Plötzlich hat die NHL ein Missbrauchsproblem

Ein Tweet löste eine Lawine aus: Sie dürfte den Coach von Calgary den Job kosten.

Wohl nicht mehr lange Cheftrainer der Flames: Bill Peters.

Wohl nicht mehr lange Cheftrainer der Flames: Bill Peters. Bild: Jeff McIntosh/Keystone

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Als die Flames in der Nacht auf Donnerstag in Buffalo 3:2 triumphierten, fehlte dem NHL-Team aus Calgary sein rassistischer, in den Rücken ­tretender, menschenverachtender Boss. All das sind Attribute, mit denen ehemalige Spieler Bill Peters in den letzten Tagen bedacht haben. ­Peters ist Cheftrainer von Calgary. Aber wohl nicht mehr lange.

Denn die Flames haben eine Untersuchung gegen den eigenen Coach eingeleitet und ihn bis auf Weiteres aus dem Spielbetrieb entfernt. Es ist ein tiefer Fall für den 54-Jährigen, der als Assistent des grossen Mike Babcock in die NHL kam, der während vier Saisons Carolina coachte, ehe er die ­Flames 2018/19 auf Rang 1 der Western Conference führte. Zweimal war Peters Chefcoach der Kanadier an einer WM. Und offenbar merkte über all die Jahre kein Vorgesetzter oder störte es keinen, dass der Mann ein Rassist ist – angeblich.

Fürs Umdenken brauchte es den Tweet eines früheren Spielers von Peters. Es sei nicht überraschend, was man derzeit an Vorwürfen und Episoden über Peters’ Mentor Babcock höre, seit der in Toronto entlassen wurde, schrieb Akim Aliu, «der Apfel fällt nicht weit vom Stamm».

Und so twitterte Aliu, wie Peters ihn einst in der Garderobe für seine musikalischen Vor­lieben kritisierte und dabei mehrfach «the N bomb» fallen liess. ­Damit meinte der Kanadier mit nigerianischen Wurzeln weder Neutronenbomben noch halluzinogene Drogen. Sondern rassistische Wendungen. Und nach diesem Tweet gab es kein Halten mehr.

Teamkollegen bestätigten Alius Worte, es wurden weitere Vorfälle gemeldet. So beschrieb ein ehemaliger Verteidiger der Carolina Hurricanes, wie ihn Peters einst während eines Spiels in den Rücken trat. Der aktuelle Coach der Hurricanes, damals Assistent, bestätigte das. Ein anderer Spieler bezeichnete Peters schlicht als «das schlimmste menschliche Wesen, das mich je gecoacht hat».

All das betrifft Vorgänge, die zum Teil viele Jahre zurückliegen. Man könnte also meinen, der Ruf von Peters sei schon länger ramponiert. Doch dem war offenbar nicht so. Peters durfte Junioren auf höchster Ebene coachen – und gewann den Memorial Cup. Hockey Canada vertraute dem Mann sein WM-Team an – und gewann Gold. Die Flames holten ihn – und dominierten die westliche Hälfte der Liga.

Jetzt aber, wo Calgary sportlich in der Krise ist, reagierte der Club umgehend. «Das ist eine sehr ernste Angelegenheit», liessen die Flames verlauten. Sogar die Liga meldete sich zu Wort. «Abstossend und inakzeptabel» fand die NHL das Verhalten, das Peters zur Last gelegt wird – falls es denn der Wahrheit ­entspreche. Doch ob wahr oder unwahr, ist in einer Hinsicht schon egal: Peters’ Ruf ist ruiniert - auch wenn er selber daran schuld trägt.

Zwei Tage nach Alius Tweets meldete sich endlich auch der Beschuldigte zu Wort. Er beschrieb seine rassistische Äusserung aus der Saison 2009/10 als «einmaliges, sofort bedauertes Ereignis» und bot eine «aufrichtige Entschuldigung an». Nicht direkt an Aliu. Sondern an seinen Vorgesetzten bei den Flames, dem er einen Brief schrieb, welchen er auch gleich mit den TV-Sendern Sportsnet und TSN teilte. Peters hat offenbar verstanden, was für ihn im Moment auf dem Spiel steht. Ansonsten aber hat er anscheinend wenig begriffen.


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Erstellt: 28.11.2019, 10:53 Uhr

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