Welch Woche für Nico Hischier!

Niederlagen, Verletzung, neuer 50-Millionen-Vertrag. Es sind bewegte Tage bei den New Jersey Devils für den jungen Walliser Stürmer.

Nico Hischier in Newport, New Jersey, wo er wohnt – auf der anderen Seite des Hudson River ist Manhattan zu sehen. (Bild Kristian Kapp)

Nico Hischier in Newport, New Jersey, wo er wohnt – auf der anderen Seite des Hudson River ist Manhattan zu sehen. (Bild Kristian Kapp)

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Plötzlich wird es hektisch bei Nico Hischier. Der junge Walliser Stürmer der New Jersey Devils wollte an diesem Freitagnachmittag nach dem Mittagstraining um 15 Uhr zuhause in Newport in Jersey City sein, zum vereinbarten Interview-Termin.

Es folgt eine Kurznachricht mit der Entschuldigung, dass es später wird. Und Momente danach der Anruf aus dem Auto, dass es ein paar weitere Minuten dauern werde: Stau wegen eines Unfalls auf der Brücke, die New Jersey mit Manhattan verbindet – solche Verzögerungen gehören in dieser Weltmetropole rund um New York City zum Alltag.

Am Ende des Gesprächs erwähnt Hischier noch kurz den Grund für die Verspätung: «Es dauerte etwas länger. Wir haben bekannt gegeben, dass ich meinen Vertrag vorzeitig verlängert habe.» Hoppla!

Das war so nicht geplant, nicht einmal die lokalen Medien hatten so etwas spekuliert, auch Hischier dachte, dass die Mitteilung erst in den nächsten Tagen erfolgen würde. Es eilte ja nicht, erst im Sommer 2020 läuft sein aktueller Vertrag aus.

Doch dann rief ihn General Manager Ray Shero nach dem Training zu sich, man entschied sich, bereits an diesem Freitag an die Öffentlichkeit zu gehen. Dass er am Telefon, nur ein paar Minuten nach dem grossen Moment, die Unterschrift unter den neuen 7-Jahres-Vertrag nur so nebenbei erwähnt, passt zum 20-jährigen Walliser: Seine Reife die Ruhe und Abgeklärtheit erstaunen immer wieder von neuem, er steht mit beiden Füssen auf dem Boden, euphorische Sprüche sind ihm nicht zu entlocken. Auch zu einem 50-Millionen-Deal nicht.

Das Verlangen nach Erfolgsmeldungen

Dass die Devils Medien und Fans mit dieser Mitteilung überraschten, könnte einen einfachen Grund haben. Sie dürften den Schwung vom Vortag aus dem Derbysieg gegen den Erzrivalen ennet des Hudson River, die New York Rangers, gleich mitnehmen wollen und gleich noch einen drauf setzen.

Dieser 5:2-Heimsieg am Donnerstag, er war das erste Erfolgserlebnis in dieser noch jungen, aber für die Teufel so erfolglosen Saison mit lauter Niederlagen in sechs Spielen. Die Devils können gerade jede positive Nachricht gebrauchen. Immerhin: Am Samstag folgte sogleich das 1:0 zuhause gegen Vancouver, Sieg Nummer 2.

So oder so, der Freitag bescherte auch Hischier endlich wieder was Schönes. Zuvor hatte der Walliser nicht nur all die Niederlagen miterlebt, sondern hatte sich am Montag bei Nummer 6 auch noch an den Rippen verletzt und war darum beim ersten Sieg bloss Zuschauer. Und wie schön diese Bescherung ist! Es ist der beste Kontrakt, den ein Schweizer bislang unterschrieben hat in der NHL.

Im Auto sass auch Nicos Vater Rino, er ist gerade zu Besuch, doch mit dem neuen Vertrag hat das nichts zu tun. Die Aneinanderreihung mehrerer Heimspiele ist ein idealer Zeitpunkt für Visiten. Auch Mirco Müller, der zweite Schweizer bei den Devils, der im selben Hochhaus wie Hischier wohnt, hat gerade Mutter und Vater bei sich.

Der Drang, selbstständig zu sein

Ansonsten lebt Nico Hischier, seit er nach New Jersey kam, alleine. Er hätte zu Beginn bei einem älteren Mitspieler Untermieter sein können, so wie es der 18-jährige Jungstar Jack Hughes gerade macht, der bei Goalie Cory Schneider und dessen Familie untergebracht ist.

Schneider hatte dies vor zwei Jahren bereits Hischier offeriert, doch der Walliser hatte nach kurzem Überlegen abgesagt und sich fürs Leben auf eigenen Füssen entschieden. «Ich fühlte mich damals schon bereit für den Schritt, erstmals alleine zu wohnen.» Das Abenteuer teilte er sich mit dem ein Jahr älteren Teamkollegen Jesper Bratt, der Schwede und der Schweizer zogen ins gleiche Haus, halfen sich gegenseitig.

Die Devils haben eines der jüngeren Kader der Liga, es kommen Spielsituationen vor, in denen Hischier als 20-Jähriger plötzlich der Spieler mit der grössten NHL-Routine auf dem Eis ist. Zum Beispiel, wenn er gerade Powerplay spielt mit der üblichen Formation mit Hughes, Bratt, Gusev und Will Butcher.

Dass sowas schon in seiner dritten Saison möglich sein könnte, das hätte sich Hischier nicht erträumen lassen. Nun wird er bereits häufig zu Hughes befragt, weil dieser wie der Walliser ein als Nummer 1 gedrafteter, hochbegabter Mittelstürmer ist. «Ich weiss genau, was er gerade durchmacht», sagt Hischier.

Wobei das nicht ganz korrekt ist. Der Schweizer sorgte vor zwei Jahren bei seinem Einstand in der besten Eishockeyliga der Welt schon schnell einmal mit Assists und Toren dafür, dass es gar nie Diskussionen um Probleme beim Übergang vom Junioren- zum Profihockey gab.

Und auch wenn Hischier betont, dass es ihm nie in erster Linie um seine Tore und Assists gehe, sondern darum, Mitspieler und Trainer zufrieden zu stellen und er darum auch nur auf ihre Feedbacks höre, sagt er auch das: «Die Skorerpunkte ganz am Anfang halfen mir, das gab Selbstvertrauen.» Hughes hingegen brauchte sieben Spiele bis zu seinem ersten Punkt, beim 5:2 gegen die Rangers wurde ihm nachträglich ein Assist gutgeschrieben, weil er von einem Weitschuss getroffen worden war und der Puck so zum Torschützen prallte. Am Samstag gegen Vancouver schoss er dann sogar das einzige Tor.

Taylor Hall, Hischiers Linienpartner und Superstar im Devils-Kader, findet, dass der Druck auf Hughes noch viel schwerer laste als damals, 2017, auf Hischier bei seinem Debüt. Weil Hughes Nordamerikaner sei und es um seine Person schon seit mindestens zwei Jahren einen grossen Hype gebe – einen Hype, dem er nun zu Saisonbeginn kaum gerecht werden konnte. Hischier verteidigt seinen «Nummer-1-Nachfolger» indes: «Das mit dem Druck dürfte stimmen. Und es ist ja nicht so, dass er nicht zu Torchancen käme.»

Hughes ist einer von mindestens drei Gründen, warum die Devils vor der Saison als klar verbesserte Version der letztjährigen Ausgabe, die das Playoff verpasste, galten und warum nun eine umso grosse Ernüchterung im Fanlager herrscht. Nikita Gusev und PK Subban sind zwei andere.

PK Subban sorgt für Aufmerksamkeit

Gusev ist zwar schon 27, spielte aber bislang stets in seiner russischen Heimat, wo er zuletzt als vielleicht bester Stürmer ausserhalb der NHL galt. Nun feilt er nicht nur an seinem Spiel auf dem kleinen nordamerikanischen Eisfeld, sondern auch an seinem Englisch – er bringt die Mitspieler bereits zum Lachen. «Er ist ein Lustiger, das ist gut», sagt Hischier über den Russen.

Und wenn Gusev ein «Lustiger» ist, dann müssen für Subban neue Steigerungsformen dieses Wortes gefunden werden. Denn der Kanadier ist nicht nur ein exzellenter Offensivverteidiger, sondern auch ein polarisierender Spassvogel und Showman, der sich wunderbar zu verkaufen weiss. Als er nach dem Rangers-Match in die Kabine kam, zog er wie ein Magnet über 20 Journalisten auf sich. Dafür reichte, dass er, in der Mitte der Garderobe stehend, laut «Wenn ihr wollt, könnt ihr nun mit mir reden» in die Runde rief.

Wenn PK Subban ruft, kommen alle.

Hischier lacht, als er von dieser Episode hört: «Es sind nicht viele so wie er. Aber er verleiht unserer Mannschaft viel Energie.» Und natürlich Aufmerksamkeit auch neben dem Eis. Medial fristeten die Devils im Grossraum New York mit drei NHL-Clubs bislang ein Schattendasein neben den allmächtigen Rangers.

Subban, der Partner der ehemaligen US-Skigrösse Lindsey Vonn, hat das schnell geändert. Und auch bei den Devils-Fans kam er von Anfang an unglaublich gut an. Bei der Teampräsentation vor dem ersten Heimspiel erhielt der Kanadier bereits mindestens so lauten Applaus wie die arrivierten Stars.

«Ich bin auf dem richtigen Weg»

Zumindest kurzfristig wird auch Hischier die Aufmerksamkeit auf sich ziehen dank seines neuen Vertrags. Das war natürlich nicht der Zweck, mit der sehr frühen Einigung wollte Hischier für das Gegenteil sorgen – für Ruhe nämlich. Letzten Sommer hatten einige junge NHL-Topshots mit unendlichen Vertragsverhandlungen bis fast dem Beginn der neuen Saison für ein Theater gesorgt, das medial ausgeschlachtet wurde und den Clubs Unruhe bescherte.

Es passt zu Hischiers besonnenen Art, dass er so etwas verhindern wollte: «Es war mein Wunsch, schon jetzt während der Saison zu unterschreiben. Und auch die Devils waren offen für diese Lösung.» Nun könne er sich auf die Saison konzentrieren, es ist ja noch einiges an Eishockey zu spielen.

Hischier hat, das verhehlt er gar nicht, grosse Ziele bei den Devils. Den Stanley Cup einst gewinnen. Und schon bald zu einem Leader der Mannschaft werden, das will er in den nächsten sieben Jahren, in denen sein neuer Vertrag laufen wird, Schritt für Schritt erreichen. Er darf zuversichtlich sein, das weiss auch Hischier selbst: «Das Vertrauen der Devils mit diesem langfristigen Vertrag zeigt auch, dass ich auf dem richtigen Weg bin.» Nun braucht es einfach ein paar weitere Siege.


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Erstellt: 20.10.2019, 01:15 Uhr

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