und jetzt sind es auch die richtigen Emotionen.» Auch Christian Weber, ehemaliger Internationaler und Trainer von Hockey Thurgau, prophezeite während der Halbfinals einen Final zwischen Zürchern und Bündnern und sagte über Genoni: «Er hat seinen schlechten Match bei der 3:4-Heimniederlage gegen Zug eingezogen. Seither spielt er wieder unglaublich solid und bügelt die Fehler seiner Vorderleute magistral aus.»

Die Lust, die Pucks zu erobern

David Aebischer, zukünftiger Goalie-Trainer beim HC Fribourg-Gottéron, weist auf einen anderen Punkt hin, den Genoni auszeichnet. «Was mir bei ihm besonders gefällt, sind sein Kampfgeist und seine Leidenschaft. Er kämpft wirklich um jeden Puck. Und er liest auch das Spiel sehr gut», erklärt der ehemalige NHL-Torhüter. Der Davoser habe schon im Viertelfinal gegen Zug sowie im Halbfinal gegen Bern überzeugt, in der Finalserie habe er noch einen Zacken zugelegt. Aebischer weiss aber aus langjähriger Erfahrung, dass die Sache für die Bündner trotz Break in Oerlikon noch nicht gegessen ist. «Ich gebe nicht so viel auf die Bedeutung dieser Breaks. Das einzige Mal, wo der Heimvorteil in einer Playoff-Serie wirklich zum Tragen kommt, ist das Duell Nummer sieben.» Wenn der ZSC wie am Ostermontag so Druck mache, werde der Bündner Goalie vielleicht ein sogenannt haltbares Tor oder ein faules Ei kassieren. «Aber das wird Leonardo verkraften.» Beide Torhüter der Finalisten seien überdies mental stark.

Die Entscheidung in dieser Serie ist gemäss Aebischer noch nicht gefallen. «Für beide Mannschaften ist der Weg zum Titel noch lang, für den ZSC ist er noch länger.» Doch sollte Genoni weiterhin seine Hochform so ausspielen, dann könnte die defensive Lebensversicherung des HCD endgültig zur ganz grossen Figur im Titelkampf werden.

Erstellt: 08.04.2015, 12:10 Uhr

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