Triumph der Unvernünftigen

Die National League will auch künftig mit vier Ausländern spielen. Der Entscheid ist verständlich, löst das Problem der steigenden Löhne aber nicht.

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Das letzte Argument, die Anzahl Ausländer in der höchsten Schweizer Liga nicht zu erhöhen, lieferte einer der Antragsteller. Servette Genf, zusammen mit dem SC Bern die treibende Kraft hinter der Absicht, in der National League ab nächster Saison sechs statt vier Ausländer auf dem Matchblatt zu erlauben, änderte an der Ligaversammlung in Solothurn seine Meinung. Ob aus Opportunismus, Einsicht oder Solidarität: Wenn selbst der Urheber nicht mehr an seinen Plan glaubt, ist dessen Scheitern programmiert. Das Verdikt von 3:9 Stimmen wurde so zur Formsache.

Es war ein vernünftiger Entscheid. Nur Bern, Davos und Lausanne hätten es vorgezogen, künftig mit mehr Ausländern zu operieren. Allerdings aus unterschiedlichen Motiven. Ein grösserer Markt hätte es dem SCB erleichtert, sein Goalieproblem zu lösen. Die Bündner hätten ihre wachsenden Rekrutierungssorgen mildern können. Und die Waadtländer hätten mehr Möglichkeiten gehabt, die immensen Ansprüche ihres milliardenschweren Präsidenten zu befriedigen.

Dass es wie behauptet darum ging, die allgemein steigenden Lohnkosten einzubremsen: Daran glaubten drei Viertel der NL-Clubs offenbar nicht. Inklusive eines Antragstellers.

Und doch ist es nicht nur ein Entscheid der Vernunft.

Mehr Geld gibt es nicht

Erstens, weil hier drei Clubs zurückgebunden wurden, die vom Anspruch her vorne mitspielen – ihre Schwächung dürfte für die Konkurrenz eine angenehme, nicht ganz unbeabsichtigte Nebenwirkung sein. Und zweitens, weil das Problem der explodierenden Kosten ja keineswegs gelöst ist mit diesem Nein. Im Gegenteil.

Denn während Verbandspräsident Michael Rindlisbacher und Nationalmannschaftsdirektor Raeto Raffainer zur Kenntnis nehmen durften, dass ihre Stellungnahme gegen mehr Ausländer sie an diesem Mittwoch auf die Siegerseite brachte, werden 2019/20 sämtliche Mehreinnahmen aus dem TV-Vertrag zu den Clubs fliessen. Immerhin 2,65 Millionen Franken, 190'000 pro NL-Club. Die Nationalteams bis zu den Junioren profitieren also davon, dass die Liga angewiesen bleibt auf gute Schweizer, die sich in grösseren Rollen besser entwickeln können. Aber mehr Geld – zum Beispiel für die Nachwuchsförderung – erhalten sie trotzdem nicht.

Die Clubs dagegen haben schon bei den bisher 1,61 Millionen Franken, die jeder von ihnen am TV-Vertrag verdient, gezeigt, wo sie ihre Zusatzeinnahmen vornehmlich investieren: in die Spielerlöhne. Wenn Nationalstürmer Hofmann in den nächsten Tagen in Lugano oder Zug seinen nächsten Vertrag unterschreibt, wenn der Davoser Corvi oder der Bieler Kreis ihre Zukunft regeln: Dann dürften sie sich eher nicht für das vernünftigste, sondern für das beste Angebot entscheiden.

So bleibt das Nein von Solothurn auch das Ja zu einem unvernünftigen System, das so lange funktioniert, wie die Einnahmen hoch bleiben. Oder, wie bei so vielen, am Ende ein Mäzen die Rechnung übernimmt.

Auf der Hochpreisinsel Schweiz konnte dieses System prächtig gedeihen, wurde die National League bezüglich Attraktivität, Publikum und Vermarktung ein Erfolg. Jetzt etwas zu ändern, hielt das Gros der Profiteure am Mittwoch für unnötig. Nicht zuletzt darum, weil das Ganze eben unvernünftig ist.

Erstellt: 14.11.2018, 16:37 Uhr

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