«Sorry, ich muss ins Nationalteam»

Die Karriere von Mike Künzle zeigt, dass das Juniorensystem der ZSC Lions funktioniert.

Viertbester ZSC-Skorer: Mike Künzle (vorne) hat in dieser Saison schon fünfmal getroffen. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Viertbester ZSC-Skorer: Mike Künzle (vorne) hat in dieser Saison schon fünfmal getroffen. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Man kann den ZSC Lions nicht vorwerfen, sie würden nach dem frühen Nationalteam-Rücktritt von Roman Wick (28) nicht für Nachschub sorgen. Nächste Woche werden am Deutschland-Cup mit Mike Künzle (20) und Chris Baltisberger (22) gleich zwei Zürcher Jungstürmer unter Glen Hanlon debütieren. «Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet», sagte der strahlende Künzle nach dem 5:3 gegen Servette, zu dem er das 2:0 beigesteuert hatte. «Ich hatte eigentlich vor, in der Pause mit der Freundin oder Teamkollegen ein paar Tage zu verreisen. Aber natürlich sagte ich gerne: ‹Sorry, ich muss ins Nationalteam.›»

Letzten Winter musste sich Künzle für sein erstes NLA-Tor bis November gedulden, jetzt hat der 20-Jährige schon fünfmal getroffen – nur Wick (zehn Tore), Cunti (sieben) und Baltisberger (sechs) waren beim ZSC noch erfolgreicher. Sportchef Edgar Salis hält viel von ihm, verlängerte seinen auslaufenden Vertrag im September bis 2018 und traut ihm zu, einer der besten Torschützen der Liga zu werden. Künzles Entwicklung ist ein Beispiel dafür, dass das ­Juniorensystem der ZSC Lions funktioniert. Er galt lange nicht als grosses ­Talent, schaffte es auf Novizen- und ­Elitejunioren-Stufe nicht auf Anhieb in die höchste Leistungsklasse, arbeitete sich in der Organisation aber kontinuierlich nach oben.

Mehr Explosivität

«Ich war ein Spätzünder», sagt der Fehraltorfer selbst. «Es hat extrem viele ­Junioren beim ZSC. Da können nicht alle in den Topligen sein. Aber im Nachhinein muss ich sagen: Es war kein Nachteil für mich, im Gegenteil. Denn so wurde dort, wo ich war, auf mich gesetzt, konnte ich immer in den ersten zwei ­Linien spielen.» Die Explosivität und ­Beweglichkeit seien früher seine Mankos gewesen, sagt der 1,93-Meter-Mann. «Aber in den letzten zwei Jahren habe ich da einen grossen Sprung gemacht.»

Seit dieser Saison haben die ZSC ­Lions eine Powerskating-Trainerin, die ein-, zweimal pro Woche mit den Jungen arbeitet. Vor allem Künzle und Baltisberger, die gross und kräftig sind, aber noch etwas hölzern wirken, haben davon profitiert. Baltisberger war die Entdeckung Bob Hartleys, etablierte sich in der Meistersaison 2011/12 im Team. Künzle wurde von Marc Crawford eingebaut. Der Kanadier erzählt: «Als ich Künzle erstmals sah, dachte ich: Er ist ein grosser Junge, aber er braucht noch Feinschliff.» Noch hat er längst nicht ausgelernt, aber fünf Tore, obschon er kaum Powerplay spielt, sind bemerkenswert. Künzle und Baltisberger sorgen mit ihrer Leistungsexplosion dafür, dass es sich nicht allzu stark auswirkt, dass die ZSC Lions noch weit von ihrer Bestform entfernt sind.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2014, 21:39 Uhr

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