O Captain!

Kloten verabschiedet Victor Stancescu und verliert beim 3:4 in der Overtime gegen Davos wertvolle Punkte.

Grosse Ehre: Victor Stancescus Nummer 22 wird in Kloten nicht mehr vergeben.

Grosse Ehre: Victor Stancescus Nummer 22 wird in Kloten nicht mehr vergeben. Bild: Keystone

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Die Flyers durchleben nicht nur auf dem Eis schwierige Zeiten. Vor drei ­Monaten hatten sie bereits Sturmlegende Marcel Jenni in den ungeplanten Ruhestand verabschieden müssen. Nun war vor dem Match gegen Davos Victor Stancescu an der Reihe. Der 30-Jährige hatte seine Karriere nach nur zwei Einsätzen in ­dieser Saison wegen chronischer Hüftleiden beenden müssen.

Und wie Jenni erhielt auch der langjährige Captain die verdiente Anerkennung. Mit 6284 waren so viele Zuschauer gekommen wie noch nie in diesem Winter. Seine Kollegen trugen vor dem ­Anspiel alle Trikots aus seiner Laufbahn. Dann richteten sich die Blicke auf den ­Videowürfel, wo Weggefährten und ­Gegner Botschaften verkündeten: ZSC-Captain Mathias Seger etwa erwähnte die Leaderqualitäten Stancescus, die diesen stets ausgezeichnet hätten – so beim Beinahekollaps des Clubs 2012.

Romano Lemm nannte den studierten Ex-Mitspieler in Anlehnung an dessen Vornamen das «Vikipedia», das auf alles eine Antwort gewusst habe: «Jetzt müssen wir selbst auf Wikipedia nachforschen.» Und HCD-Verteidiger ­Félicien Du Bois sagte: «Beruflich mache ich mir keine Sorgen um dich.» Jurist Stancescu beginnt im Frühling seine Doktorarbeit und seine neue Tätigkeit in ­einer ­Zolliker Anwaltskanzlei.

Die 22 wird nicht mehr vergeben

Der Stürmer mit rumänischen Wurzeln spielte von klein auf nur für Kloten – in der NLA in 15 Saisons und 585 Partien. Mit 16 debütierte er im Fanionteam, später avancierte er zum Captain, Vorkämpfer und Nationalspieler. Nun gesellt er sich zu illustren Namen, die auf Bannern ­unter dem Hallendach verewigt sind: zu Hollenstein, Wäger, ­Johansson, Eldebrink, ­Pavoni, Klöti und Schlagenhauf. Seine Nummer 22 wird am Schluefweg nicht mehr vergeben.

Das überrascht insofern etwas, als er im Gegensatz zu den anderen nie Meister wurde. Gemäss Statuten erfüllt er mit fünf von sechs Kriterien jedoch die nötigen Qualifikationen. Dreimal ­scheiterte Stancescu mit den Flyers erst im Final – einmal an den ZSC Lions (2014), zweimal am HCD (2009 und 2011). Und so zollte er in seiner Ansprache als Erstes den ebenfalls Spalier ­stehenden Bündnern Respekt, «dem grössten Rivalen meiner Karriere».

Der wortgewandte Stancescu zeigte sich auch in diesem emotionalen Moment routiniert, sprach vom besonderen Geist, der in Kloten stets herrschte, vergass in seiner Dankesrede selbst den Teamarzt nicht, den er viel zu oft hatte aufsuchen müssen. Seine Stimme verlor erst an Kraft, als er sich an seine Frau ­Livia und die beiden Söhne richtete: «Ich hätte nicht gedacht, dass es mich so hart trifft, wenn es so weit ist . . .»

Spiegelbild der ganzen Saison

Das passende Abschiedsgeschenk ­konnten ihm die Flyers im Anschluss nicht liefern. Am Willen und Einsatz mangelte es ihnen gegen den HCD nicht. Aber sie zeigten sich in Abwesenheit von Top-Verteidiger von Gunten zu labil in der eigenen Zone. In ihrer besten Phase im Mitteldrittel gingen sie zweimal in Führung, kassierten jedoch jeweils postwendend den Ausgleich. Ein Spiegelbild der gesamten Saison: Ihnen fehlt die Selbstsicherheit, um solche Partien zu entscheiden. Das erledigte der Davoser Setogutchi in der Verlängerung. Nach dem 3:4 sind die Klotener vier Punkte von einem Playoff-Platz entfernt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.01.2016, 22:55 Uhr

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