Meisterteam ohne Kompass

Der ZSC findet immer wieder neue Wege, Spiele zu verlieren. Nun steht es in der Serie gegen Genf 1:2.

Das bittere Zürcher Ende: Alexandre Picard bejubelt sein Overtime-Tor, den Lions bleibt nur das Nachsehen. Foto: Eric Lafargue

Das bittere Zürcher Ende: Alexandre Picard bejubelt sein Overtime-Tor, den Lions bleibt nur das Nachsehen. Foto: Eric Lafargue

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Erstaunlich ist nicht, dass die ZSC Lions gegen Servette 1:2 zurückliegen. Sondern, dass die Genfer für diese Führung nicht einmal besonders gut spielen mussten. Die Zürcher finden in diesem Playoff immer wieder neue Wege, um Spiele zu verlieren. In Genf riss Flüeler seine Kollegen mit seinem Fauxpas beim 45-Meter-Schuss Loeffels nach unten. Am Samstag schafften es die ZSC Lions gegen einen dezimierten und geschwächten Gegner nicht, vom klaren Chancenplus zu profitieren. Wick verpasste das leere Tor, Nilsson schoss aus besten Positionen zu hoch, Bärtschi alleine vor Mayer daneben, und als der Servette-Goalie in der 60. Minute wehrlos am ­Boden lag, traf Shannon die Latte.

40:19 lautete das Schussverhältnis, doch zuletzt jubelten die Servettiens. Es war bezeichnend, dass die entscheidende Situation von D’Agostini ausging, dem einzigen Genfer Feldspieler, der sich derzeit vom Mittelmass abhebt. Der Playoff-Topskorer schoss, Flüeler liess zur Seite abprallen, und weil Bergeron wieder einmal zu spät kam, konnte ­Picard nach 78 Sekunden Overtime zum 2:1 einschieben. Und das wohlwollende Zürcher ­Publikum, das sich angesichts der verzweifelten Bemühungen des Heimteams mehrmals zu stehenden Ovationen erhoben hatte, verfiel in Schockstarre. Manch einer dürfte sich auf dem Heimweg gefragt haben, wie es möglich war, diesen Match zu verlieren.

10 Playoff-Spiele, 5 Niederlagen

Exakt drei Wochen dauert das Playoff nun, und bei den ZSC Lions ist immer noch keine klare Tendenz und Linie auszumachen. Immer wenn ein Problem gelöst scheint, taucht bereits das nächste auf. Wie unberechenbar und ­unstet diese Mannschaft ist, zeigen nur schon ihre Resultate: 0:5, 3:1, 2:3 nach Penaltys, 3:0, 1:3, 5:2, 5:2, 3:6, 1:2 nach Verlängerung. Dabei ist dieses Team auf den Schlüsselpositionen routiniert, es ist erfolgserprobt, hat schon einiges erfahren und sollte also wissen, worauf es im Playoff ankommt. Von zehn Spielen gegen den Achten (Biel) und den Sechsten (Servette) haben die Zürcher im Playoff die Hälfte verloren – keine gute Bilanz.

Viel deutet darauf hin, dass das Team nicht optimal zusammengesetzt ist. Es könnte sich als fatal erweisen, dass Sportchef Edgar Salis darauf verzichtete, fürs Playoff einen zusätzlichen ausländischen Stürmer zu engagieren. Die Spieler tun sich zurzeit schwer mit dem Toreschiessen, und auf der Tribüne sitzen zwei überzählige ausländische Verteidiger (Smith, Tabacek).

So offensiv versiert die Zürcher sind, der Abschluss ist ihre Schwäche. Das war schon in der Qualifikation zu sehen – fünf Teams erzielten da mehr Tore. Im letztjährigen Playoff fanden die Zürcher in Keller ihren Torschützen, von der ­damaligen Form ist der Kanadier derzeit aber weit entfernt. Am Samstag schadete er dem Team kurz nach dem 1:0 mit einem Beinstellen in der Offensivzone, das den Ausgleich nach sich zog.

Crawford verunsichert das Team

Und inzwischen, so hat man den Eindruck, stimmt auch die Chemie zwischen Marc Crawford und dem Team nicht mehr. Der Coach verunsichert die Spieler mit seinen ständigen Wechseln. Keine Partie, in der die Sturmlinien nicht wieder neu gemischt werden. Dazu sorgt der Fall Bergeron für Unruhe. Crawford hält unbeeindruckt an seinem Landsmann fest, obschon der immer wieder Aussetzer hat und inzwischen auch ­offensiv nichts mehr bewirkt.

Die ZSC Lions haben viele Baustellen, doch das Gute ist: Ihre Chancen sind ­immer noch intakt. Servette ist sicherlich nicht das bessere Team. Vielleicht aber das inspiriertere. Morgen in Genf müssen sich die Zürcher wieder einmal aus einer heiklen Lage befreien. Das provozierte bisher ihre besten Leistungen.

Erstellt: 22.03.2015, 22:01 Uhr

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