Profiteure eines Debakels

Kloten macht gegen ein desolates Lugano aus einem 0:3 ein 8:3. Dessen Trainer Shedden geht früh und stumm.

Premiere zur Wende: Klotens Obrist schiesst mit dem 4:3 sein erstes Saisontor.

Premiere zur Wende: Klotens Obrist schiesst mit dem 4:3 sein erstes Saisontor. Bild: Patrick B. Kraemer/Keystone

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Nach einem Drittel war Kloten mathematisch betrachtet auf dem Weg zu einem 0:9. Nach zwei Dritteln erzitterten die Tribünen vom Getrampel der Standing Ovations. Und am Ende des Abends war es das spektakulärste Spiel, das im Schluef­weg seit langer, langer Zeit zu ­sehen war. Wenn man einem Ausserirdischen die Faszination Eishockey erklären wollte: Besseres Anschauungsmaterial als dieses 8:3 ist kaum vorstellbar.

Der Regisseur der Gala hiess Pekka Tirkkonen. Ein bitteres Drittel lang hatte der Finne zusehen müssen, wie bei ­seinem Team wenig zusammenpasste. Zum 14. Mal in dieser Saison kassierte es in den ersten zehn Minuten das 0:1, diesmal gleich noch das 0:2. Dazu in der 17. Minute das 0:3. Die jugendliche ­Abwehr, in der anstelle des erkrankten Sanguinetti der 18-jährige Dominik Egli im ersten Block verteidigte, wirkte überfordert. Goalie Boltshauser musste Nyffeler weichen. Die Stürmer trafen nicht.

Dann stellte Tirkkonen die Linien um. Und wie schon im Cup gegen Langenthal fruchtete die Massnahme auf Anhieb. Shore, Obrist und Santala kombinierten sich nach 28 Sekunden im zweiten Drittel zum 1:3. Kurz darauf ­trafen Back (28.) und Praplan (29.) nach gewonnenem Bully zum Ausgleich.

Shedden ohne Einfluss

Das war zu viel für die Nerven der Luganesi. Sie schlitterten in einen epischen Kollaps. Goalie Merzlikins stoppte keine Pucks mehr, Topskorer Klasen verrichtete kein Backchecking mehr, nichts passte zusammen, keiner bäumte sich auf. Und Kloten profitierte.

So konnten sich Obrist und Bieber ihre ersten Saisontore gutschreiben lassen, traf Homberger zwei Wochen vor seinem 25. Geburtstag zum ersten Mal überhaupt in der NLA. Und bezwang Hollenstein den bemitleidenswerten Merzlikins – dem 18-jährigen Ersatzmann Christophe Dux war ein NLA-Debüt unter solchen Umständen schwer zuzumuten – noch zum 7:3 und zum 8:3. Irgendwann hatte Coach Doug Shedden auch sein Timeout genommen. Doch wie jede andere Massnahme des Kanadiers verpuffte auch diese ohne Wirkung. Der Kontrast zu den Umstellungen Tirkkonens war augenfällig.

Ob Shedden nach diesem Totalzusammenbruch weitere Gelegenheit erhält, sich mit dieser dysfunktionalen Mannschaft zu beschäftigen, muss bezweifelt werden. Denn es stimmt zwar, dass der Tessiner Abwehr nicht weniger als fünf Leistungsträger verletzt fehlen. Doch die Klotener Abwehr wies gestern mit Egli, Weber und Harlacher ja ebenfalls in ­jedem Backpaar einen auf, der zwanzig oder jünger ist. Und fiel nach dem Fehlstart dennoch nicht auseinander.

Shedden verschwand nach diesem Waterloo direkt aus dem Stadion und war nicht mehr zu sprechen. Erinnerungen wurden wach an den Oktober 2011, als ein gewisser Barry Smith Lugano-Trainer war, nach Kloten reiste und 0:9 verlor. Danach hatte er keine Lust mehr, sein Amt auszüben – und trat zurück. Shedden wird es ihm nachfühlen können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.11.2016, 23:12 Uhr

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