Playoff-Spektakel – oder Knüppel aus dem Sack?

Die morgen beginnenden NLA-Halbfinals kündigen sich als attraktiv und umstritten an. Tagesanzeiger.ch/Newsnet wagt sich aufs Glatteis und erklärt, wer sich für den Playoff-Final qualifizieren wird.

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EV Zug (1. der Qualifikation) – ZSC Lions (7.)

In unserem Ausblick auf die Playoff-Viertelfinals am 1. März haben wir – korrekt – prophezeit, dass sich der EV Zug, Fribourg-Gottéron und Bern für die nächste Runde qualifizieren würden. Beim Klassiker HC Davos – ZSC lagen wir falsch. Wir entschuldigen uns an dieser Stelle bei den Löwen und ihrem Anhang für diese Fehleinschätzung. Es schien, als hätten Bob Hartley und sein Personal vor dem ersten Bully gegen Davos die Vorschau gelesen, dermassen entschlossen arbeiteten die Underdogs die Titelverteidiger aus den Bergen vom Eis.

Jetzt folgt das sogenannte Z-Duell im Best-of-7-Halbfinal. Unnötig zu sagen, dass die Stimmung im Rink, auf den Spielerbänken, in der Kühlbox und auf den Rängen heiss, ja explosiv sein wird. Die Heads werden alle Hände voll zu tun haben. Wenn die Goons Mark Bastl und Thomas Rüfenacht die Fäuste sprechen lassen, dann bleibt keine Hose trocken, weder in der schmucken Zuger Cüpli-Arena, noch im Kongresssaal namens Hallenstadion noch im Klotener Schluefweg, der wohl Schauplatz des sechsten Duells sein wird. Die Programmmacher in Leutschenbach tun jedenfalls gut daran, die x-te Wiederholung von «Mein cooler Onkel Charlie» nicht vor Mitternacht anzusetzen. Balgereien, Spielunterbrüche, Overtimes und Penaltydramen werden das Programm auf SF 2 gehörig durcheinanderwirbeln – und die offiziellen Strafzeitnehmer und Punktrichter unter Dauerstress setzen. Völlig zu Recht, sagt Lions-Coach Hartley vor Beginn der Halbfinals am Samstag: «Ich habe nichts gegen hartes, faires Eishockey. Aber es darf nicht gefährlich für die Feldspieler und Torhüter werden.» Auch die Heads sind in den kommenden Wochen gefordert.

Göttin Fortuna spielt mit

In der Tat kündigt sich die Affiche als brisant an, wenn die Zuger Skorermaschinen Damien Brunner, Josh Holden und Glen Metropolit auf die inzwischen nicht mehr trägen und defensiv disziplinierten Lions treffen. Die Ausgeglichenheit spricht für den ZSC, das Powerplay für den EVZ. Die drei Zuger Abwehrtürme Alessandro Chiesa (192 cm gross), Timo Helbling (189) und Andy Wozniewski (USA, 196) schirmen ihren finnischen Goalie Jussi Markkanen ebenso effizient ab wie die Zürcher ihren Schlussmann Lukas Flüeler. Am Ende entscheidet Göttin Fortuna über die Finalqualifikation und die Tatsache, dass Metropolit und Brunner Doppeleinsätze leisten müssen.

Unsere Prophezeiung: Der um eine Spur torgefährlichere EVZ siegt mit 4:3 Siegen in einer dramatischen, spannenden und spektakulären Playoff-Serie.

HC Fribourg-Gottéron (3.) – SC Bern (5.)

Der SCB hat die Flyers im Viertelfinal in die Ferien geschickt, wie es an dieser Stelle auch vorausgesagt wurde. Dann sei aber für die Mutzen Ausgabe Frühling 2012 Schluss, weil die Klasse im Kader fehlen würde, hiess es weiter. Inzwischen wurden allen notorischen SCB-Nörglern der Kopf gewaschen – inklusive dem Autor. Goalie Marco Bührer hält so wie in seinen besten Zeiten. Die Verteidiger sind besser als ihr Ruf, was generell auch vom Fremdpersonal festzuhalten ist. Martin Plüss, Ivo Rüthemann und sogar Ryan Gardner haben gegen Kloten bewiesen, dass sie da sind, wenn es darauf ankommt – ganz nach dem Motto: Oldies but Goldies. Spieler wie Thomas Déruns oder David Jobin treffen nach langer Torflaute wieder. Die Youngsters sind nicht bloss Mitläufer, sondern machen richtig Dampf. Joel Vermin wäre eigentlich schon bald ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Man muss es Nationalcoach Sean Simpson nur sagen.

Mit anderen Worten: Der SCB präsentiert sich kompetitiv und homogen. Und Jung-Coach Antti Törmänen beweist, dass primär nicht die Lautstärke des Coachs an der Bande für Erfolg oder Misserfolg verantwortlich ist, sondern dessen Kompetenz und Intelligenz. Die Spieler haben das gemerkt und schätzen die Art des 41-jährigen Finnen. Nun ist man gespannt, ob SCB-CEO Marc Lüthi den begabten Coach auch dann behält, wenn er und sein Team im Final am EVZ straucheln würden.

Das Problem der fehlenden Konstanz

Damit sei gesagt: Gottérons an und für sich gute Saison endet im Halbfinal. Die Copains haben unter Trainer-Rookie Hans Kossmann besonders in der defensiven Arbeit Fortschritte erzielt. Doch sind die Eisdrachen noch zu vielen Leistungsschwankungen unterworfen. Der Mangel an Konstanz war in der Viertelfinalserie gegen einen überalterten HC Lugano deutlich sichtbar. Wie in der Serie mit Zugern und Zürchern haben Emotionen im sogenannten Zähringer-Derby Hochkonjunktur, die Strafbank wird gut besucht sein, nicht nur vom Freiburger Shawn Heins oder dem Berner Marc Reichert. In einem anderen Punkt sind jedoch die Üechtländer unschlagbar: Ihr Käse-Fondue in der Buvette der BCF-Arena ist nach wie vor top – und zwar in ganz Europa.

Unsere Prophezeiung: Der im Kollektiv stärkere und im Powerplay effizientere SCB setzt sich mit 4:2 Siegen gegen Fribourg durch.

Erstellt: 16.03.2012, 11:33 Uhr

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Die bisherigen Playoff-Duelle

EV Zug (1.) - ZSC Lions (7.)
Saison 1994/95, Viertelfinal:
3:2 (6:2, 4:8, 3:0, 4:6, 8:3)
Saison 1999/2000, Halbfinal:
0:4 (2:3, 1:4, 2:6, 2:4)
2009/10, Viertelfinal:
4:3 (1:2, 7:4, 6:3, 4:2, 1:6, 2:6, 2:1)
Resultate Qualifikation 2011/12:
6:5 n. V., 2:3 n. V., 1:2, 1:2 n. P.

Fribourg (3.) - Bern (5.)
1989/90, Viertelfinal:
1:2 (3:4 n. V., 5:4, 3:5)
1990/91, Halbfinal:
0:3 (2:5, 2:5, 5:6)
1991/92, Final:
2:3 (3:4, 2:11, 5:1, 3:0, 1:4)
2007/08, Viertelfinal:
4:2 (3:5, 2:1 n. V., 1:5, 3:2 n. V., 2:1 n. V., 4:3 n. V.)
Resultate Qualifikation 2011/12:
2:3, 3:2, 1:4, 3:6, 4:3, 6:1)

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