«Uns fehlten psychopathische Züge»

ZSC-Sportchef Edgar Salis kritisiert, dass die Zürcher Finalverlierer gegen Davos zu brav waren.

Hätte sich von seinem Team mehr Härte gewünscht: ZSC-Sportchef Edgar Salis nach dem verlorenen Final. Foto: PD

Hätte sich von seinem Team mehr Härte gewünscht: ZSC-Sportchef Edgar Salis nach dem verlorenen Final. Foto: PD

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Wie kam es zu diesem klaren ­Verdikt im Final?
Davos war die bessere Mannschaft. Spiel 3 war entscheidend. Wir starteten gut in die Serie, stolperten in Davos, konnten dann aber sehr gut reagieren im dritten Spiel. Aber wir schossen die Tore nicht und verloren. Und als wir dann in Spiel 4 eine 2:0-Führung aus der Hand gaben, kam etwas ins Rollen, das kaum noch aufzuhalten war. Kompliment an die Davoser. Sie schafften es, uns zum Stürzen zu bringen. Das gelang in den letzten Jahren nicht manchem.

Tut es Ihnen weh, wenn Sie sehen, dass Ihr Team viel zu brav war gegen diesen HCD?
Ja, das tut mir weh. Und wenn ich das sage, ist das auch ein Vorwurf an meine Adresse. Ich habe diese Mannschaft ja schliesslich so zusammengestellt.

Was fehlt? Typen wie Beat Forster?
Nein, Typen wie Forster fehlen uns ­definitiv nicht. (Forster lief in der Saison 2008/09 beim ZSC davon, die Red.) Aber uns fehlten ein paar psychopathische Züge. Was das Körperspiel betrifft, ­reagierten wir nur, anstatt zu agieren. Dieses Team muss vor niemandem Angst ­haben. Es ist robust genug. Aber Checks wie jener von Baltisberger gegen Du Bois in Spiel 2 sollte es mehr geben. Wir ­hätten ab und zu die Brechstange hervornehmen müssen.

Die ZSC Lions sind ein exzellentes Team in der Qualifikation, aber im Playoff . . .
(unterbricht) . . . halt. Ich weiss, was Sie sagen wollen. Das lasse ich nicht gelten! Wären wir kein Playoff-Team, wären wir in den letzten vier Jahren nicht dreimal im Final gewesen. Das können Sie ­Lugano vorwerfen, das seit neun Jahren keine Serie mehr gewonnen hat. Aber nicht uns. Was stimmt, ist, dass wir ­körperlich zu wenig initiativ sind. Unser erster Gedanke ist, übers Spielerische zu gewinnen. Nicht über den Kampf. Ich hoffe, dass ich da mit einem Zuzug wie jenem von Fabrice Herzog etwas Gegensteuer geben kann.

Am Samstagabend hörte man in den Kabinengängen, Marc Crawford stehe vor dem Absprung. Stimmt das?
Blödsinn. Stand heute gibt es keine Anfrage aus der NHL. Es werden sich im Sommer sicher Optionen für ihn auftun. Er hat eine NHL-Ausstiegsklausel, die er bis Mitte Juni ziehen kann. Aber momentan sehe ich dem gelassen entgegen.

Was wäre der Plan B, wenn er geht?
Einen neuen Trainer zu suchen.

Haben Sie jemanden im Kopf?
Nein.

Könnten Sie sich Arno Del Curto in Zürich vorstellen?
Klar. Arno ist für mich die Verkörperung eines guten Trainers. Er bringt vollen Einsatz, setzt auf Junge und scheut sich nicht vor Personalentscheiden.

Könnte er zu einem Thema werden?
Nein. Weil wir für ihn kein Thema sind. Er wird sowieso in Davos bleiben.

Könnte Del Curto in Zürich ­funktionieren?
Mit seiner Leidenschaft könnte er fast überall funktionieren. Auch im Madison Square Garden oder in Moskau. Wenn man ihn arbeiten lässt, er die richtigen Spieler um sich schart, kommt es gut. Das hat er wieder einmal bewiesen. Und er setzt auf die Jungen. Wie Crawford. Ich habe sowieso das Gefühl, die beiden weisen viele Gemeinsamkeiten auf. Beide sind im positiven Sinne verrückt.

Crawford ist schon drei Jahre beim ZSC. Man hört inzwischen auch kritische Stimmen aus dem Team. Hat er sich nicht abgenützt?
Das Schlimmste ist, einen Trainer zu ­haben, den alle lieben. Dann weiss man: Das ist der falsche Mann. Hoffentlich ­regen sich gewisse Spieler auf über den Trainer. Ich aber finde, Crawford macht einen sehr guten Job. Und er setzt mit den Jungen genau das um, was wir wollen. Deshalb hoffe ich, dass er bleibt.

Im Kader haben Sie nicht mehr viel Spielraum . . .
(unterbricht) . . . nicht viel Spielraum? Wir haben mehr Spielraum als alle anderen. Wir haben viele Junge. Karrer, Phil Baltisberger, Molina, Bachofner, Diem, Sutter, um nur einige zu nennen. Andere müssen Transfers machen, wir können die Jungen nachziehen. Mit Siegenthaler und Malgin haben wir zwei eingebaut. Nun drücken fünf, sechs andere nach.

Sie setzen sehr auf Kontinuität. Birgt das nicht auch Risiken?
Logisch. Wie in einer Beziehung. Wenn es zu bequem wird, ist das nicht gut. Man wird faul, bemüht sich nicht mehr so sehr. Aber dem versuchen wir mit Druck von unten entgegenzuwirken.

Am Samstag wurde bekannt, dass Sie den Vertrag von Ryan Keller verlängert haben. Wieso?
Es stimmt, wir verlängerten schon im ­Januar, kommunizierten es einfach noch nicht. Ich finde, Keller ist ein sehr guter Spieler, bringt uns viel. Ich werde oft kritisiert für meine Ausländerpolitik. Aber man muss immer das Gesamtpaket anschauen. ­Sagen Sie mir einen Ausländer, der besser ist als Keller.

Matt D’Agostini beispielsweise?
Der ist auch ein guter Spieler. Aber ich habe Keller lieber.

Bleibt Marc-André Bergeron?
Ja, er hat noch einen Vertrag.

Aber bleibt er?
Davon gehe ich aus.

Werden Sie noch aktiv auf dem Transfermarkt?
Eine Ausländerposition ist noch offen.

Holen Sie einen Stürmer?
Eher einen Verteidiger. Wir haben im Sturm die Qualität bei den Schweizern, die es uns erlaubt, nochmals einen Verteidiger zu holen. Aber wir müssen uns von der Fixiertheit auf die Ausländer ­lösen. Ich finde, sie sind überbewertet.

Inwiefern werden die ZSC Lions Ausgabe 2015/16 anders aussehen?
Ich hoffe, dass wir grösser, härter, schneller und jünger sind. (lacht) Im Ernst: Unser Stil wird ähnlich bleiben. Wenn der Trainer unter Vertrag ist, der Grossteil des Kaders, eigene Junge nachrücken, welche die Clubphilosophie verinnerlicht haben, kann man keine Stiländerung erwarten. Die ist auch nicht nötig. Ich hoffe einfach, dass wir nächstes Jahr noch einen Schritt mehr machen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.04.2015, 22:26 Uhr

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50. Runde

25.02.HC Lugano - ZSC Lions3 : 2
25.02.Geneve-Servette HC - EHC Kloten2 : 4
25.02.Fribourg-Gottéron - SC Bern4 : 7
25.02.HC Davos - SCL Tigers6 : 2
25.02.HC Ambri Piotta - Lausanne HC3 : 2
25.02.EV Zug - EHC Biel-Bienne4 : 3
Stand: 25.02.2017 22:19

Rangliste

NameSpSU+U-NG:EP
1.SC Bern5031649160:114109
2.ZSC Lions5026987166:115104
3.EV Zug50283613153:12296
4.Lausanne HC50235121154:13980
5.HC Davos50224420152:13578
6.HC Lugano50196421142:15573
7.Geneve-Servette HC501841117135:14073
8.EHC Biel-Bienne50212324146:14070
9.EHC Kloten501451021142:16262
10.SCL Tigers50164327124:15459
11.Fribourg-Gottéron50125231130:17748
12.HC Ambri Piotta5098528113:16448
Stand: 25.02.2017 22:23

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