Müllers aussichtsloser Kampf

Robert Müller leidet an einer unheilbaren Gehirnkrankheit. Doch der Keeper will zurück aufs Eis.

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Der 28-Jährige Kölner Profi wird von einem schnell wachsenden bösartigen Hirntumor im Kopf geplagt. Im November vor zwei Jahren— im Trainingslager zum Deutschland-Cup — wurde die Krankheit nach Schwindelanfällen erstmals festgestellt. Wegen einer drohenden Schädigung des Gehirns konnten ihn die Ärzte aber nur teilweise entfernen. Es war kein Eingriff, der Heilung versprach. Es war nur eine lebensverlängernde Massnahme. Im August musste er sich abermals einer Operation unterziehen, weil der Tumor innert kürzester Zeit um das Achtfache gewachsen war. Und trotz intensiver Stahlen- und Chemotherapie bildete sich die Geschwulst nicht zurück. Die Zellen sind gegen die Therapien bereits resistent.

Kleine Überlebenschancen

Der Eishockeyspieler und sein Arzt Wolfgang Wick haben gemeinsam besprochen, dass es sinnvoll ist, die niederschmetternde Diagnose zu veröffentlichen: «Robert Müller ist schon über die mittlere Lebenserwartung bei dieser Art von Tumoren hinweg.» Die meisten Patienten überstehen weniger als ein Jahr. Nur drei Prozent leben fünf Jahre.Trotz der schweren Krankheit plant er Ende November ein weiteres Comeback. Seit Oktober bereitet er sich auf seine womöglich letzte Rückkehr vor. Der Vater von zwei Kindern will unbedingt nochmals für die Kölner Haie spielen. «Ich trainiere täglich, fühle mich gut, aber es ist ein langer Weg zurück,» sagte Robert Müller dem Kölner Express: «Die Fitness ist noch nicht so, wie sie sein muss.» Die Eishockey-Szene reagierte geschockt von Müllers unheilbaren Krankheit. «Das ist ein dramatisches menschliches Schicksal,» sagte DEB-Generalsekretär Franz Reindl: «Es berührt unglaublich, wenn man so etwas miterlebt.»

Müller will nicht aufgeben

Er will seine Geschichte erzählen, um seiner Krankheit einen Sinn zu geben. Dass man den Krebs bekämpfen müsse, auch dann wenn man vielleicht keine Chance habe. Und dass es manchmal sogar besser sei, so zu tun , als wäre er gar nicht da. Heute muss er auf ein Wunder hoffen. Dabei kann er sich auch an anderen Sport-Stars orientieren. Lance Armstrong hat nach seinem Hodenkrebs sieben Mal die Tour de France gewonnen. Ivan Klasnic hat zwei Nierentransplantationen hinter sich und ist mit Kroatien an die EM 2008 gefahren.

Andere haben es nicht mehr geschafft, als Aktive in die Sportarena zurückzukehren. Heiko Herrlich — deutscher Fusball-Nationalspieler von Borussia Dortmund mit ähnlicher Tumorerkrankung— brach seine Karriere nach erfolgreicher Strahlentherapie und diversen Verletzungen ab. Er hatte nie mehr die frühere Leistungsfähigkeit erreicht. Heute ist er Trainer der deutschen U19-Auswahl.

Andere Sportstars haben den Kampf verloren

Jim Koleff — zuletzt als Manager beim HC Lausanne tätig — hat über fünfzehn Jahre lang versucht, mit allen möglichen Therapien gegen den Krebs anzukommen. Vorletzte Woche ist der ehemalige Eishockeyprofi und Trainer verstorben. Die Schweizer Kampfsport-Legende Andy Hug, der an Leukämie erkrankte, hatte keine Chance. Er verstarb knapp eine Woche nach der Diagnose in Tokio. Unvergessen ist auch das Schicksal von Reto Sturzenegger, einem der ersten Eischockeyprofis der Schweiz zu Beginn der Achtziger Jahre. Der überaus beliebte Sportler — der einige Jahre sehr erfolgreich für den EHC Arosa gespielt hatte— kehrte ins Unterland zurück und sollte den ZSC zurück in die NLA führen. Schon bald würde bei ihm Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Nach diversen Behandlungen musste er seine Karriere beenden und erlag später dem Krebsleiden. (ph/si)

Erstellt: 11.11.2008, 15:10 Uhr

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