Wallson: «Das war unser bestes Spiel bislang»

ZSC-Trainer Hans Wallson über die Entwicklungen in seinem Team und ob es schwedische Spieler einfacher haben bei ihm.

ZSC-Trainer Hans Wallson.

ZSC-Trainer Hans Wallson. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Hans Wallson, am Dienstag ein klarer 6:1-Sieg gegen Lausanne und damit der erste «Dreier» nach vier Spielen. Wie beurteilen Sie die Performance der Mannschaft?
Das war unser bestes Spiel bislang. Wir machten bereits in Ambri ein paar Schritte in die richtige Richtung, was Energie und Laufbereitschaft angeht.

Die Partie begann aber mit einem weitgehend ereignislosen 0:0-Startdrittel …
In den ersten 20 Minuten ging es für uns nur darum, nichts zuzulassen, nicht früh nachlässig zu werden, wie dies in mehreren Spielen zuvor geschah. Diese «Reparaturen» gelangen. Wir spielten ein solides Startdrittel. Nicht, was die Offensive anging, aber zumindest in der Defensive. Das war das Hauptziel.

Die Tore folgten dann im Mitteldrittel.
Da drückten wir aufs Gaspedal. Ich sah viel Energie, viele Checks. Wie wir die Scheibe aufs Tor brachten, war perfekt. Auch unsere Präsenz vor dem Tor gefiel mir: Wir hatten die Abpraller, wir hatten die Screens, die dem gegnerischen Goalie die Sicht nahmen. Darauf liess sich aufbauen.

Die vielen Gegentore waren bislang ein Problem, dieses Mal kam der Gegner kaum zu Torchancen.
Wir waren solid. Positionendetails wie der defensiv absichernde Stürmer stimmten. Darum kam Lausanne kaum zu Überzahlgegenstössen. Es war gut für uns, zu sehen, dass wir kleine Schritte in die richtige Richtung unternehmen. Dann treten wir auch gleich ruhiger auf. Dann sind wir ein gutes Team.

Der dritte Mann, der absichert. Das war bislang nicht wirklich eine Stärke Ihres Teams gewesen.
Wir haben uns gegen Lausanne auch wirklich darauf fokussiert. Nicht nur für das erste Drittel. Sondern auch danach, als wir offensiver wurden. Wir änderten extra unsere Strategie im Angriffsdrittel, um für diesen «dritten Mann» trotz seiner defensiveren Ausrichtung Raum für Abschlüsse zu kreieren. Mir gefiel, wie wir das umsetzten. Aber all das war bloss ein Schritt.

Der Tolggen im Reinheft: Das Gegentor zum 1:1 war ein weiterer Shorthander, ein Gegentor in Überzahl. Der bereits vierte in acht Spielen in dieser Saison.
Ein Missverständnis zwischen zwei Spielern führte zum Konter für Lausanne. Was mir aber auch da gefiel: In den anderen Spielen liessen wir nach so einem Gegentor meistens gleich nach. Dieses Mal reagierten wir umgehend mit einem Powerplay-Tor. Ansätze dazu sah ich schon in Ambri. Über diese Dinge haben wir auch sehr viel gesprochen: Nicht fragil sein, Vertrauen haben! Wie wir gegen Lausanne auf den Ausgleich reagierten, war ein Zeichen für mentale Stärke.

Sie sprachen vor der Saison viel über das Gedankengut, das bei den ZSC Lions ändern müsse. Salopp zusammengefasst: Weg vom Schönspielen in den Ecken, hin zur Entschlossenheit im Abschluss. Wo sehen Sie Ihr Team da nach den ersten acht Spielen?
Im Fortschritt. Wir haben zumindest das Gefühl, dass wir immer mehr gute Dinge machen, wenn es um die Energie in der Gruppe bei Rückschlägen geht. Ambri war ein erster Schritt, Lausanne der zweite. Ich weiss, es ist einfach, davon zu sprechen: Glaubt an das System, glaubt an euch selbst, an eure Mitspieler, habt keine Angst vor dem Verlieren, vor Fehlern, wenn es mal nicht für euch läuft. Aber ich denke, dass wir einige dieser mentalen Schritte getätigt haben.

Es mag zwar nur eine Statistik sein. Aber dennoch zeigt sie nach acht Spielen ein Ungleichgewicht im Team auf: Während die drei Schweden Nilsson, Pettersson und Sjögren bislang fast ausschliesslich bei Plustoren involviert waren, stehen andere Stürmer wie Shore oder Wick vor allem bei sehr vielen Gegentoren auf dem Eis.
Wenn Sie alle bisherigen Spiele zusammenzählen, dann stimmt das so. Wenn wir jetzt aber zum Beispiel Wick nehmen, gibts da eine Entwicklung: Er spielt mit immer mehr Energie, immer tougher, immer solider. Gegen Lausanne war er ein unangenehmer Gegenspieler. Er wird zu seinen Plus-Toren kommen. Auch bei Einzelspielern sehe ich es ähnlich: Es geht um kleine Schritte, Baby-Schritte. Du kannst nichts forcieren.

Und Shore?
Er hatte 48 Skorerpunkte letzte Saison in Kloten. Er muss verstehen: Unsere Priorität ist die harte Arbeit. Und wenn er hart arbeitet, wird er zu seinen Punkten kommen. Wenn bei Skorer-Typen die Tore ausbleiben, neigen sie oftmals zu Stress im Spiel. Wir sprechen hier über Menschen. Doch auch bei ihm finde ich, dass er sich immer besser zu fühlen scheint in seinem Spiel. Er braucht ein Tor, dann werden wir den «Ketchup-Effekt» bei ihm sehen. Er hat sich gegen Lausanne wirklich den Hintern aufgerissen.

Ist es für Ihre drei Schweden vielleicht einfacher, zu verstehen, was Sie und Ihr System wirklich von den Spielern verlangen?
Nein, nicht einfacher. Wenn wir Pettersson nehmen: Du musst kein Einstein sein, um zu sehen, dass er immer schiesst, wenn er die Scheibe erhält.

Seit Pius Suter zurück ist aus Ottawa und dem NHL-Camp, darf er Center sein zwischen Pettersson und Nilsson. Zuvor war es Sjögren. Ist das die bessere Option, oder planen Sie, die drei Schweden wieder zu vereinen?
Sjögren war zuletzt verletzt, darum haben wir ihn gegen Lausanne beim Comeback nur rund zehn Minuten eingesetzt. Das war von Anfang an so geplant. Am Donnerstag in Genf wird er mehr Eiszeit bekommen. Es geht um das ganze Bild, die Saison ist lang. Suter spielte in der Vorbereitung mit Nilsson und Pettersson, und die drei taten das wirklich sehr, sehr gut gemeinsam. Warten wir mal ab. Nichts ist in Stein gemeisselt. Und Sjögren, Pettersson und Nilsson werden sicher nicht bloss darum zusammenspielen, weil sie alle Schweden sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.09.2017, 12:35 Uhr

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