Panik bei den Lakers, die keiner so nennen darf

Die Rapperswil-Jona Lakers versuchen es nach dem Redeverbot mit einem Trainerwechsel.

Der frühere Assistent Michel Zeiter (links) gibt nun statt Anders Eldebrink den Weg bei den Lakers vor. Foto: Keystone

Der frühere Assistent Michel Zeiter (links) gibt nun statt Anders Eldebrink den Weg bei den Lakers vor. Foto: Keystone

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Alle im Club müssten jetzt Mut zeigen, sagte Sportchef Harry Rogenmoser, als klar war, dass die Lakers in die Liga­qualifikation mussten. Als er noch etwas sagen durfte. Als der Verwaltungsrat noch nicht sämtlichen Angestellten ein Redeverbot auferlegt hatte. Als die schlechteste Mannschaft der NLA gegen die beste der NLB noch nicht 2:4 verloren hatte. Als der Trainer am Obersee noch Anders Eldebrink hiess und nicht Michel Zeiter, wie er das seit gestern tut.

Wenn das Bild, das die Lakers derzeit abgeben, von Mut zeugen soll – wie sieht dann Panik aus?

Denn nicht anders wirkt es, wie der Club am Ende seiner 21. NLA-Saison auftritt. Das gilt für die Mannschaft auf dem Eis, die gegen die SCL Tigers nur ungefähr zehn Minuten brauchte, um das Spieldiktat aus den Händen zu geben, die ängstlich und zunehmend ratlos wirkte. Und es gilt für eine Führungsetage, die ihren Mitarbeitern nicht einmal so weit vertraut, ein paar banale Antworten auf ein paar banale Reporterfragen zu geben. Mut sieht anders aus.

Jahrelange Fehlplanung

Allerdings entbehrt es nicht einer gewissen Logik, dass die Akteure für ihre Worte nicht mehr geradestehen sollen. Denn Verantwortung tragen mussten im grössten Kader der NLA ohnehin nicht viele. Total 42 Spieler kamen diese Saison zum Einsatz – mit dem vielen Personal sollte der Konkurrenzkampf gefördert werden, doch statt eines Mehr an Leistungskultur gab es ein Weniger an Identifikation und Automatismen. Ständig wurde rochiert, regelmässig pausiert. Positiv entwickelt hat sich so fast keiner im Kader, in dem echte Talente ohnehin rar sind.

Die Einzigen, die wirklich viel Eiszeit und Verantwortung erhielten, waren die Ausländer. Sie gehörten zu den Stärksten der Liga, befeuerten eines der besten Powerplays, wirkten zuletzt aber immer öfter ausgebrannt. Weil im Kampf um den Klassenerhalt nur noch zwei spielberechtigt sind, fehlt nun plötzlich die Hälfte der offensiven Leader. Und weit und breit ist keiner, der diese Rolle schon geprobt hätte in einer Saison, in der es für die Lakers schon nach wenigen Wochen nur noch darum ging, für den Abstiegskampf im Frühling bestmöglich gerüstet zu sein.

Sie sind es nicht. Die demonstrative Stärkung Eldebrinks vor der Ligaqualifikation entsprang keiner Überzeugung, sondern einzig der Hoffnung, dass es beim Startspiel irgendwie schon gut komme. Dass Eldebrink nun gehen muss, überrascht weniger als der Umstand, dass er so lange bleiben durfte – obwohl er bei seinem zweijährigen Wirken in Rapperswil-Jona pro Spiel noch weniger Punkte holte als sein erfolgloser Vorgänger Rogenmoser. Obwohl er zweimal Letzter wurde.

Misserfolg bliebt auf allen Ebenen folgenlos

Doch eine echte Überraschung war eben auch das nicht. Denn so wenig die Spieler es gewohnt sind, Verantwortung zu übernehmen, so folgenlos blieb Misserfolg in der gesamten Organisation. Seit 2008 standen die Lakers nie mehr im Playoff, belegten die Ränge 10, 10, 11, 12, 11, 12 und 12, ohne dass deswegen viel geändert worden wäre.

Dass Eldebrinks bisheriger Assistent Zeiter alles andere als eine neue Stimme ist, passt ins Bild eines Clubs, der stets im eigenen Fahrwasser schwimmt. Die bittere Pointe ist, dass die Lakers das endlich erkannt haben und unter anderem mit einem Farmteam zu ändern versuchen. Und dass ausgerechnet jetzt auf dem Eis die Quittung für jahrelange Fehlplanung droht.

Es ist verständlich, dass die Perspektive Abstieg den Lakers die Sprache verschlägt. Doch mit Selbstvertrauen oder gar Mut hat ihr Schweigen darum noch lange nichts zu tun.

Erstellt: 04.04.2015, 16:02 Uhr

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Anders Eldebrink.

Michel Zeiter.

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