Marc Lüthi lobt seinen SCB für die destruktive Spielweise

Attraktives Eishockey ist für Berns Geschäftsführer Marc Lüthi ein Muss – in der Qualifikation. Im Playoff will er einfach Siege sehen. Am liebsten auch heute in Spiel 2.

Nach dem Gusto des Chefs: SCB-CEO Marc Lüthi war mit dem Spiel vom Donnerstag mehr als zufrieden.

Nach dem Gusto des Chefs: SCB-CEO Marc Lüthi war mit dem Spiel vom Donnerstag mehr als zufrieden. Bild: Keystone

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Tristan Scherwey ist ein höflicher junger Mann mit Schalk in den Augen. Wenn er vor einem sitzt und seine Sicht der Dinge darlegt, käme niemand auf die Idee, dass er der Spieler des SC Bern ist, der den Hammer auspackt, wenn es der Mannschaft nicht gut läuft. Wie am Donnerstag im ersten Spiel der Finalserie zwischen Bern und Fribourg, als die 15. Minute lief und der SCB noch immer nicht in die Gänge gekommen war. Scherwey checkte Benjamin Plüss hart und vor allem regelwidrig, wie der Einzelrichter gestern festhielt: Der 21-Jährige, der einst bei Gottéron aussortiert worden war, wird heute eine Sperre absitzen müssen.

Scherwey legt Wert auf die Feststellung, dass er in dieser Szene «nichts kalkuliert» habe und er «nie unnötig» provoziere. Das mag sein, einzig: Ein Zeichen war aus Sicht der Berner durchaus nötig, und der Zeitpunkt hätte nicht besser gewählt sein können. Fribourg war von diesem Moment an ein ganzes Drittel lang geschockt, irgendwie von der Rolle. SCB-Trainer Antti Törmänen mochte im Rückblick zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen Check und Sieg erkennen, sondern verwies darauf, dass solche Aktionen «Teil eines jeden Spiels sind». Er räumte aber ein, dass Scherwey mit seiner Energie sehr wichtig sei.

Bührer und «ein wenig Glück»

Auch Törmänen hatte festgestellt, dass es den Freiburgern danach «zunehmend schwergefallen ist, zu guten Chancen zu kommen». Die Berner hatten plötzlich zu jener Sicherheit gefunden, die gegen diesen spielstarken Gegner bereits vor Jahresfrist, damals im Halbfinal, den Erfolg ermöglicht hatte: Sie kontrollierten die neutrale Zone, liessen den Gegner ins Leere laufen und verschafften sich damit Raum für gefährliche Konter. In seiner unverwechselbaren Art wollte der Finne darin keine ausgeklügelte Taktik sehen, schon gar nicht eine destruktive Spielweise, wie sie aus Freiburg reklamiert wird. Er könne sich an jene Serie nicht einmal mehr erinnern, flunkerte er.

Für Captain Martin Plüss, der gestern 36 Jahre alt wurde, war es wohl mehr als für jeden anderen Akteur ein belastender Moment gewesen. Es handelte sich um seinen Bruder, der nach Scherweys Check blutend auf dem Eis gelegen hatte. Entsprechend mochte er sich nicht zur Szene äussern. Er habe die Aktion ohnehin zu wenig genau gesehen. Allerdings glaubt er nicht, dass sie für den Ausgang des Spiels entscheidend gewesen war. «Es war klar, dass Gottéron das Anfangstempo nicht über 60 Minuten aufrechterhalten kann», sagte er. Stattdessen strich er die hervorragende Leistung von Goalie Marco Bührer und «ein wenig Glück» hervor.

Hoffen auf offensivere Berner

Anders klingt es selbstredend aus dem Fribourg-Lager. Trainer Hans Kossmann haderte mit der nicht gegebenen 5-Minuten-Strafe, die «diese Attacke zwingend hätte nach sich ziehen müssen». Und mit den vielen ungenutzten Chancen. Er sei eigentlich sehr zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft und könne im Nachhinein keine taktischen Fehler erkennen. «Wir wussten, dass die Berner sehr effizient sein können und eine starke Defensive haben.» Seine Hoffnung ist nun die möglicherweise offensivere Spielweise der Berner vor eigenem Anhang. Vor Jahresfrist hatten die Freiburger in Bern einmal minutenlang nicht nach vorne gespielt, um den Gegner aus der Defensive zu locken – es war die einzige Partie jener Serie gewesen, die sie gewonnen hatten.

Einem Mann ist die Spielweise zurzeit «ziemlich egal»: SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi. «Sackstark erarbeitet», nannte er den Sieg vom Donnerstag. Und wer von zu wenig attraktivem oder offensivem Spiel rede, habe noch immer eines nicht begriffen: dass es darauf nur in der Qualifikation ankomme. «Im Playoff zählt einzig der Sieg. Und wessen Herz schwarzgelb-rot schlägt, der hat sich im ersten Finalspiel blendend unterhalten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.04.2013, 16:55 Uhr

Zweites Final-Duell live

Tagesanzeiger.ch/Newsnet wird den zweiten Playoff-Final zwischen dem SC Bern und Fribourg-Gottéron ab 20 Uhr live begleiten.

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