Rote Zahlen trotz perfekter Saison

Die ZSC Lions erlitten in der Meistersaison einen Verlust von 719'000 Franken und brauchen frisches Kapital.

Teure Spieler: Um konkurrenzfähig zu sein, müsse man heute mit hohen Personal­kosten rechnen, sagt ZSC-CEO Peter Zahner.

Teure Spieler: Um konkurrenzfähig zu sein, müsse man heute mit hohen Personal­kosten rechnen, sagt ZSC-CEO Peter Zahner. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Es war die perfekte Saison der ZSC Lions. Sie dominierten 2013/14 die Qualifikation, sorgten im Playoff auf dem Weg zum Titel für Spannung und lockten im Schnitt so viele Zuschauer an (9343) wie noch nie. Trotzdem schrieben sie rote Zahlen. Der Jahresverlust, den Finanzchef Fritz Eichenberger an der Generalversammlung auswies, beträgt 719'000 Franken, wozu noch der obligate Unterstützungsbeitrag für die Nachwuchs AG von 0,5 Millionen dazugerechnet werden muss. Das Ergebnis ist jenem des ­Meisterjahres 2011/12, als ein Minus von 694'000 Franken resultiert hatte, in ­vielen Punkten ähnlich.

In der sportlich deutlich weniger ­erfolgreichen Saison 2012/13 (Rang 4, Halbfinal) hatte die ZLE Betriebs AG hingegen ein ausgeglichenes Betriebsergebnis nur um 588 Franken verpasst – die Unterstützung für die Nachwuchs AG noch nicht eingerechnet. Es erscheint paradox: Je erfolgreicher die ZSC Lions, desto grösser der Verlust. Auf diesen Nenner könne man es nicht bringen, stellt Eichenberger aber klar. Ein positives Ergebnis sei diesmal nur wegen spezieller Umstände verpasst worden.

Die Zürcher spielten in Viertel- und Halbfinal gegen Lausanne und Servette, die ungünstigsten Gegner, was das ­Zuschaueraufkommen betrifft. Im Marketing wurden einmalige Investitionen (Lichtshow vor dem Spiel, LED-Ring, Räumlichkeiten des Platinum-Club) von rund 480'000 Franken nötig. Zudem fielen die ausserordentlichen Erträge vom Vorjahr von 400'000 Franken weg, als sich Bob Hartley und Jeff Tambellini aus ihren laufenden Verträgen hatten freikaufen müssen und Steuerrückzahlungen in die ZSC-Kasse geflossen waren.

Rekordsumme für Saläre

Mit anderen Worten: Eichenberger ist nicht unzufrieden mit dem Abschluss. Der grösste Kostentreiber sind, natürlich, die Spielersaläre. Der Personalaufwand inklusive Geschäftsstelle (650 Stellenprozente) und medizinische Abteilung betrug 13,33 Millionen Franken – eine neue Höchstmarke, die auch den Spielerprämien fürs erfolgreiche Playoff geschuldet ist. Der HCD kam letzte Saison trotz Viertelfinal-Out mit 13,28 Millionen auf einen ähnlichen Aufwand fürs vergleichbare Personal (Team, Management).

Um konkurrenzfähig zu sein, müsse man heute mit solch hohen Personal­kosten rechnen, sagt CEO Peter Zahner. Dies, weil das Schweizer Spielerangebot schlicht zu klein sei. Nur mit zwei Massnahmen könnte man mehr Druck ­machen auf die Saläre der Schweizer Spieler: durch eine Reduktion der NLA-Teams oder eine Öffnung für Ausländer. Beides ist nicht durchsetzbar.

Was die Einnahmenseite betrifft, ­nähern sich die ZSC Lions der 20-Millionen-Marke. Die 18,41 Millionen Franken sind eine neue Bestmarke. Die Eintritte inklusive TV-Gelder sowie die Werbeeinnahmen machten je rund die Hälfte aus. Weil das Playoff zuletzt viele Spiele und Erfolg bot, steigen die verkauften Saisonkarten weiter: In den letzten drei Jahren von 6400 auf 6839 auf aktuell 7382. Viel Spielraum nach oben dürften die Zürcher indes unter ihren Rahmenbedingungen nicht mehr haben – dazu würden sie ein eigenes Stadion benötigen, in dem sie selbst wirtschaften.

Gemäss Zahner will man sich bis Ende Jahr entscheiden, ob das Projekt in Alt­stetten weiterverfolgt oder aufgegeben wird. Wegen der noch ungewissen Umsetzung der Kulturlandinitiative – derzeit ist das Bundesgericht am Zug – herrscht immer noch keine Rechtssicherheit, weshalb die ZSC Lions das Dossier zuletzt nur noch mit gedrosseltem Tempo weiterverfolgten. Fakt ist jedenfalls, dass die Zürcher trotz ihres sportlichen Erfolges immer noch nicht ohne Walter Frey auskommen. Zumal der Verwaltungsratspräsident als potenter Sponsor auch noch die GCK Lions unterstützt, deren Rechnung separat geführt wird.

Dank Frey trotzdem kerngesund

Diesmal wurde, wie letztmals 2011, bei der ZLE Betriebs AG wieder eine Aktienkapitalerhöhung nötig – von zehn auf zwölf Millionen Franken. Das Agio beträgt vier Millionen Franken, die unter anderem eingesetzt werden, um den ­Jahresverlust zu decken und die Spielerwerte, die auf 900'000 Franken veranschlagt sind, auf null abzuschreiben. Dies macht beim aktuellen Transfer­reglement ohne Ablösesummen auch Sinn. Die Bilanz ist, dank Frey, kerngesund. Doch so steinig der Weg zum Titel ist, die grösste Herausforderung bleibt für die ZSC Lions, profitabel zu werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.10.2014, 19:23 Uhr

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