Rückschläge verarbeiten und Jungs aufbauen

Kloten-Coach Kevin Schläpfer braucht dringend Siege: für Publikum und Moral – und die miserable persönliche Bilanz.

Kevin Schläpfer: «Wenn man es ichtig anschaut, ist es nicht ganz so schwarz.»

Kevin Schläpfer: «Wenn man es ichtig anschaut, ist es nicht ganz so schwarz.» Bild: Keystone

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Aus der Garderobe dringt französischer Rap mit Piano und Streichern, im Kabinengang steht Kevin Schläpfer im ­T-Shirt, seine Augen funkeln. «Dagegen, dass es immer noch negativer wird, müssen wir kämpfen», sagt der Kloten-Trainer, «denn genau das ist es, was die ganze Energie frisst.» Dass der 48-Jährige wegen eines Infekts noch Antibiotika nimmt, merkt man ihm kein bisschen an. «Doppelt so viel Energie» brauche das ständige Verarbeiten von Rückschlägen, weiss Schläpfer. Und findet dann: «Das habe ich jetzt nicht schlecht gesagt.»

So also verarbeitet der EHC-Trainer eine fast einzigartig hohe Niederlage. Sechs Tage ist es an diesem Freitagmittag her, dass Kloten in Lausanne neun Tore kassierte. So viele, wie nur einmal sonst im letzten Jahrzehnt. Das war ebenfalls diese Saison, am 6. Oktober in Bern. Drei Spiele und drei Niederlagen später wurde der Trainer, Pekka Tirkkonen, entlassen.

Eine Wiederholung dieses Szenarios scheint undenkbar. Nachfolger Schläpfer wurde bis 2020 gebunden, soll ein optimistisches Kloten verkörpern. Beim Einstand sagte er: «Das Leben macht viel mehr Spass, wenn man gewinnt – und ich will Spass haben.»

Von Spass spricht derzeit keiner beim EHC. Stattdessen verkündete Präsident Hans-Ulrich Lehmann den Abstiegskampf. Und steht der Trainer vor den schwierigsten Wochen seiner Karriere. Denn sportlich bewirkte der Wechsel an der Bande bisher fast nichts.

Seit es für einen Sieg drei Punkte gibt, immerhin zwölf Saisons, holte nur ein Kloten-Trainer weniger als einen Punkt pro Match: Schläpfer (0,95). Auch in der aktuellen Spielzeit sind die Zahlen ernüchternd. Unter dem Sissacher stieg der Gegentorschnitt gar (3,18 gegenüber Tirkkonens 3,15) – und die markante ­Verbesserung der Torproduktion (2,36 gegenüber 1,53) fällt genau zusammen mit dem Debüt von Tommi Santala.

Ständiger Substanzverlust

All das sagt wohl weniger über den Trainer als über die Qualität eines Teams, das – mittlerweile auch aus finanziellen Gründen – seit Jahren an Substanz verliert. Seit Anders Eldebrink mit Kloten 2009 und 2011 den Final erreichte, sank die Punkteausbeute fast linear.

So einfach, wie Präsident Lehmann glaubt, ist es darum nicht. Die ein­brechenden Zuschauerzahlen seien «den Spielern anzurechnen», äusserte er im Dezember gegenüber dieser Zeitung. Damit erhöhte er zwar den Druck auf seine Mannschaft, nicht aber deren Qualität – das tat er erst im neuen Jahr mit der Verpflichtung eines vierten Ausländers.

Ob Spencer Abbott die Aufgabe für Schläpfer entscheidend vereinfacht? Einerseits braucht der Coach Siege: gegen den Publikumsschwund, für die Moral, zur Verbesserung der persönlichen Bilanz. Andererseits muss er das Team bestmöglich aufs Playout vorbereiten. Schläpfer sieht das nicht als Widerspruch. «Wir sind es den Zuschauern schuldig, jeden Tag alles zu geben», erklärt er. «Das muss ja auch eine Gewohnheit sein», wenn es gegen den Abstieg geht.

In 11 von 21 Spielen gepunktet

Die Auftritte heute in Davos und morgen gegen Fribourg sind demnach fast so wichtig wie die Spiele im Frühling. Auch für Schläpfer persönlich. «Ich bin auch nicht zufrieden mit meiner Ausbeute», gibt er zu. Und verweist doch darauf, dass sein EHC in 11 von 21 Spielen punktete, oft erst nach Penaltys verlor. «Wenn man es richtig anschaut, ist es nicht ganz so schwarz», sagt er. Und so müsse man es anschauen: «Ich muss die Jungs ja ­aufbauen, nicht herunterziehen.»

Für die Kaderplanung wäre er zwar auch noch zuständig. Doch Klotens Trainer hat derzeit Dringenderes zu tun.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2018, 23:20 Uhr

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