«Viel besser» bedeutet noch lange nicht gut genug

Der Traditionsclub EHC Kloten hat – mit einem Jahr Verzögerung – einen kräftigen Schub erhalten.

Per Hanberg hat in Kloten einen Schub bewirkt. Foto: Keystone

Per Hanberg hat in Kloten einen Schub bewirkt. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Statistiken stimmen. Meistens. Und Zahlen sprechen für sich. Vor einem Jahr, in der ersten Saison in der Swiss League, ging Kloten mit einer höchst mässigen Bilanz in die Nationalteampause Anfang November: 21Punkte aus 15 Spielen, das waren 1,4 pro Spiel. Eingebrockt hatte man sich diese Bilanz mit einer Serie von 7 Niederlagen im Oktober. Am Ende der Qualifikation stand mit Rang 5 das schlechteste Abschneiden eines Absteigers seit Jahren. Das Scheitern im Playoff-Viertelfinal und die Trainerentlassung waren der nächste Tiefpunkt, nachdem fast alle gedacht hatten, dass der mit dem Abstieg eigentlich erreicht worden war.

Mit einem Jahr Verzögerung geht es wieder vorwärts. Die Bilanz bis zur Nationalteampause 2019: Aus 18 Spielen gab es 38 Punkte, das sind 2,11 pro Match. Im Oktober hat Kloten nur gewonnen. Insgesamt setzte es bloss vier Niederlagen ab – nie zwei nacheinander. Am Samstag war das Team sogar rund eineinhalb Stunden Leader, weil Biasca tatsächlich Ajoie bezwang. «Viel besser» – das ist das Prädikat Klotens im Vergleich zu 2018/19.

Die Spieler hätten das Potenzial

Doch wie bei den raren Möglichkeiten des letzten Winters vergab der EHC auch dieses Mal die Chance, mit einer guten Eigenleistung Platz 1 zu festigen. Das 2:7 gegen Olten war nicht nur die erste Heimniederlage nach sieben Siegen und die erste nach insgesamt acht Erfolgen in Serie. Es war ein Beleg dafür, dass Klotens Steigerung noch von einem kräftigen «Aber» gebremst wird. Wer in dieser Liga am Ende der Saison die beste Mannschaft sein will, darf sich nicht von Olten so dominieren lassen. Es war ja nicht das erste Mal in dieser Saison. Denn schon beim 2:0-Sieg in Olten waren die «Powermäuse» eigentlich das bessere Team gewesen.

Wenn Kloten seine gute Organisation, Disziplin und Konsequenz im eigenen Drittel vergisst, dann ist das Team höchstens Mittelmass.

Mit Trainer Per Hanberg, der in Sachen «Demut» vorangeht und die Schuld für das 2:7 nicht bei den Spielern, sondern bei sich suchte, trat der erhoffte Schub nach vorne ein. Fortschritte im Spielsystem, in der Art und Weise des Auftretens sind unübersehbar. Die neuen Ausländer sind sehr gut (Faille) oder haben noch Potenzial (Figren), Forget befindet sich auf einem Steigerungslauf. Die Jungstürmer Marco Lehmann und Ramon Knellwolf bedanken sich mit Topleistungen dafür, dass sie neben Faille spielen dürfen.

Harte Arbeit, um den Drive zurückzuholen

Doch im Team gibt es noch immer zu viele Spieler, die der Versuchung des Schlendrians erliegen. Wie man am Dienstag gegen Winterthur aus dem 0:2 nach schwachem Beginn noch ein 8:2 gemacht hatte, liess zu viele sich in falscher Sicherheit wähnen. Winterthur war kein Gradmesser. Olten deckte das mit einer bissigen, entschlossenen und klarlinigen Spielweise schonungslos auf. Wenn Kloten seine gute Organisation, Disziplin und Konsequenz im eigenen Drittel vergisst und ohne Tempo spielt, dann ist das Team höchstens Mittelmass. Oder noch weniger.

Bis Donnerstag wird hart trainiert, dann kriegen die Spieler drei Tage frei. Der Coach sucht nach Lösungen, der Mannschaft wieder jenen Drive zu verleihen, mit dem sie im Oktober die Gegner wegarbeitete und teilweise überforderte. Haben die Spieler selber Fortschritte erzielt, müssten sie nun eigentlich in der Lage sein, ihren Teil dazu beizutragen, auf das nächsthöhere Niveau zu kommen. Denn: «Viel besser» bedeutet noch lange nicht, dass der EHC Kloten gut genug ist.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Erstellt: 04.11.2019, 11:17 Uhr

Artikel zum Thema

Ein begeisternder Auftritt des EHC Kloten

Kloten lässt Langenthal beim 5:1 (2:1, 2:0, 1:0) keine Chance. Am Samstag folgt das Topspiel in Pruntrut. Mehr...

Schlechter Start, aber ein gutes Ende für Kloten

Kloten hat mit dem 8:2 (2:2, 3:0, 3:0) über Winterthur zu Leader Ajoie aufgeschlossen. Der Sieg wurde allerdings auf Umwegen eingefahren. Mehr...

Bittere Rückkehr nach Kloten

Kloten Neun Saisons stürmte Michael Liniger für die damaligen Flyers. Nun kam er erstmals als Chefcoach nach Kloten – und erlebte mit den GCK Lions die Ohnmacht des Trainers und ein 0:1. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Grosser Sammelspass für die ganze Familie

Perfekt für kalte Wintertage: Bei jedem Einkauf Marken sammeln und gegen exklusive «Disney Winterzauber»-Prämien von Coop eintauschen!

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss So wichtig ist Vitamin D

Mamablog «Trennungen werden noch immer tabuisiert»

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Nichts wie weg: Ein Känguru flieht vor den Flammen in Colo Heights, Australien, die bereits 80'000 Hektaren Wald zerstört haben (15. November 2019).
(Bild: Hemmings/Getty Images) Mehr...